Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Medien Report Mainz: FAZ, Süddeutsche und Spiegel verkaufen Nazi-Literatur
Mehr Welt Medien Report Mainz: FAZ, Süddeutsche und Spiegel verkaufen Nazi-Literatur
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:24 08.11.2010
Auch Bücher von Holocaust-Leugner David Irving sind in den Online-Shops bekannter Verlage zu finden, die mit dem Großhändler Libri kooperieren.
Auch Bücher von Holocaust-Leugner David Irving sind in den Online-Shops bekannter Verlage zu finden, die mit dem Großhändler Libri kooperieren. Quelle: afp (Archiv)
Anzeige

Nach Recherchen des ARD-Magazins Report Mainz können in den drei Portalen etwa 150 Bücher bekannter Nazi-Größen wie SS-Kommando-Offizier Otto Skorzeny und Leon Degrelle, dem Chef der wallonischen Waffen-SS in Belgien, sowie aus rechtsextremen Verlagen gekauft werden. Darunter befänden sich auch Titel, bei denen der Anfangsverdacht der Volksverhetzung besteht. Auch Werke des bekannten Holocaust-Leugners David Irving seien im Angebot.

Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, spricht gegenüber „Report Mainz“ von einem „Skandal“: „Es ist mir unverständlich, dass der gute Name dafür hergegeben wird, eine solche Literatur zu verbreiten, die eigentlich darauf aus ist, das demokratische System zu unterhöhlen und abzuschaffen.“ Wolfgang Benz, Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, sagt: „Ich fühle mich düpiert und getäuscht und frage mich, haben FAZ, Spiegel, Süddeutsche das nötig, solchen Dreck unter ihrem Label zu verkaufen.“

Die Bücher für die drei Online-Shops liefert allerdings der Großhändler Libri, über die jeweiligen Suchmasken wird dessen Angebot mit mehr als fünf Millionen Artikeln durchstöbert. Libri wickelt anschließend auch die Bestellungen ab. Spiegel, FAZ und SZ verweisen gegenüber Report Mainz darauf, dass eine Beschränkung des Angebots auf den jeweiligen Verlagsseiten von Libri nicht gewünscht und eine Durchsicht im Hinblick auf rechtsextreme Titel seitens der Verlage nicht zu leisten sei. Libri gibt allerdings an, über sein Verlagsshopmodell den Ausschluss einzelner Bücher oder Verlage zu ermögichen. Auch die Berücksichtigung einer Negativliste sei technisch möglich, allerdings mit zusätzlichen Kosten verbunden.

Salomon Korn fordert die Verlage in Report Mainz auf, vorübergehend Geld zu investieren, damit diese nicht ihre Glaubwürdigkeit verlieren: „Bei der Verbreitung einer solchen Literatur nimmt der Ruf dieser Qualitätspresse und der Verlage, die dahinter stehen, Schaden.“

Report Mainz läuft am Montag, 8. November, ab 21.45 Uhr im Ersten.

ots

Medien Anwendung für Mobilgeräte - TV-Sender Arte plant kostenpflichtige App
08.11.2010
Medien Die Thyssens, Oetkers und Guttenbergs - Das Erste stellt „Deutsche Dynastien“ vor
Simon Benne 07.11.2010