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Medien Streit um Nominierung für „Bild“
Mehr Welt Medien Streit um Nominierung für „Bild“
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09:54 09.05.2012
Von Karsten Röhrbein
Kai Diekmann in der Kritik: Er soll den Wulff-Anruf auf seine Mailbox gezielt instrumentalisiert haben. Quelle: dpa
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Hannover

Die Chancen, dass die „Bild“-Zeitung einen renommierten Henri-Nannen-Preis bekommt, stehen nicht schlecht: Der Artikel „Wirbel um Privat-Kredit – Hat Wulff das Parlament getäuscht?“ von den beiden „Bild“-Journalisten Martin Heidemanns und Nikolaus Harbusch ist in die Runde der letzten drei gekommen. Der Text über den umstrittenen Privatkredit für Christian Wulff vom 13. Dezember 2011 hatte eine Diskussion um den Bundespräsidenten angestoßen, an deren Ende Wulff seinen Hut nahm.

Am morgigen Donnerstag, einen Tag vor der Preisverleihung, entscheidet die Jury endgültig, ob der Text die prestigeträchtige Auszeichnung bekommt. Konkurrenten sind Hans Leyendecker, Klaus Ott und Nicolas Richter von der „Süddeutschen Zeitung“ mit der Artikelserie „Die Formel-1-Affäre“ sowie Holger Stark und Thomas Wiegold vom „Spiegel“ („Leos für die Saudis/Merkels Geheimnis“).

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Für „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann wäre ein Nannen-Preis ein Triumph – noch dazu kurz vor dem 60. Jubiläum des Boulevardblatts am 24. Juni. Doch die Nominierung ist nicht unumstritten. In der Affäre waren Auszüge eines erbosten Anrufs von Wulff auf Diekmanns Handy gezielt lanciert worden – was etwa die frühere Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer scharf kritisierte: Wenn die Kampagne des Boulevardblattes als seriöser Journalismus geadelt würde, würde sich der Nannen-Preis davon nicht erholen, warnte die Grünen-Politikerin.

Umstritten ist nicht nur, wie Diekmann den Anruf instrumentalisiert hat. Die Eigenleistung von „Bild“ hinterfragt etwa Publizist Michael Jürgs: Der „Spiegel“ habe vor Gericht überhaupt erst durchgesetzt, dass Journalisten Einblick in das Grundbuch von Wulffs Burgwedeler Immobilie nehmen konnten. Auch ist Wulff nicht wegen des Kredits zurückgetreten, sondern erst kurz nachdem die Staatsanwaltschaft wegen dessen Nähe zu Filmproduzent David Groenewold Ermittlungen aufgenommen hatte. Der entscheidende Hinweis kam nicht von „Bild“. Es war Peter Hintze, der sich in einer Talkshow verplapperte.

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