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Medien Stefan Raabs neue Show startet mit Gezerre um Gästeliste
Mehr Welt Medien Stefan Raabs neue Show startet mit Gezerre um Gästeliste
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07:30 13.11.2012
Von Imre Grimm
Politik mit (Ge-)Biss: Stefan Raab will die etablierte Konkurrenz aufscheuchen. Quelle: PRO7

Und so macht der 46-Jährige, der sonst in Reispfannen Eiskanäle herunterglitscht, der mit Gokarts durch Studioflure flitzt und immer, immer ein bisschen lauter, besser und schneller sein will als alle anderen, jetzt eine politische Talkshow, einmal im Monat. „Absolute Mehrheit“ heißt sie und startet am Sonntag um 22.45 Uhr live auf PRO7.

Raab und Politik. Das klemmt im Kopf. Das passt irgendwie nicht zusammen. Wie Gangsta-Rap und Gänseblümchen. Wie Mettbrötchen mit Marmelade. Was soll das werden? Sitzen da Elton, Gülcan Kamps und Sonya Kraus und sprechen über Nahostpolitik? Analysieren Joey Kelly und Axel Schulz mit dem Playmate des Monats den Wahlsieg von Barack Obama?

Aber der Mann meint das sehr ernst. Niemand meint Fernsehen so ernst wie Stefan Raab. Und er wäre nicht er selbst, gehe es nicht auch in seinem neuesten TV-Baby in Wahrheit ums Gewinnen: 90 Minuten lang sollen die Gäste – Politiker, „Normalmenschen“, Prominente – über drei „gesellschaftlich relevante Themen“ frei diskutieren. Das Publikum verteilt per SMS und Hotline seine Sympathien. Wessen Positionen am stärksten überzeugen, wer am Ende also auf mehr als 50 Prozent Zustimmung kommt, der erhält die „Absolute Mehrheit“ – und 100 000 Euro, die er spenden oder behalten darf. Slogan der Show: „Meinung muss sich wieder lohnen.“ Raab selbst will nur als Gastgeber, nicht als Mitdiskutant auftreten. SAT.1-Nachrichtenchef Peter Limbourg zieht nach jeder Themenrunde ein Resümee.

Das klingt nach einem Mix aus Politkarneval und Debattierklub, nach „Deutschland sucht das Super-Argument“, aber Raabs Ziel ist klar: Rhetoriktrickser, Blender und Unsympathen sollen sich selbst entlarven. Anne Will, Maybrit Illner, Günther Jauch und Co. – das sind für ihn blutleere Phrasenabwurfstationen. Er vertraut seit jeher auf die Schwarmintelligenz des Publikums. „Die Leute sind nicht doof, die merken sehr genau, wenn sie verscheißert werden.“

Aber ein Geldpreis für den „Sieger“ einer Talkshow? Das passt zeitlich natürlich herrlich zur Honorardebatte um Peer Steinbrück. Aber es ist ein Tabu in einem Land, das schmunzelt über die Frage, ob Obama oder Romney ein TV-Duell „gewonnen“ habe. Ach, die USA, heißt es dann. Können halt nicht anders. Immer geht’s ums Gewinnen. Prompt nölte ARD-Chefredakteur Thomas Baumann, Raabs Konzept sei „abwegig“. Die Irritation des politischen Berlin ist Balsam für den professionellen Provokateur: „Wenn die ARD es scheiße findet, heißt das, dass die Sendung der absolute Kracher wird.“

Die Frage ist nur: Warum sollte sie? Gut, Raab hat 2005 und 2009 mit zwei preisgekrönten „tv total“-Specials zur Bundestagswahl seinem jungen Publikum das sperrige Thema geschmeidig angetragen. Er verfügt – zu besichtigen in „Schlag den Raab“ oder „Blamieren oder Kassieren“ – über ein solides Allgemeinwissen. Aber ob Chuzpe, Wille und ein breites Grinsen genügen, um den politischen Sprechmaschinen die Maske herunterzureißen?

Heftiges Gezicke um die Gästeliste beherrschte die Vorwehen der Sendung: Zunächst pfiff Piratenparteichef Bernd Schlömer den umstrittenen Jesuslatschenpiraten Johannes Ponader zurück, der natürlich prima zu Raabs Polarisierungsprinzip gepasst hätte. Dann twitterte der Büroleiter von Grünen-Politiker Volker Beck, der ebenfalls eingeladene Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) habe darauf bestanden, dass Beck nicht in die Show kommen dürfe. Altmaier widersprach heftig: „Wegen Volker Beck gab es keine Intervention. Er ist mein Freund!“ Gestern nun sagte der Umweltminister seinen eigenen Auftritt ab. Man sei verärgert über das Planungschaos. Erstens wolle man nur über ein Thema sprechen, nicht drei. Und zweitens habe man lediglich um Mitdiskutanten auf Augenhöhe gebeten. „Das hat die Redaktion offenbar zum Anlass genommen, Beck auszuladen“, sagte Altmaiers Sprecher. Die Redaktion von Brainpool TV habe per Mail ursprünglich Andrea Nahles oder Hannelore Kraft für die SPD in Aussicht gestellt. Beide sagten ab. „Ich glaube eigentlich, dass Raab so etwas kann“, twitterte Volker Beck gestern nach Altmaiers Absage. „Aber die Redaktion scheint überfordert.“

Derlei Gezerre freilich kennt jede Talkshowredaktion. „Die Qualität unserer Sendung hängt nicht vom Erscheinen einer einzelnen Person ab“, sagte Raab gestern. Er freue sich auf  „eine muntere Diskussion“. Zu Gast sind nun der SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann, Wolfgang Kubicki (FDP) und Jan van Aken (Linke) sowie die Berliner Unternehmerin Verena Delius. Die Themen: Steuergerechtigkeit, Energiewende und soziale Netzwerke (im Vorprogramm läuft der Spielfilm „The Social Network“).

Während also die ARD darüber nachdenkt, ihre Talks zu reduzieren, will Raab den Etablierten in die Suppe spucken. Warum? Einfach aus Lust am „soziologischen Experiment“ (Raab)? Aus Arbeitswut? Wegen eines drohenden Ideenstaus? Etwas ganz anderes könnte eine Rolle spielen: Irgendwann darf auch mal Schluss sein mit lustig. Raab ist inzwischen doppelt so alt wie sein „tv total“-Kernpublikum. Irgendwann ist es auch mal gut damit, igelhaarigen Berufsschullümmeln Silbereisenwitze zu erzählen. Man tastet sich vor ins Erwachsenenfernsehen. „Jeder sagt: ,Lass es sein!‘ Das hat mich total motiviert.“

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