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Medien „Tatort": Münster, wie es singt und summt
Mehr Welt Medien „Tatort": Münster, wie es singt und summt
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21:33 24.03.2013
Von Uwe Janssen
Drei Männer und ein Logo: Frank Thiel (Axel Prahl, Mitte) und Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, l.) haben es diesmal mit Schlagerstar Roman König (Roland Kaiser) zu tun.
Drei Männer und ein Logo: Frank Thiel (Axel Prahl, Mitte) und Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, l.) haben es diesmal mit Schlagerstar Roman König (Roland Kaiser) zu tun. Quelle: ARD
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Münster/Hannover

Münster. Boerne, Thiel und Alberich, Komödie mit Mord, Two And a Half Woman. Da kann der Kaiser König sein. Passt schon. Immerhin war man in dieser Hinsicht konsequent: Wenn schon Kaiser, dann auch im Mittelpunkt des Kriminalfalles. Den gibt es diesmal in Münster auch wieder zwischen all dem Geblödel von Rechtsmediziner und Oberlehrer Boerne (Jan Josef Liefers), St.-Pauli-Shirt-Träger Thiel (Axel Prahl) und Boerne-Assistentin Silke Haller (Christine Urspruch). „Alberich“, wie sie genannt wird, entpuppt sich ebenso als textfester Fan von Schnulzenkaiser König wie die kettenrauchende Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann).

Wie praktisch, dass der Mord an einer Journalistin direkt zum Barden führt. Denn der alternde Charmeur ist in der Stadt, Münster steht kopf (was nicht unbedingt für die Hipness Münsters spricht), und die tote Journalistin hatte eine „Ehrenkarte“ für das Konzert bei sich. So findet sich Thiel (mit Bierbecher) neben der begeistert singenden Staatsanwältin in der Schlagershow wieder.

Dass Chefbesserwisser Boerne den Künstler sogar persönlich kennenlernt, liegt an einer Nebenhandlung, die beim Münster-„Tatort“ natürlich dazugehört. Andere Ermittler haben Husten oder nervige Töchter. Boerne hat große haarige Spinnen, die er sich mit einer Kiste Bananen ins Haus geschleppt hat. Aus Sicherheitsgründen zieht er vorsichtshalber ins beste Hotel der Stadt. Dort residiert selbstverständlich auch der Schlagerstar. Man parliert im Bademantel über klassische Musik und ist am nächsten Morgen beim Frühstück auch schon beim Du.

Die Autoren Stefan Cantz, Jan Hinter und Regisseur Kaspar Heidelbach haben die Folge „Summ, summ, summ“ wieder ganz in den Dienst ihrer spruchgewaltigen Protagonisten gestellt. So sind die Münster-Folgen zum Quotenhit geworden, denen auf Sicht wohl nur Til Schweigers Ballershow gefährlich werden kann.

Vor allem Karl-Friedrich Boerne, von Liefers in einer Mischung aus Loriot, Sherlock Holmes und Pierre Richard zur Kultfigur bundesdeutscher Krimiunterhaltung erhoben, darf wieder aus allen Rohren feuern. Kein normaler, hintergrundloser, pointenloser Satz soll je über seine Lippen kommen. Das flutscht im Zusammenspiel mit seinen Kollegen wieder mal wie geschmiert und mit viel Tempo. Aber einer wie Roland Kaiser, der sich ohnehin ein bisschen durch seine Rolle des abgehalfterten Schwerenöters quält, wird von Liefers geradezu überfahren.

Und weil Thiels schrulliger Vater Herbert auch noch seine Szenen braucht, diesmal als Freund der Drogen, des Rock ’n’ Roll und der Imkerei, bleiben der Fall (es werden schließlich zwei) und seine eigentlichen Hintergründe – Ideenklau, Tantiemenkrieg und Stalking (schön wahnsinnig: Fritzi Haberlandt) –  kaum mehr als eine bessere Deko für die Pointenshow der Hauptdarsteller. Die allerdings ist wieder einmal den Sonntagabend wert.