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Medien Schöne neue Serienwelt – Netflix, Amazon Prime und der Boom der Synchronisation
Mehr Welt Medien Schöne neue Serienwelt – Netflix, Amazon Prime und der Boom der Synchronisation
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11:07 12.05.2019
Im Synchronstudio: Manou Lubowski (rechts) spricht Lucifer Morgenstern (Tom Ellis) in der Amazon-Serie „Lucifer“. Giuliana Jakobeit leiht der Ermittlerin Chloe Decker (Laura German) ihre Stimme. Quelle: Foto: Arena Synchron
Berlin

Zwei schwarze Balken rasen auf die Bildmitte hinzu, sie verdecken das Gesicht der verheulten Schauspielerin. Giuliana Jakobeit atmet kurz ein, die Balken treffen aufeinander, in einem Atmer spricht sie ihren Satz wieder aus. „Oder nicht? Ist es vorbei?“

Vor Jakobeit steht ein silbernes Podest mit dem Dialogbuch – das Gespräch zwischen dem Teufel Lucifer und der Polizistin Chloe Decker aus der Amazon-Prime-Serie „Lucifer“ – eine Serie über den Teufel, der aus Langeweile als Detektiv auf der Erde ermittelt, wird in kleine Häppchen aufgeteilt.

Die Arbeit der Synchronsprecherin ist eine, die fast unsichtbar ist. Wenn sie ihren Job gut macht, vergisst man sie – und ihre deutsche Stimme verschmilzt mit dem Bild. Sie steht im Synchronstudio der Berliner Firma Arena Synchron, die unter anderem für den Streamingdienst von Amazon Serien für den deutschen Markt synchronisiert.

Seit dem Streamingboom muss immer mehr synchronisiert werden

Denn seitdem Netflix und Amazon vor fünf Jahren den deutschen Streamingmarkt im Sturm eroberten, müssen mehr Serien in kurzer Zeit für den deutschen Markt synchronisiert werden. Für Synchronstudios ist deshalb die Auftragslage zur Zeit recht komfortabel. „Das Geschäft mit den Streamingserien hat sich seit 2008 bestimmt verdoppelt“, so der Geschäftsführer von Arena Synchron, Björn Herbing.

Etwa 30 Prozent der Produktionen würden für Streamingdienste entstehen – wie „Lucifer“. Die vierte Staffel, die dort nun synchronisiert wurde, ist am 9. Mai online erschienen. Doch anders als beim Kino oder TV ist die Zeit knapp, denn oftmals sollen die deutschen Versionen zeitgleich mit der Originalversion erscheinen.

So arbeiten die Studios mit Rohschnitten, immer wieder mit neuen Versionen. „Manchmal bekommen wir die Finalversion erst 48 Stunden vor Abgabe. Dann müssen die Schauspieler manchmal noch kurz vor Schluss hereinkommen“, sagt Herbing.

Die Gagen für Synchronsprecher und -sprecherinnen steigen nicht

Doch ist der Serienboom für die Synchronbranche nicht nur Segen – findet Till Völger. Er ist im Vorstand des Bundesverbands Schauspiel, sein Fachgebiet ist die Synchronisation. „Obwohl man von manchen Produktionsfirmen hört, dass es zu wenig Nachwuchs gibt, steigen die Gagen für die Synchronschauspielerinnen und -schauspieler nicht. Die Konditionen werden teilweise sogar schlechter.“

Die Streaminganbieter würden in Deutschland zwar viel produzieren lassen, doch habe es noch keinen Ansatz für eine Einigung auf gemeinsame Vergütungsregeln für die Gagen gegeben.

Über Geld wollen die beiden Sprecher Giuliana Jakobeit und Manou Lubowski beim Pressetermin im Studio nicht direkt reden. Doch Lubowski verrät: Am besten verdiene er als Stimme von Jaime Lennister in „Game of Thrones“, das ein anderes Synchronstudio produziert.

Bei „GoT“ – Synchronsprecher müssen sich in Geheimhaltung üben

„Mittlerweile haben sich die Verträge verändert. Man kann jetzt immer verhandeln. Wir haben zwar Gewerkschaften, aber die Absprachen sind individuell. Es gibt ein paar, die gute Verträge abschließen“, so Lubowski. Doch sei es schwierig, die eigene Verhandlungsmacht einzuschätzen.

Und auch die Geheimhaltung nehme bei einigen Projekten zu – allen voran beim Fantasyepos „Game of Thrones“, das in der kommenden Woche Finale feiert. Vor dem Einsprechen musste Lubowski sein Handy abgeben. „Ich hatte ja fast gehofft, dass die mich durchsuchen“, scherzt er.

Während Lubowski für „Lucifer“ das Fernsehbild und damit die Lippenbewegung zum Einsprechen sieht, schaut er im Studio als Jaime Lennister auf – nichts. Das Bild ist schwarz, damit kein Mitarbeiter die Handlung verrät. „Da muss man improvisieren und versuchen, den Text so genau wie möglich auf Deutsch nachzusprechen“, sagt Lubowski.

Die Mehrheit der Deutschen nutzt die deutsche Tonspur

Es würde dann nicht so exakt wie gewöhnlich werden. Denn in Deutschland sei der Standard extrem hoch. „Deutschland ist ein Synchronisierungsland“, findet Lubowski. Hier ist es wohl nicht so – obwohl es bei manchen Freunden anders klingen mag –, dass in der globalisierten Welt die Zuschauer alle Serien im Original schauen würden.

Das zumindest sagt Amazon-Prime-Sprecher Michael Ostermeier: „Unsere Daten zeigen uns, dass die große Mehrheit unserer Zuschauer, zum Teil über 90 Prozent, nach wie vor die deutsche Tonspur bevorzugen.“ So haben die Deutschen wohl eine Sehnsucht nach heimischem Sound und meiden, obwohl wählbar, fremde Sprachen wie der Teufel das Weihwasser.

Von Geraldine Oetken/RND

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