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Medien TV-Sternekoch Christian Rach: Im Dienst des guten Geschmacks
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18:41 29.08.2010
Von Hannah Suppa
TV-Sternekoch Christian Rach. Quelle: Nancy Heusel (Archivbild)
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Manchmal, da weiß Christian Rach nicht mehr so recht, was er sagen soll. Dann steht er ratlos in einer deutschen Küche irgendwo in der Provinz, schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und stimmt sein Lachen an. Das Lachen, das ein wenig teuflisch klingt.

Er lacht sie nicht aus, seine Klienten, die ihn in größter Not gerufen haben, um zu retten, was eigentlich schon längst nicht mehr zu retten ist – doch es bleibt manchmal nicht mehr als Humor, wenn dem Hamburger Sternekoch Lasagne aus Fertigtüten mit Sauce hollandaise aus dem Tetrapak als Spezialität des Ortes angepriesen wird, wenn ein gelernter Bierbrauer kein Bier zapfen kann oder ein Küchenchef nicht weiß, wie Bratkartoffeln zubereitet werden. „Das sind aufklärerische Momente“, sagt Christian Rach auf Anfrage der HAZ. „Wir müssen weitergeben, dass es völliger Humbug ist, dass man von null auf 100, egal auf welchem Gebiet, alles beherrscht.“

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Und Aufklärer Rach, der selbst in Hamburg erfolgreich das Sternerestaurant „Tafelhaus“ führt, gibt seit 2005 für seine RTL-Sendung „Rach, der Restauranttester“ sein Wissen weiter. Zuweilen schauten dem Koch im Durchschnitt fünf bis sechs Millionen Zuschauer pro Sendung bei dem Versuch zu, Speisekarten umzukrempeln, düsteren Wirtsstuben Gastfreundlichkeit zu verleihen oder Chefs das Chefsein beizubringen. Die Kamera filmte gnadenlos in dreckige Kochtöpfe und ratlose Gesichter. Und zeigte einen Rach, der als Hüter des guten Geschmacks gegen den Schlamassel ankämpfte.

Dabei sieht der Zuschauer mehr als ein von der Pleite bedrohtes Lokal und mehr als einen charmanten und hart durchgreifenden Sternekoch, der nach eigenen Angaben selbst einen guten Braten schätzt und dem es vor Vanillepudding graut – er sieht auch die unterschiedlichen Gesichter Deutschlands. Mit Christian Rach gelangt der Zuschauer an Orte im manchmal fernen Nirgendwo, betritt schäbige Kneipen, an denen man sonst nicht mal bei größtem Hunger halten würde. Doch Rach geht dorthin, wo sonst keiner mehr hinkommt. Und: er bestellt sich etwas zu essen. Mehr Dramatik braucht es gar nicht.

Dafür bekam der 53-Jährige 2010 die Goldene Kamera und 2009 den Bayerischen Fernsehpreis – und die neue Position des RTL-Lieblingszupferdes im Coaching-Genre. Nachdem Peter Zwegat als Schuldenberater und Katharina Saalfrank als Supernanny stetig in der Zuschauergunst einbüßen mussten, ist Rach immer noch gern gesehen.

Jetzt geht er den Problemen von Anfang an auf den Grund: Ab heute zeigt RTL wöchentlich die Real-Life-Doku „Rachs Restaurantschule“. Eine eigene „Rach-Idee“, wie der Spitzengastronom sagt. „Ich finde, wir müssen als Unternehmer selber handeln. Und die Dinge ohne Sozialromantik in die Hand nehmen und zeigen, dass man dies auch mit wirtschaftlichem Erfolg tun kann.“ Das heißt für Rach: Ein neues Restaurant eröffnen und zwölf Arbeitssuchenden von 17 bis 44 Jahren die „Chance ihres Lebens geben“, nämlich einen Ausbildungs- oder Arbeitsvertrag im Hamburger Restaurant „Slowman“. Dort hat es der studierte Philosoph und Mathematiker mit Leuten zu tun, die den Beruf des Kochs bisher noch nicht richtig gelernt – und damit etwas mit dem Fernsehkoch gemeinsam haben.

Denn auch Rach hat keine klassische Kochausbildung durchlebt, sondern neben dem Studium als Koch und Kellner gejobbt, um später bei bedeutenden Vertretern der Kunst anzuheuern und es ihnen nachzumachen. Jetzt gibt er sein Wissen weiter, bietet eine Schulter zum Anlehnen, und der Zuschauer ist dabei, wenn die neue Lokalität renoviert, konzipiert und bekocht wird. Sieht Can aus Esslingen oder Jasmina aus Salzwedel dabei zu, wie sie dem Maestro auf die flinken Finger gucken. Rach soll für RTL nun ein neuer Jamie Oliver sein. Der tat 2002 nämlich in der Sendung „Jamie’s Kitchen“ ähnlich Gutes – und bildete 15 benachteiligte Jugendliche zu Köchen aus.

„Rachs Restaurantschule“, acht Folgen, Montag um 20.15 Uhr, danach immer montags um 21.15 Uhr auf RTL.