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Medien Sponsoringverbot bei ARD und ZDF alamiert Sportverbände
Mehr Welt Medien Sponsoringverbot bei ARD und ZDF alamiert Sportverbände
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20:06 17.12.2010
Von Patrick Hoffmann
Jeden Sonnabend läutet ein Sponsorenhinweis die „Sportschau“ in der ARD mit Gerhard Delling ein – künftig ist das nicht mehr zulässig. Quelle: ARD
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Wenn die deutschen Wintersportler am Sonntag wieder um Weltcupsiege fahren, laufen oder springen, wird die ARD wieder achteinhalb Stunden live aus den entlegensten Skigebieten der Welt berichten. Die Stars auf Schlitten und Skibrettern gehören zu den wenigen verlässlichen Quotengaranten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Die Übertragungen werden bisher von einer deutschen Direktbank und einer bayerischen Brauerei präsentiert. Vom 1. Januar 2013 an aber wird dieses sogenannte Programmsponsoring verboten sein. Viele Vertreter kleinerer Sportfachverbände fürchten, dann gänzlich von der Bildfläche zu verschwinden.

Mit dem neuen Rundfunkstaatsvertrag, den die Ministerpräsidenten in dieser Woche in Berlin unterzeichnet haben, wird ARD und ZDF das Einblenden eines Kurzwerbespots („Die Sportschau – ein Genuss mit Krombacher ...“) zukünftig werktags nach 20 Uhr sowie an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen untersagt. Der „Tatort“ im Ersten darf dann nicht mehr von einer Brauerei präsentiert werden. Zwar gibt es eine Ausnahmeregelung, doch genau die sorgt bei den Vertretern der Sportfachverbände für mächtig Unmut.

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Denn von der Einschränkung des Sponsorings sind allein Live-Fußball und große Sportevents ausgenommen: Olympische Spiele, Fußball-WM, Fußball-EM, DFB-Pokal, Fußball-Europapokal und die Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft. Den Präsidenten des Deutschen Leichtathletik-Verbands, Clemens Prokop, bringt das auf die Palme. „Ich finde es absurd, dass die Relevanz eines Testspiels der deutschen Fußball-Nationalmannschaft höher eingeschätzt wird als die einer Weltmeisterschaft im Skisport oder in der Leichtathletik“, sagte Prokop der HAZ. „Diese Differenzierung ist für mich nicht nachvollziehbar.“

Prokop befürchtet nun, dass ARD und ZDF ihre Sportberichterstattung noch weiter auf den Fußball konzentrieren werden. Unterstützung erhält er dabei beinahe von überall. Der Sportausschuss des Deutschen Bundestages hat sich bis zuletzt für eine Ausweitung der Ausnahmeregelung auf alle „national und international besonders bedeutsamen Sportveranstaltungen“ ausgesprochen. Und auch die Sportminister der Länder verfassten Anfang November bei der Ministerkonferenz einen inhaltlich gleichen Beschluss. „Aber offenbar konnten die Sportminister ihre eigenen Ministerpräsidenten nicht überzeugen“, sagte Martin Gerster (SPD), Mitglied des Sportausschusses. „Das ist schon ein seltsamer Vorgang.“ Die Sportkoordination der ARD lehnte eine Stellungnahme ab, hat aber bereits vor Wochen angekündigt, im Fall eines Sponsoringverbots auf die Übertragung regionaler Sportveranstaltungen verzichten zu müssen.

An Geld aber wird es den Öffentlich-Rechtlichen wohl auch nach dem Sponsoringverbot nicht fehlen. 800 Millionen Euro beträgt der Sportetat von ARD und ZDF zusammen. Doch gerade die Fußballlizenzen werden immer teurer. „ARD und ZDF werden das Geld also immer mehr zur Finanzierung des Fußballs benötigen“, befürchtet Prokop. Für andere Sportarten werde der Kuchen immer kleiner. Schon jetzt werden einzelne Verbände an den Produktionskosten für aufwendige HD-Übertragungen beteiligt, die sie nur durch Werbung refinanzieren können. „Und der einzige Verband, der sich das auch ohne Werbung leisten könnte“, sagt Prokop, „ist der Fußballverband. Und der wird jetzt auch noch bevorzugt.“ Da die privaten Sender an einer umfassenden Sportberichterstattung wenig interessiert sein dürften, malt Gerster ein düsteres Bild für die Zukunft: „Ob eine Sportart beliebt ist, ob viele Kinder in die jeweiligen Vereine eintreten, hängt vor allem davon ab, ob die Sportart im Fernsehen gezeigt wird. Es stellt sich für mich ernsthaft die Frage, ob man in Zukunft Kinder noch für Randsportarten begeistern kann.“

17.12.2010
Maren Koetsier 26.01.2011