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Medien „Sesamstraße“ feiert 40. Geburtstag
Mehr Welt Medien „Sesamstraße“ feiert 40. Geburtstag
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19:59 06.01.2013
Bert, Samson, Bibo und das Krümelmonster feiern 40-jähriges Jubiläum mit der Sesamstraße. Quelle: dpa
Hannover

Da sitzen zwei Puppen in einem dreckigen Hinterhof auf der Mülltonne und streiten sich. „Ich bin größer“, ruft die eine. „Nein, ich“, sagt die andere, und es könnte ewig so weitergehen, wenn nicht ein Erwachsener schlichten würde. Für die deutschen Fernsehzuschauer war dieser Disput die erste Begegnung mit dem späteren Traumpaar des Kinderfernsehens: Am 8. Januar 1973 zeigten die dritten Programme die erste Folge der „Sesamstraße“.

Seit diesem Tag kennt Ernie und Bert, stets zwischen Lachen und Ohnmacht, jedes Kind. Und es gibt auch kaum jemanden, der nicht auf Anhieb die ersten Zeilen der Titelmelodie anstimmen könnte: Das „Wer? Wie? Was? Wieso? Weshalb? Warum?“ ist jedem Zuschauer ebenso im Gedächtnis geblieben wie all die vermeintlich pädagogisch wertvollen Puppenspielchen zu „Langsam, schnell“, „Hoch und tief“ oder „Psssst... Willst du ein A kaufen?“.

Es gibt also allen Grund zum Feiern für den Norddeutschen Rundfunk, der die Sendung federführend für Deutschland und seit 2009 sogar als reine Eigenproduktion herstellt. Bis dahin allerdings war es ein langer Weg. Bis heute liegen die Rechte beim Television Workshop, der das Original, die „Sesame Street“, seit 1969 mit Muppet-Puppen für das US-Fernsehen produziert und damit noch immer mitbestimmt, welche Puppen in den Franchise-nehmenden Ländern jeweils die Hauptrollen spielen.

Das Konzept der Sendung mag im Nachhinein wie ein Geniestreich wirken, tatsächlich aber entstand die „Sesame Street“, nachdem amerikanische Wissenschaftler herausgefunden hatten, dass sich Kinder die eingängigen Sprüche aus dem Werbefernsehen weitaus besser einprägen konnten als so manchen Merksatz aus dem Schulunterricht. Daraufhin entwickelten Fernsehredakteure gemeinsam mit Pädagogen, Psychologen und Werbefachleuten die ursprüngliche Mischung aus Puppenspiel und Dokumentarfilmchen. Das war ein Paradigmenwechsel. Erstmals erzählte eine Fernsehsendung aus dem Blickwinkel der Kinder. Wenn Ernie und Bert sich vor dem Schlafengehen fürchten oder das Krümelmonster schamhaft den letzten Keks versteckt, um nicht mit den anderen teilen zu müssen, sind die Puppen dem Alltag der jungen Zuschauer ganz nah.

Allerdings störten sich die Deutschen anfangs an der US-Vorstadtkulisse. Düstere Hinterhöfe, in denen zwischen Mülltonnen Basketball gespielt wurde, entsprachen so gar nicht der Vorstellung von einem Umfeld, in dem ihre Kinder aufwachsen sollten. Auch das pädagogische Konzept der ständigen Wiederholungen vor allem in den Puppenfilmen haben Experten immer wieder bemängelt. Der Bayerische Rundfunk sperrt sich bis heute gegen die „Sesamstraße“ - sie findet im dritten Programm des Senders einfach nicht statt.

Erstmals eingedeutscht wurde die „Sesamstraße“ deshalb 1978: Damals zog das „Sesamstraßen“-Personal in ein ihrem Publikum vertrauter wirkendes Studio, in dem fortan auch deutsche Prominente wie Lilo Pulver, Horst Janson und Uwe Friedrichsen durch die Sendung führten.

Auch bei den Puppen gab es immer mal wieder Umbesetzungen: Der bereits in den USA wegen seines Schmuddel­images abgesetzte Oscar verschwand auch aus dem deutschen Programm. Generationen von Zuschauern lassen sich seither nach „Sesamstraßen“-Besetzungen ihren Geburtsjahren zuordnen: Da gab es die Kinder, die in den frühen Siebzigern noch Sendungen mit Bibo und Oscar sahen, oder welche, die sich später von der tantenhaften Tiffy und dem Spießer Herrn von Bödefeld belehren lassen mussten. Wer sich jetzt einschaltet, bekommt es hingegen mit Elmo zu tun: Das kleine rote Monster, frech, aber äußerst kuschelbedürftig, wurde erst vor wenigen Monaten aus den USA übernommen.

Dass sich Elmo in den USA jedoch noch vielmehr wie ein Kleinkind benimmt, liegt daran, dass sich das Original - noch immer - auch schon an unter dreijährige Kinder aus bildungsfernen Familien richtet. Die deutschen Produzenten setzen ihre Zielgruppe hingegen viel höher an. „Kinder unter drei Jahren gehören nicht vor den Fernsehapparat“, sagt Redakteur Holger Hermesmeyer. Auch den früheren Bildungsanspruch interpretiert der NDR inzwischen anders. Die „Sesamstraße“ soll die Lebenswirklichkeit der Kinder widerspiegeln und vor allem Spaß machen. An die Stelle von lehrreichen Erklärstücken treten mittlerweile mehr und mehr kurze Dokumentarfilme, die aus dem Leben von Vorschulkindern erzählen. Da geht es dann etwa um Themen wie Freundschaft, Ehrlichkeit, aber auch um den Sinn des Zähneputzens und das Leben in einer Patchworkfamilie.

Und auch sonst hat sich einiges geändert. Die Maultrommel aus dem Titelsong ist verschwunden, dafür singt Lena Meyer-Landrut nun zu Keyboard und Percussions „Wer? Wie? Was?“. Das Schaf Wolle und sein Freund Pferd sind die aktuellen Superstars der Serie. Mit ihnen wagte der NDR sogar einen Spin-off: Seit einigen Jahren sendet der KI.KA mit den beiden Puppen erfolgreich die Serie „Eine Möhre für zwei“.

Dass die Serie nun nicht mehr am frühen Abend in den dritten Programmen, sondern morgens um 8 Uhr im KI.KA läuft und trotz zahlreicher Proteste laut NDR mehr Zuschauer hat als zuvor, zeigt vielleicht auch, dass die Kinder von heute andere Fernsehgewohnheiten haben, als noch vor 40 Jahren.

Ernie und Bert aber sind geblieben. Und sie tragen noch dieselben Rollkragenpullover wie bei ihrem ersten Streit auf der Mülltonne 1973. Erwachsenen mögen sie vorkommen wie ein altes Ehepaar. Für die Kinder sind die beiden aber noch immer die größten.

Die Sondersendungen zum 40. Geburtstag

Dienstag, 8. Januar, 8 Uhr, KI.KA: Jubiläumssendung – Die Sesamstraße feiert Geburtstag mit vielen Überraschungen.

Sonnabend, 12. Januar, 23.40 Uhr, NDR: Die lange Sesamstraßennacht. Caren Miosga präsentiert gemeinsam mit den Puppen das Beste aus 40 Jahren.

Ostern, KI.KA: „Eine Möhre für zwei – Der Film: Das Geheimnis der Blumenfabrik“. Wolle und Pferd müssen in diesem Zweiteiler den Eichenpark vor dem Abriss retten.

Herbst: Große Jubiläumsgala der Sesamstraße.

Dany Schrader/Stefan Scherer

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