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20:15 04.01.2013
Haltung im Weinkeller: Heino Ferch als Hotelerbe Louis Adlon und Marie Bäumer als Hedda Adlon. Quelle: ZDF
Berlin

Was sind das für Geschichten! Majestät im Morgenmantel, gerade aufgestanden vom Lotterbett der Fürstensuite im Hotel „Adlon“, das er mit der schwarzhaarigen Sängerin La Belle Otéro teilte. Der Page bringt den Snack danach, schafft es aber nicht rechtzeitig aus der Tür, läuft dem Monarchen in die Arme. Salutiert vor dem Kaiser mit wenig Kleidern, atmet tief durch und denkt daran, was ihm sein Chef Lorenz Adlon eingeschärft hat: „Diskretion, mein Junge. Diskretion!“

Das Hotel „Adlon“ steckt voller solcher Geschichten. 1907 am Pariser Platz in Berlin eröffnet, war es das erste richtige Luxushotel der deutschen Hauptstadt. Sein Ruf war legendär. Ein dankbarer Filmstoff, möchte man meinen.

Regisseur Uli Edel erzählt in „Das Adlon - eine Familiensaga“ zwar diese Episode. Sonst aber einen ganz anderen Stoff. In seinem „Baader Meinhof Komplex“ (2008) hatte er die Geschichte der Historie geopfert, statt eines spannenden Plots reihenweise die bekanntesten Pressefotos der sechziger und siebziger Jahre filmisch belebt. Im ZDF-Dreiteiler „Das Adlon“ opfern Edel und Drehbuchautorin Rodica Döhnert die Historie der Geschichte. „Emotional und saftig“ sollte es sein, sagt Döhnert, eine der gefragtesten deutschen Drehbuchautorinnen. „Das gibt die Familie Adlon nicht über 270 Filmminuten her.“ Zudem hat sich die Familie nicht beteiligt, sodass Edel und Döhnert keine privaten Erinnerungen verwenden durften.

Daher macht sich nun die fiktive Familie Schadt im Film breit - neben dem Hotelmythos des „Adlon“ steht der Familienmythos der Schadts. Patriarch Gustav, ein reicher Kolonialwaren-Großhändler, ist Freund und Kreditgeber von Lorenz Adlon. Seine Tochter Alma bekommt ein Kind vom Kutscherjungen Friedrich. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, wird die kleine Sonja als Kind von Gustav und seiner Frau Ottilie ausgegeben. Lorenz Adlon wird ihr Patenonkel, und als Sonja 17 ist und ihre Eltern/Großeltern verstorben, zieht sie ins Hotel.

Da ist der Film dann schon im zweiten Teil angelangt, das Hotel längst erbaut, die Goldenen Zwanziger sind angebrochen. Der Zuschauer aber hat den größten Teil von anderthalb Stunden damit verbracht, sich eine schmonzettige Rahmenhandlung anzuschauen. So kommt man natürlich schnell auf 270 Minuten. „Wenn mich Fakten interessieren würden, wäre ich Journalistin geworden“, sagt Rodica Döhnert. „Ich bin Geschichtenerzählerin.“ Geschichten aus dem Hotel aber haben es kaum in ihr Drehbuch geschafft.

Das Moderne, das Revolutionäre dieses ersten Berliner Grandhotels wird schnell abgehakt: Badewannen in jedem Zimmer, Rohrpostverbindung in die Küche, Lichtsignale statt Glocke für den Zimmerservice. Die berühmten Gäste schweben kurz über die Freitreppe in der Lobby und entschwinden aus dem Bild. „Wir haben uns entschlossen, der Hauptgeschichte treu zu bleiben und nicht immer hinter irgendeine Hoteltür zu springen und abzuschweifen vom Hauptthema. Dafür beglückwünsche ich uns“, sagt Drehbuchautorin Döhnert.

Der Dreiteiler ist ein Mammutprojekt: Zehn Millionen Euro Budget, 75 Drehtage, im Studio Berlin-Adlershof, an der Außenkulisse in Bayern, am Schloss Ganz bei Kyritz in Brandenburg, am neuen „Adlon“. Die 26-jährige Josefine Preuß („Türkisch für Anfänger“) spielt die fiktive Hauptfigur Sonja Schadt über 40 Filmjahre - von 15 bis 55. Bis zu dreieinhalb Stunden pro Tag verbrachte sie in der Maske, um auf alt geschminkt zu werden. Heino Ferch spielt die männliche Hauptrolle, den Hotelerben Louis Adlon - bis ins Alter von 70 Jahren, was bei ihm vier Stunden Maske bedeutete. Zusammen mit seiner zweiten Frau Hedda (Marie Bäumer) führt Louis das Haus durch Weimarer Republik und Nazi-Zeit. 1940 tritt er der NSDAP bei. „Er sträubt sich lange, bis er glaubt, dass es gar nicht mehr geht“, sagt Ferch über Louis Adlon. Und über seine Rolle: „Ich hätte mir vorstellen können, dass man noch größere Teile des Films im Hotel spielen lässt.“ Die Kostüme, die Kulissen, die Schauspieler dieser Großproduktion sind so elegant, wie es dem alten „Adlon“ angemessen ist. Burghart Klaußner als Gründer Lorenz Adlon und Thomas Thieme als Gustav Schadt spielen ebenso makellos wie Preuß, Ferch und Bäumer. Der Rahmen aber, in dem sie agieren müssen, ist schwerfälliger Kitsch. Wer es hier elegant möchte, muss sich Percy Adlons halb dokumentarischen Streifen von 1996 anschauen - inklusive der Romanze des Besitzer-Enkels Louis Adlon junior mit Stummfilmstar Pola Negri. Was sind das für Geschichten!

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