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Medien So ist der „Tatort: Maleficius“ aus Ludwigshafen
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19:23 08.09.2019
Die falsche Leiche ist aufgetaucht: Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) sammeln zum zweiten Mal Spuren am Rhein. Diesmal hat der Fluss die Leiche der Ärztin Marie Anzell (Jana Voosen) angeschwemmt. Quelle: SWR/Sabine Hackenberg
Ludwigshafen

Ökologisch stimmt fast alles. Denn zumindest an der Nachhaltigkeit dieses „Tatorts“ aus Ludwigshafen gibt’s wirklich nichts zu meckern. So gab es bei den Dreharbeiten Porzellan und Glas statt Pappe und Plastik, einer der Hauptverdächtigen im Film fährt ein Elektroauto, und die Kommissarinnen essen gern mal einen gesunden Apfel statt einer fettigen Currywurst. Greta ist eben inzwischen fast überall, jetzt also auch im „Tatort“ oder beispielsweise bei der Senderplattform Sky, die von ihren Produktionsfirmen sogar verlangt, dass komplett „grün“ gedreht wird.

Doch leider alles andere als nachhaltig ist die Qualität des neuen Lena-Odenthal-Falls „Maleficius“, der sein brisantes Thema in Banalitäten und Plattitüden erstickt. Und würde es das bekannte „Doppelpass“-Phrasenschwein auch bei der „Tatort“-Reihe geben, es wäre bei diesem Fall schnell prallvoll. Da steht also gleich am Anfang Kommissarin Odenthal (Ulrike Folkerts), die noch in diesem Jahr mit ihrem 70. Fall ihr 30-jähriges Dienstjubiläum feiern wird, am Rheinufer, dem vermeintlichen Ort eines Verbrechens.

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„Tatort“-Plattitüden: „Hier stimmt was nicht“

Sie schaut nachdenklich auf den dort im Wasser stehenden leeren Rollstuhl und stellt tatsächlich grüblerisch fest: „Hier stimmt was nicht.“ Ein Satz, der so schon hundertfach in deutschen Krimis gefallen ist. Und der daher mittlerweile so banal ist, dass es beim Zuschauen richtig schmerzt. Aber diese Phrase bleibt leider kein Einzelfall. Dabei ist Drehbuchautor Tom Bohn, der auch Regie führt, ein alter „Tatort“-Hase. Er hat seit 1995 bereits 18-mal für die Reihe gearbeitet, und darunter war allein sechsmal ein Odenthal-Krimi.

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Doch zurück zum Rheinufer und zu dem, was dort offenbar nicht stimmt: Der Rollstuhl und eine zurückgelassene Brieftasche gehören nämlich einem gewissen Lukas Pirchner, der nach einem Autounfall querschnittsgelähmt ist. Und wie es ausschaut, könnte er Selbstmord begangen haben. Doch seine Leiche bleibt verschwunden. Daraus allein bezieht der Film dann seine Spannung, der Rest dagegen ist leider arg vorhersehbar.

Im Ludwigshafener „Tatort“ alles nur Zufall?

Pirchners Leiche taucht jedenfalls trotz intensiver Sucharbeit nicht auf, dafür wenig später die einer Ärztin. Auch sie ist im Rhein gelandet und wird natürlich von einem Angler gefunden. Und wie sich herausstellt, hat sie vor ihrem Tod als Assistenzärztin in einem Hirnforschungsinstitut gearbeitet, in dem man versucht, unter anderem querschnittsgelähmten Menschen mithilfe von Gehirnstimulationen ihre Bewegungsfähigkeit zurückzugeben. Auch der verschwundene Rollstuhlfahrer hat dort Hilfe gesucht. Nur ein Zufall? Oder stimmt auch da was nicht?

Odenthal, die von ihrer noch recht jungen Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter) unterstützt wird, sucht also das Institut auf, eine in strahlendem Weiß gehaltene klinisch saubere Hightechwelt, in dem der nobelpreisverdächtige Professor Bordauer in einem ansonsten ganz normalen Krankenhaus residiert. Er behandelt nicht nur Lähmungen, sondern träumt von einem neuen Menschen, von einem Wesen, dessen Gehirn mit künstlicher Intelligenz gleichsam verschmolzen ist. Was ihm dann angeblich unglaubliche Möglichkeiten verschaffen soll.

Sebastian Bezzel: Vom „Tatort“-Kommissar zum Halbgott in Weiß

Genau an diesem Punkt wird aus dem klassischen Ermittler-„Tatort“ plötzlich eine allerdings auch längst klassische „Wissenschaftler spielt Gott“-Geschichte, die trotz ihres offensichtlich hohen Anspruchs leider recht oberflächlich bleibt und vor allem sehr überkonstruiert wirkt. Das liegt auch ein wenig an Sebastian Bezzel, der noch vor drei Jahren selbst als „Tatort“-Kommissar am Bodensee ermittelt hat. Und der hier den Halbgott in Weiß so bodenständig locker spielt, dass man ihm den besessenen Professor einfach nicht abnimmt.

Aber das ist längst noch nicht alles. Dieser Professor hat nämlich auch Gegenspieler. Zum einen den Klinikpfarrer (Heinz Hoenig), der ihn und seine Forschung für den Inbegriff des Bösen (also den Maleficius) hält. Und zum anderen die muskulösen Autoschrauber und -tuner, zu denen vor seinem Unfall auch der verschollene Rollstuhlfahrer zählte. Und, man glaubt es nicht, auch diese kernigen Typen haben den Verdacht, dass hier irgendwas … Ja, richtig geraten.

Von Ernst Corinth/RND

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