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Medien „Tatort – Eine bessere Welt“ mit neuen Ermittlern in Frankfurt
Mehr Welt Medien „Tatort – Eine bessere Welt“ mit neuen Ermittlern in Frankfurt
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19:52 06.05.2011
Von Stefan Stosch
Ungleiches Paar: Die neuen Frankfurter Kriminalhauptkommissare Frank Steier (Jo achim Król) und Conny Mey (Nina Kunzendorf). Quelle: ARD
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Immer wieder mal bleibt in einem Krimi die Leiche unauffindbar. In diesem Frankfurter „Tatort“ fehlt aber sogar ein Mörder. Im Angebot ist lediglich ein offenkundiger Psychopath, der vielleicht einen Mord an einer jungen Frau begehen könnte. Vielleicht aber auch nicht. Der Mann (Justus von Dohnányi) hält die junge Frau für verantwortlich am Dahinsiechen seines Sohnes, der nach einem Autounfall im Koma liegt. Das macht’s kompliziert für „Tatort“-Kommissare, die ordentlich ihrem Job nachgehen wollen.

Erst recht, wenn der eine Kollege sozial so schwer kompatibel ist, dass die Kommunikation darunter leidet: „Wir sind doch keine „Mordverhinderungskommission“, herrscht der altgediente Frank Steier (Joachim Król) seine Kollegin Conny Mey (Nina Kunzendorf) an. Mit so einem Stiesel kann man nicht zusammen arbeiten. Zartbesaitete Kollegen würden vermutlich sofort ihre Dienstmarke abgeben. Nicht so das Gute-Laune-Wesen Conny Mey. Die Frau ist eine Erscheinung: figurbetontes Outfit von den knallengen Jeans bis zu den tief dekolletierten Shirts, Cowboystiefel und ein energischer Gang, den Steier wenig charmant sogleich mit dem eines Pferdes vergleicht. Dabei erinnert diese Art der Fortbewegung eher an einen Cowboy, der nach stundenlangem Ritt aus dem Sattel gestiegen ist.

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Und dann erst die Stimme: Mey flötet „Hallöchen“, tschilpt ironisch etwas vom verdienten „Kaffeepäuschen“, wenn die Kollegen ihrer Meinung nach zu wenig Interesse daran zeigen, die Welt wenigstens ein bisschen besser zu machen, als sie ist. Diese Hauptkommissarin ist eine Wucht, ja, eine wahre Wuchtbrumme im neuen Frankfurt-„Tatort“ mit dem Titel „Eine bessere Welt“. Mey drängt ihren Kollegen ein wenig in den Schatten, und das will bei der Besetzung mit Joachim Król schon etwas heißen.

Doch so originell ist es nicht, Król als verschrobenen Sonderling zu besetzen. Den hat er schon oft gespielt (im ZDF war er auch schon mal ein Kriminalhauptkommissar namens Lutter). Als Gegenpol für die ihn um Kopflänge überragende Kollegin ist er dennoch eine gute Wahl. Regisseur und Drehbuchautor Lars Kraume konzentriert sich im Auftaktfilm sehr auf die beiden neuen „Tatort“-Ermittler, die für Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf den Frankfurter Ermittlerjob übernommen haben (ebenso wie Ulrich Tukur, dessen zweiter „Tatort“ Anfang Dezember ausgestrahlt wird). Einerseits leidet unter dieser Fokussierung die Spannung, andererseits geht’s hier ja auch darum, dass die beiden Kommissare miteinander und die Zuschauer mit ihnen warm werden. Und das gelingt ganz wunderbar. Man freut sich auf ein Wiedersehen.

Der zweite Fall mit Mey und Steier, ebenfalls unter der Regie von Kraume, wird momentan bereits in Frankfurt gedreht. Könnte gut sein, dass Kraume die Grenzen des „Tatorts“ dann noch ein bisschen forscher austestet. Das Zeug dazu hätte er allemal: Kürzlich hat er den ungewöhnlichen Science-Fiction-Film „Die kommenden Tage“ ins Kino gebracht. Zumindest am Ende gewinnt „Eine bessere Welt“ noch ein wenig an Tempo, wenn es darauf ankommt, einen Mord zu verhindern – was diesen „Tatort“ eher zu einem Thriller macht. Und was niemanden sonderlich überraschen dürfte: Auch der griesgrämige Steier entpuppt sich im Finale als wahrhaft opferbereiter Weltverbesserer.