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Medien TV-Zuschauer wählen schönste Oper
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13:12 22.12.2009
Von Stefan Arndt
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Es ist eine Misswahl royal. Die Oper, so sieht man es zumindest bei 3sat, ist „die Königin der schönen Künste“. Und in den nächsten zwei Wochen möchte der Sender die Königin der Königinnen küren: Zehn Abende lang sind zur besten Sendezeit insgesamt zehn der meistgespielten Opern zu sehen, anschließend entscheiden die Zuschauer darüber, welches Stück künftig als „schönste Oper aller Zeiten“ firmieren darf.

Die Idee ist nicht gerade neu, Rankings erfreuen sich seit Jahren großer Beliebtheit. Ob die größten Deutschen oder das beste Buch: Die Superstarsuche ist längst zur Spielwiese auch des Bildungsfernsehens geworden. Doch diesmal ist es anders: Man spricht nicht nur über die Stücke, man zeigt sie auch – und das kann dauern: Für Wagners „Lohengrin“, der die Reihe am 26. Dezember eröffnet, spendiert 3sat fast vier Stunden Sendezeit im Abendprogramm. Zwei Wochen lang gibt es dann keinen Krimi, keinen Liebesfilm, keine Dokumentationen. Stattdessen Oper, Oper, Oper. Nie zuvor hat man dieser Kunstform so viel Platz im Fernsehen eingeräumt.

Bis vor Kurzem hat sie dort allerdings auch niemand vermisst. Große Oper auf kleinem Bildschirm – das war selbst hartgesottenen Fans zu ungewohnt. In den vergangenen Jahren hat sich die Situation aber deutlich verändert. Das zeigt schon ein Blick in die Regale der Plattenläden: Dort, wo sich früher CD-Boxen mit Gesamtaufnahmen aneinanderreihten, stehen heute vor allem DVDs. Während immer weniger CD-Aufnahmen entstehen (in diesem Jahr war Puccinis „Madama Butterfly“ sogar die einzige große Studioproduktion einer Oper), wächst das Angebot an DVDs fast täglich. Ein Ende ist dabei nicht abzusehen: Die Fachmesse Midem hat das Medium erst Anfang dieses Jahres zum größten Wachstumsmarkt der Klassik erklärt.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Sicher bringt die Heimkinoanlage nicht nur Explosionen eindrucksvoll zu Geltung, sondern auch richtige Musik. Und der neue Flachbildschirm ist vom Theater nicht mehr so weit entfernt wie die alte Glotze, bei der der Opernfreund nur in die Röhre gucken konnte. Auf der anderen Seite ist die Aufzeichnung einer Opernaufführung nicht mehr mit dem Aufwand vergangener Zeiten vergleichbar und bei großen Produktionen ohnehin die Regel. Die einfache Technik ermöglicht schließlich auch einen neuen Zugang zu einer Kunst, die seit je multimedial war.

Das Fernsehen macht diese bisher eher im Privaten vollzogene Entwicklung nun im großen Stil öffentlich. Dabei kann es dank des reichen Angebots mühelos aus dem Vollen schöpfen: Die gezeigten Inszenierungen gehören zu den spektakulärsten der vergangenen Jahre. Das „Tosca“-Bühnenbild von der Seebühne in Bregenz etwa ist durch James Bond und das EM-Sportstudio einem breiten Publikum bekannt – und Regisseur Phillipp Himmelmann hat seit „Tannhäuser“ und „Idomeneo“ an der hiesigen Staatsoper nicht nur in Hannover treue Fans. Die Opernhäuser in München und Zürich sind mit luxuriösen Produktionen ebenso vertreten wie das in Valencia, wo die Gruppe Palau de les Arts „Fidelio“ in Szene gesetzt hat. Die Salzburger Festspiele sind mit Martin Kusejs Hochglanz-„Don Giovanni“ mit von der Partie. Und weil Verdis „La Traviata“ mit zur Vorrunde gehört, fehlt auch die Produktion nicht, die den Erfolg der neuen Opernaufnahmen erst recht in Gang gesetzt hat: In Willy Deckers Salzburger Inszenierung haben sich Rolando Villazón und Anna Netrebko als „Traumpaar der Oper“ erfunden – und mit der bald nach der Premiere veröffentlichten Aufzeichnung ließen sie ein Massenpublikum daran teilhaben. Die Aufnahme wurde vor vier Jahren der erste Klassik-DVD-Bestseller.