Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Medien René Zechlin spricht über 180 Jahre Vereinsgeschichte
Mehr Welt Medien René Zechlin spricht über 180 Jahre Vereinsgeschichte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:47 13.04.2014
"Hannover ist kunstinteressiert": René Zechlin, Direktor vom Kunstverein Hannover. Quelle: Christian Burkert
Hannover

Der Kunstverein Hannover ist einer der ältesten und aktivsten des Landes. Gegründet wurde er im Frühjahr 1832. Wieso feiern Sie den 180. Geburtstag im November?

Die Satzung des Kunstvereins Hannover wurde am 18. November 1832 beschlossen. Von dem Zeitpunkt an bestand er als Verein. Die Gründungsversammlung fand aber in der Tat schon ein paar Monate vorher statt, am 1. Mai 1832. Die erste Ausstellung wurde am 24. Februar 1833, dem Geburtstag des Schutzherrn des Kunstvereins, Vizekönig Herzog Adolph Friedrich von Cambridge, eröffnet. An diesem Tag wurden auch in den folgenden Jahren die regelmäßigen Frühjahrsausstellungen eröffnet.

Sie kamen 2008 aus dem irischen Cork nach Hannover. Konnten Sie ein Gefühl dafür entwickeln, welche Kunst hier besonders gut ankommt?

Ja, Hannover ist kunstinteressiert. Man merkt, dass hier große Sammlungen zu Hause sind und über Jahrzehnte wichtige Ausstellungen präsentiert wurden. Hannover könnte sich durchaus noch mehr als Kunst- und Kulturstadt präsentieren. Sicherlich konnte ich ein Gefühl für die Stadt und sein Publikum entwickeln. Aber die Herausforderung ist ja, sich eben nicht mit dem, was gefällt, zu wiederholen, sondern das Publikum immer wieder mit Neuem zu überraschen, herauszufordern und gleichzeitig oder deswegen zu begeistern.

Was verbinden die Kunstinteressierten außerhalb Niedersachsens mit dem Kunstverein in Hannover?

Erst- und Neupräsentationen internationaler zeitgenössischer Künstler, die auf hohem Niveau präsentiert werden.

Vereinskultur ist im Aussterben begriffen. Heute schließt man sich zu Netzwerken zusammen oder bildet temporäre Gruppen. Wie wirkt sich das auf die Arbeit der Kunstvereine aus?

Vielleicht sind Kunstvereine eine Ausnahme in der Vereinskultur. Hier merke ich überhaupt nicht, dass irgendetwas im Aussterben begriffen wäre. Nicht nur, dass kontinuierlich Personen aller Altersgruppen dem Kunstverein Hannover beitreten, auch in Deutschland werden ständig neue Kunstvereine gegründet. Es gab gut über 50 Neugründungen in den zurückliegenden zehn Jahren. Ein Unterschied zu früher besteht darin, dass es früher eine Selbstverständlichkeit war, in verschiedenen Vereinen der Stadt Mitglied zu sein. Heute wird mehr auf Leistung geachtet, und man ist schneller bereit zu wechseln. So ist es umso wichtiger, kontinuierlich neue Publikumsgruppen an die Kunst heranzuführen und zu begeistern.

In seinen Anfängen war der hannoversche Kunstverein nicht zuletzt ein Showroom für die heimische Künstlerschaft. Dann richtete er sich stärker international aus ...

Die Ausrichtung lässt sich so einfach nicht in ‚früher‘ und ‚später‘ einteilen. Im 19. Jahrhundert beschickten Künstler aus ganz Deutschland die Kunstvereine. Viele Gemälde aus den Ausstellungen des Kunstvereins befinden sich heute in der Sammlung des Landesmuseums Hannover, etwa von Joseph Anton Koch aus Österreich, der zum damaligen Zeitpunkt in Rom lebte. Auch das berühmte Gemälde „Der arme Poet“ von Carl Spitzweg aus München wurde 1840 im Kunstverein Hannover gezeigt.

