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Medien „Tatort“: Mord auf dem Spargelhof
Mehr Welt Medien „Tatort“: Mord auf dem Spargelhof
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19:18 08.10.2010
Von Hannah Suppa
In Münster ist gut Spargel essen: Professor Boerne (Jan Josef Liefers, links) und Kommissar Thiel (Axel Prahl).
In Münster ist gut Spargel essen: Professor Boerne (Jan Josef Liefers, links) und Kommissar Thiel (Axel Prahl). Quelle: ARD
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Wie ärgerlich. Da hatte es sich Professor Karl-Friedrich Boer­ne (Jan Josef Liefers) gerade im Restaurant gemütlich gemacht, vor dem Personal über Spargel doziert, die Temperatur des Weißweins als zu hoch befunden, und dann klingelt auch schon wieder das Telefon – der Rechtsmediziner muss los, ins Umland von Münster. Dort wurde gerade die erstochene Frau des ortsansässigen Spargelbauern Martin Pütz (Jörg Hartmann) gefunden. Tatwaffe: ein Spargelmesser, was sonst.

Der 18. Münsteraner „Tatort: Spargelzeit“ führt das ungleiche Duo Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und Professor Boerne aufs Land: Raus aus dem betulichen Münster, wo selbst in der Fiktion langsam nicht mehr so viel gemordet werden kann. Also müssen neue Schauplätze her. Und dann ist alles so, wie man es von den beiden Streithähnen kennt – und erwartet: Sie zanken sich, und einer der Protagonisten ist in den Fall verwickelt. Diesmal ist es Thiels Hippievater – er sitzt kurz nach dem Mord auf dem Spargelhof als dringend Tatverdächtiger im Streifenwagen der Dorfpolizei. Zur Belustigung von Professor Boerne: Der lässt wie immer keine Gelegenheit aus, seinen Kollegen von der Polizei zu necken, ihm seine Unzulänglichkeiten vorzuhalten und vor allem: sich selbst zu loben.

Senior Thiel (Claus D. Clausnitzer) hatte auf dem Feld unweit des Tatorts Spargel fürs Abendessen geklaut, und nun lässt ihn sein Sohn eine Nacht in U-Haft verbringen. Es soll ja alles nach Vorschrift laufen. Dass der Taxifahrer wirklich nur ein harmloser Spargeldieb und kein Mörder ist, stellt sich schnell heraus. Und so zeigt sich etwas anderes: dass es im Münsterland gar nicht so friedlich zugeht, wie es den Anschein hat. Die Dorfbewohner haben zu den Saisonarbeitern aus Polen und Rumänien, die Sommer für Sommer für einen Niedriglohn den Spargel stechen, kein gutes Verhältnis; selbst der Dorfpolizist nennt die Arbeiter abwertend „Polacken“. Besonders, seit vor zwei Jahren die 15-jährige Julia (Matilda Merkel), die Tochter der Familie Pütz, auf einem Feldweg vergewaltigt wurde. Seither stehen die Spargelarbeiter unter Generalverdacht. Durch den Mord an Julias Mutter verschärft sich der Zwist zwischen Arbeitern und Einheimischen. Und dann wird auf der Kleidung der Toten auch noch dieselbe DNA wie damals bei dem Verbrechen an Julia gefunden. Und die Liste der Verdächtigen ist lang.

Nun sind Kommissar Thiel und Professor Boerne an der Reihe: Wo ist der Zusammenhang zwischen der Vergewaltigung und dem Mord? Hatte Frau Pütz ein Verhältnis mit einem Spargelarbeiter? Die beiden Münsteraner arbeiten erst einmal getrennt. Während der Professor samt Assistentin Silke „Alberich“ Haller (ChrisTine Urspruch) im Porsche vorfährt, in Anzug und Gummistiefeln im schottischen Schachbrettmuster über die Felder stapft und allen Arbeitern eine DNA-Probe abnehmen lässt, schickt Thiel seine Kollegin Nadeshda (Friederike Kempter) als verdeckte Ermittlerin auf den Acker – als Spargelstecherin. Kein Wunder, dass Thiel und Boerne dabei aneinander­geraten: „Ich reiße Ihnen den Kopf ab, und zwar höchstpersönlich!“, schimpft Kommissar Thiel. „Dazu mangelt es ­Ihnen doch bei ihrer desolaten Fitness an Ausdauer und Zugkraft.“ – „Für Ihre Wachsbirne reicht es gerade noch.“ Das sind die Dialoge, die den Münster-­„Tatort“ zum beliebtesten der Reihe machen – und die aus einem eigentlich normalen Krimi mit durchschnittlichem Spannungsbogen und vorhersehbarem Ende einen trotzdem sehenswerten Fernsehfilm machen. Und es ist immer wieder amüsant, dem Pathologieprofessor zuzuhören, wenn er Sätze sagt wie: „Irgendwann redet jede Leiche mit mir.“ Doch leider gibt es von solchen in diesem Münster-„Tatort“ zu wenig. Die aktuelle Folge aus der Feder von Peter Zingler und Jürgen Werner ist ungewohnt still und nachdenklich geraten. Das ist zuweilen schade, denn so sieht man das liebenswerte Duo Prahl/Liefers zu selten zusammen auf dem Schirm.

Doch eins ist auch in dieser Episode gewiss: Am Ende ist der Mörder gefunden, Thiel und Boerne haben sich in Wahrheit ganz gern, und in Münster ist die Welt wieder in Ordnung. Keine schlechte Erkenntnis für einen Sonntagabend.

„Tatort: Spargelzeit“ | ARD

Krimi aus Münster

Sonntag, 10. Oktober, 20.15 Uhr

Jutta Rinas 08.10.2010
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