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Medien Street View: Google zeigt fast alle Straßen
Mehr Welt Medien Street View: Google zeigt fast alle Straßen
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12:47 25.02.2010
Für das Projekt Street View hat Google mit einer Spezialkamera Straßen abfotografiert. Quelle: dpa
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Datenschützer hatten besondere Einschränkungen an dem umstrittenen Angebot gefordert, Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) gar von „millionenfachen Einbrüchen" in die Privatsphäre gesprochen.

Flächendeckend fotografiert der US-amerikanische Suchmaschinenbetreiber bereits seit 2008 Straßenzüge in Deutschland – mit dem Ziel, ein neuartiges Kartenwerk im Internet zu veröffentlichen. In dem Angebot lässt sich jede Straße am Computerbildschirm abfahren, es werden neben Hausansichten auch parkende Fahrzeuge und Passanten sichtbar. Dabei handelt es sich nicht um Liveaufnahmen, sondern um teilweise Monate alte Fotografien, die von Google mithilfe von Rundumkameras auf Autos aufgenommen und im Internet intelligent zu 3D-Ansichten montiert werden.

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Ähnliche Fotostrecken aus 19 Ländern wie den USA, Frankreich und Skandinavien sind bereits jetzt für jedermann kostenlos im Internet unter http://maps.google.com einsehbar. Wer sich ein Bild von diesem Angebot machen möchte, sollte auf dieser Seite das gelbe Pacman-Symbol von oben links auf eine US-Karte ziehen. Blau hinterlegt sind dann sämtliche Straßen dargestellt, Häuserfronten lassen sich heranzoomen, Straßenschluchten am Bildschirm virtuell erkunden.

Mit 16 Datenschutzbehörden der Länder hat sich Google auf besondere Einschränkungen bei dem Dienst geeinigt. So werden Gesichter von Passanten automatisch verwischt und unkenntlich gemacht. Gleiches geschieht mit Autokennzeichen. Außerdem nimmt das Unternehmen unter der Mailadresse streetview-deutschland@google.com Anfragen aus der Bevölkerung entgegen, um auf Wunsch gezielt Hausansichten oder abgebildete Personen aus dem Dienst zu entfernen. Für solchen Widerspruch soll zudem ein besonderes Internetangebot eingerichtet werden, mit dem Betroffene ihre ungewünschte Veröffentlichung auf einer Karte kennzeichnen können. Hausbesitzer bekommen so die Möglichkeit, in dem Dienst anstelle ihrer Häuserfronten schwarze Flächen anzeigen zu lassen. Einige Tausend Widersprüche seien bereits vor dem Start des Angebots eingegangen, hieß es am Dienstag.

Laut einem 94-seitigen Gutachten von Prof. Nikolaus Forgó vom Institut für Rechtsinformatik der Leibniz Universität bleibt als Ergebnis der vorgesehenen Einschränkungen „festzuhalten, dass durch Street View ein Eingriff in das Allgemeine Persönlichkeitsrecht wohl nicht vorliegt". Ebenso kämen Abwehransprüche von Hauseigentümern „nicht in Betracht", da die Bilder stets von öffentlichem Straßengrund aus aufgenommen würden. Google-Sprecher Kay Oberbeck betonte, dass sein Unternehmen vor allem eine neue Form der Karte herstellen wolle und es nicht darum gehe, Menschen zu fotografieren. „Ich habe das Gefühl, dass unser Dienst dämonisiert wird". Tatsächlich biete es durchaus Vorteile, sich bei einer Anreise etwa zu einem Hotel ein „neutrales" Bild über Google Street View von der Umgebung zu machen.

Kurzgutachten (151 kB)