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Medien Soziales Netzwerk „Twitter“ wird fünf Jahre alt
Mehr Welt Medien Soziales Netzwerk „Twitter“ wird fünf Jahre alt
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09:36 24.03.2011
„Twitter“ wird fünf Jahre alt – und sucht weiter nach einem Geschäftsmodell. Quelle: dpa
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Eigentlich war Twitter nur ein Abfallprodukt: Aus der Taufe gehoben von ein paar Technikfreaks, die nach einem geeigneten Weg suchten, um sich via Internet über ein aktuelles Firmenprojekt auf dem Laufenden zu halten. So will es zumindest die Gründungslegende. Ob wahr oder nicht – in den vergangenen fünf Jahren eroberte der Kurznachrichten-Dienst das Internet. Weit über 100 Millionen Nutzer – zu den genauen Zahlen schweigt das Unternehmen beharrlich – hat das Netzwerk, darunter sind Politiker wie Barack Obama, Prominente wie Lady Gaga sowie unzählige Möchtegern-Stars, die alle Welt an ihren mehr oder weniger wichtigen Neuigkeiten teilhaben lassen.

Das Twitter-Prinzip ist so simpel wie genial: Von jedem Rechner und internetfähigen Handy aus können Nutzer ihre bis zu 140 Zeichen langen Kurznachrichten veröffentlichen. Das ist weniger als die klassische SMS – mithilfe von Links lassen sich jedoch Verweise auf Bilder, Videos oder andere Texte platzieren. Wer sich für die Beiträge eines Nutzers interessiert, kann diese abonnieren und bekommt sie regelmäßig in der persönlichen Twitter-Startseite angezeigt.

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Doch was ist Twitter wirklich? Ein Ort, an dem die Weltnachrichten versammelt sind, wie Fans anführen? Oder Gerüchteküche und Tratschverein, wie Kritiker finden?

Fast alle großen Zeitungen und Fernsehsender sind bei Twitter vertreten. Sie speisen die Plattform mit dem Neuesten aus aller Welt und haben sie zu einem Nachrichtenticker geformt, bei dem sich das Weltgeschehen in Echtzeit verfolgen lässt. Journalisten berichten in Texthäppchen aus Japan oder Libyen, noch bevor die erste Agenturmeldung den Leser und der erste Filmbeitrag den Zuschauer erreicht hat. Verstärkt wird dieser Livecharakter durch die Vielzahl der Twitterer. Die zücken ihr Handy, filmen und fotografieren die Ereignisse am Ort des Geschehens und lassen die Welt am Rechner teilhaben. Zu beobachten bei der Revolution in Ägypten, als junge Demonstranten Twitter nutzten, um die Nachrichtensperre des Regimes zu umgehen.

Gerade die Schnelligkeit wird jedoch immer wieder zum Problem: Beim Nachrichtenstrom in Echtzeit bleibt die überprüfte Wahrheit mitunter auf der Strecke. So verbreitete sich 2009 die vermeintliche Nachricht vom Tode Patrick Swayzes rasend schnell via Twitter, obwohl dieser noch unter den Lebenden weilte. Erst vier Monate später erlag der US-Schauspieler einer Krebserkrankung. Das Peinliche: Auch etablierte Medien saßen der Falschmeldung auf und übernahmen sie ungeprüft.

Was besonders Nichtnutzer abschreckt, sind die vielen Belanglosigkeiten, die Twitterer minütlich schreiben. Beiträge wie „Stehe gerade am Bahnhof“ oder „Koche Kaffee“ haben der Plattform auch den Beinamen „Quasselbude“ eingebracht. Den steilen Flug des blauen Vogels, das Symbol für Twitter, hat das nicht aufgehalten.Mehr als 400 000 neue Mitglieder soll das Netzwerk nach eigenen Angaben täglich dazugewinnen.

Zum echten Problem könnte sich hingegen das fehlende Geschäftsmodell auswachsen. Das Unternehmen hat nach Schätzungen von Finanzanalysten zwar einen Marktwert von mehreren Milliarden Dollar – wie es aber jemals bares Geld verdienen will, ist auch nach fünf Jahren noch immer unklar. Werbung hat bisher nicht den erhofften Geldsegen gebracht, obendrein ist sie bei vielen Nutzern verpönt. Und so könnte es sein, dass der blaue Vogel viel schneller die Flügel gestutzt bekommt, als den Twitter-Gründern lieb sein dürfte.

Frerk Schenker