Und die Herbstausstellungen?

Erst 1907 wurde neben der Frühjahrsausstellung die Herbstausstellung eingeführt, die sich bis heute ausschließlich niedersächsischen Künstlern widmet. Ab Ende der sechziger Jahre begann ein internationales zeitgenössisches Programm mit Einzelausstellungen von Niki de Saint Phalle, Helen Frankenthaler, Donald Judd, Bridget Riley, Jasper Johns ...

Heute leiden Städte wie Hannover unter Künstlerabwanderung. Und da es hier keine Kunstakademie gibt, kommen auch kaum junge Künstler nach Hannover. Wie reagieren Sie im Kunstverein auf diese Situation?

Das Programm des Kunstvereins Hannover ist schon lange ein Bindeglied zwischen der Präsentation aktueller internationaler Entwicklungen und wegweisenden künstlerischen Positionen sowie der Förderung und Unterstützung von Künstlern aus Hannover und Niedersachsen. Der Kunstverein hat beispielsweise seit fast 30 Jahren immer zwei Stipendiaten, die zum Abschluss mit einer größeren Ausstellung präsentiert werden. Regelmäßig werden außerdem künstlerische Positionen aus Hannover mit Einzelausstellungen hervorgehoben. Im kommenden Jahr zeigen wir eine Werkschau von Christoph Girardet und Matthias Müller.

Peter Weibel, der Chef des Karlsruher Zentrums für Kunst und Medientechnologie, beobachtet ein Auseinanderdriften von marktkonformer und unangepasster Kunst. Wie ist Ihre Haltung?

Na ja, selbst die größten Kritiker des Marktes beklagen sich plötzlich, dass niemand ihre Werke kaufen würde. Ich kenne keinen Künstler, der einen Verkauf generell ablehnt. Und scheinbare Skandale und Provokationen sind auf dem Markt immer recht erfolgreich gewesen. Es ist aber richtig, dass der Kunstmarkt, wie jeder andere Markt auch, von wechselnden Trends geprägt ist, die nie das gesamte Kunstschaffen abbilden.

Wird es in 180 Jahren noch Kunstvereine in Deutschland geben?

Ich bin fest davon überzeugt. Die werden auf jeden Fall am längsten überleben. Wenn man sich vergegenwärtigt, welche gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Veränderungen der Kunstverein in den letzten 180 Jahren erlebt und überstanden hat, so kommen gar keine Zweifel über die langfristige Zukunft auf. Die generelle Frage, wer und wie sich Kultur in Zukunft finanzieren wird, macht zwar auch vor einem Kunstverein nicht halt. Aber ich glaube, dass gerade durch die Wirtschaftskrise kulturelle Werte wieder mehr an Bedeutung gewonnen haben. Dort können und müssen wir ansetzen, denn wir haben viel zu bieten.

Interview: Johanna Di Blasi

Nächste Ausstellungseröffnung am30. November um 20 Uhr. Gezeigt werden Werke des kubanischen Duos Los Carpinteros.

Nach Altair und Ezio kommt Connor: Der neue Held kämpft sich in "Assassin's Creed 3" durch Amerika zur Zeit des Unabhängigkeitskriegs, führt Schlachten auf hoher See - und kann nebenbei ein ganzes Dorf errichten.

17.11.2012

Um eine halbe Million Euro ist Anke Becker jetzt reicher: Die Landwirtin aus Ostfriesland wusste bei „Wer wird Millionär?“ fast alle Antworten auf die Fragen von Günther Jauch. Mit dem Geld will sie sich einen Kindheitstraum erfüllen.

17.11.2012

Schauspieler Stephen Dürr verletzt sich beim Training für Stefan Raabs „TV total Turmspringen“ schwer. Er kracht mit der Stirn auf die Wasseroberfläche - ProSieben will die Show ausstrahlen.

16.11.2012