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Medien Ruft Trump mit diesem Tweet zur Gewalt gegen Reporter auf?
Mehr Welt Medien Ruft Trump mit diesem Tweet zur Gewalt gegen Reporter auf?
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17:15 03.07.2017
Vorm Sternenbanner: Donald Trump ficht nichts an. In seinem Krieg gegen die Medien sieht er den Gegner am Boden. Was er durch ein manipuliertes altes Wrestlingvideo in die Welt hinaus twitterte.  Quelle: imago/ZUMA Press
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Hannover/Washington

 „Und noch ein bizarrer Tweet vom Präsident der Vereinigten Staaten“, schrieb Amy B. Wang in der „Washington Post“. Der Seufzer und das Kopfschütteln in diesem Satz konnten mitgelesen werden. Ein altes Video aus einer Wrestling-Veranstaltung von 2007 hatte der Präsident da am Sonntagmorgen per Twitter in die Welt geschickt. Bei der Wrestlemania XXIII hatte der bullige Milliardär – zu Showzwecken – einen Mann am Wrestlingring zu Boden geworfen und ihm (gespielte) Schläge ausgeteilt.

Eklat zum Unabhängigkeitstag

Ursprünglich. Beim von einem anonymen Nutzer des Online-Forums Reddit manipulierten Update vom 2. Juli trug der Angegriffene beim K.O. statt eines Kopfes das rote Logo des bei Trump verhassten Fernsehsenders CNN. Die Hashtags, mit denen Trump seine Botschaft versah, waren #FraudNewsCNN (BetrugsnachrichtenCNN) oder #FNN (Fraud News Network statt Cable News Network). 28 Sekunden dauert das Video, das zeigt, dass hier ein Mann glaubt, was schon sein Amtsvorgänger Richard Nixon glaubte: Der Präsident darf alles, weil er der Präsident ist. Tage zuvor erst hatte er zwei MSNBC-Moderatoren als „verrückt“ und „strohdoof“ bezeichnet.

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Zwei Tage vor dem Unabhängigkeitstag am 4. Juli, an dem die amerikanische Freiheit (auch der Medien) gefeiert werden, wirkte Trumps Fake-K.O. für CNN wie eine Ankündigung schlimmer Zeiten für Presse, Funk und Fernsehen. Medienorganisationen zeigten sich schockiert: „Das ist unter der Würde seines Amtes“, sagte Bruce Brown, der Vorsitzende des Reporterkomitees für die Freiheit der Presse. Als „Ermutigung für die Autokraten in der ganzen Welt“ bezeichnete ein Direktor des Komitees zum Schutz von Journalisten den Filmausschnitt.

Massive Gegentweets von republikanischer Seite

Auf Twitter folgten der Trump-Message zahllose Gegentweets, nicht nur seitens der Demokraten. Auch massive Vorwürfe aus dem eigenen Lager wurden laut: Der republikanische Kongressabgeordnete Frank Pallone schrieb. „Donald Trump, der Gewalt gegen Medien promotet, ist entwürdigend, eine Bedrohung für das Präsidentenamt und unsere Demokratie. Sein Parteikollege, Kongressmann Jamie Raskin, pflichtete ihm bei: „Diese geistesgestörte Fantasie sollte von allen Amerikanern zurück gewiesen werden. Die freie Presse ist nicht der Feind des Volkes, sondern sein bester Freund.“

Trumps Heimatschutzberater Thomas Bossert indes nahm seinen Präsidenten in einer Talkshow mit der ABC-Moderatorin Martha Raddatz in Schutz. „Er ist ein aufrichtiger Präsident, und er drückt sich aufrichtig aus.“ „Sie sind verantwortlich für den Heimatschutz“, konterte Raddatz. „Und das hier sieht nach einer Bedrohung aus.“

„Ich bin Präsident, und sie sind es nicht“

Als aufrichtigen Präsidenten scheinen Trump zumindest seine Anhänger wahrzunehmen, wenn man deren Reaktionen auf seine Rede beim Celebrate Freedom Konzert in Washington vom Tag davor sieht und hört. „Die Lügenmedien haben versucht, uns vom Weißen Haus fernzuhalten“, sagte Trump da, „aber ich bin Präsident, und sie sind es nicht.“ Die simple Rhetorik, die stummfilmhaft übertriebene Mimik und Gestik haben für außenstehende Betrachter etwas unglaublich Unwirkliches und Lächerliches.

Aber die Anhängerschaft im Kennedy Center nickt seinen wilden Auslassungen zu, jubelt, skandiert „U-S-A!, U-S-A!“. Lüge und Diffamierung, Beleidigung und Ausfall scheinen für Trumpisten in Ordnung zu gehen. Trump wird wahrgenommen als einer, der offen sagt, was ihn wütend macht, und der wütend seine Meinung sagt - was jeder gern täte. Und so wird der unnoble Präsident der Lüge in den Augen seiner Fans authentisch, wahrhaftig, ja ehrlich. „Tatsache ist: Die Presse hat sich selbst zerstört, weil sie zu weit gegangen ist“, sagte Trump noch. Der Präsident sieht den Feind also schon am Boden.

Kleinlauter Chef des Heimatschutzes

Trump gibt das Twittern als Markenzeichen eines „modernen Präsidenten“ aus. Das Unternehmen Twitter in San Francisco erkennt in dem Schlägervideo keinen Verstoß gegen die Netzwerkregeln Twitter habe in einer internen Prüfung des Clips den politischen Kontext der Konversation, die diversen Interpretationsmöglichkeiten und das Fehlen von Details berücksichtigt, sagte ein Sprecher. Alles gut. Das war’s. Weiter geht’s. Dem Heimatschützer Bossert zumindest wurde es in ABCs „This Week“ mulmig zumute. „Ich denke nicht, dass das jemandem als Bedrohung vorkommt“, sagte er, und fügte etwas kleinlaut hinzu, „wenigstens hoffe ich das.“ Die Antwort von Martha Raddatz: „Sie denken nicht, dass das hier die Botschaft beinhaltet: Tut das den Medien an! Tut das CNN an?“

CNN selbst vermeldete, es sei ein „trauriger Tag“, an dem ein amerikanischer Präsident Leute zu Gewalt gegen Reporter ermuntere.

Von Matthias Halbig/RND

Der Artikel "Ruft Trump mit diesem Tweet zur Gewalt gegen Reporter auf?" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.