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Medien Radiomoderator vergleicht Flüchtlingslager Moria mit “Gästezimmer”
Mehr Welt Medien Radiomoderator vergleicht Flüchtlingslager Moria mit “Gästezimmer”
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18:02 16.09.2020
Bewohner gehen zwischen beschädigten Unterkünften im Flüchtlingslager Moria entlang, nachdem dort mehrere Feuer ausgebrochen waren. Quelle: Eurokinissi/Eurokinissi via ZUMA
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Leipzig

Die Bilder aus dem brennenden Flüchtlingslager Moria haben weltweit für Entsetzen gesorgt, noch immer sind auf Lesbos rund 11.000 Migranten obdachlos. Mit einer abfälligen Bemerkung zur Debatte über die Aufnahme der Flüchtlinge sorgt jetzt ein Leipziger Radiomoderator für Empörung: André Hardt verglich das zerstörte Lager in der Morgensendung von Radio Leipzig mit einem “Gästezimmer”, wie zunächst die Facebookseite “Hooligans gegen Satzbau” berichtete.

Wortwörtlich sagte Hardt in der Sendung am Dienstagmorgen: “Die Debatte über die Aufnahme von Flüchtlingen geht weiter, das ist ein schwieriges Thema. Stellen Sie sich vor, bei Ihnen zu Hause klingelt’s, jemand steht vor der Tür und fleht sie an, ihm zu helfen. Erstmal in Sicherheit sein und ein Dach über dem Kopf. Sie sind natürlich hilfsbereit und bieten dem Fremden ihr Gästezimmer an und sagen: Dort kann er erstmal wohnen. Aber der sagt dann auf einmal: Nö, das Gästezimmer reicht mir nicht, ich will dein Schlafzimmer und dein Wohnzimmer. Und als sie daraufhin sagen, dass es nicht geht, er müsse sich mit dem Gästezimmer begnügen, da zündet der ihnen das Gästezimmer einfach an. Wie soll man sich jetzt richtig verhalten? Das ist die Frage, die diskutiert wird. Die Debatte darüber wird sich heute fortsetzen.”

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Liebes Radio Leipzig: André und die Morgenmädels,bezugnehmend auf die gestrige „Frage“ ihres Moderators André Hardt im Morgenradio:"Stellen Sie sich vor, es klingelt an Ihrer Tür. Draußen steht ein Hilfe bedürftiger Mensch und Sie bieten ihm ein Gästezimmer an. Irgendwann reicht ihm aber das Gästezimmer nicht mehr und er verlangt auch Ihr Schlaf- und Wohnzimmer. Als Sie ihm das verwehren, zündet er dann einfach das Gästezimmer an. Wie soll man mit soetwas umgehen?"… haben wir nun ebenfalls ein paar Fragen:1. Stellen Sie sich vor, es klingelt an Ihrer Tür, draußen stehen André Hardt und das Morgenradioteam und bitten um Hilfe. Sie sperren alle zusammen in den dreckigen Kaninchenstall vor dem Haus. Irgendwann wagt es André, sich zu beschweren, weil alles vollgeschissen, das Wasser alle, es draußen kalt und der Stall viel zu eng ist. Als Sie nur mit den Schulter zucken, passiert was?2. Können Sie uns Gästezimmer definieren?3. Dürfen wir André Hardt mal für ein halbes Jahr in unseren Kaninchenstall sperren? Senden Sie uns André Hard einfach per Schlauchboot an unser Postfach, wir werden ihn dann, sobald wir eine nachbarschaftliche Lösung gefunden haben, abholen und ihm unsere Gastfreundschaft zukommen lassen. Das kann aber dauern.Grüße aus Schlaf- und WohnzimmerIhre #HoGeSatzbauPS: Mensch, müsst ihr beschissene Gästezimmer haben, wenn ihr selbst auf #Moria neidisch seid. ‍♂️

Gepostet von Hooligans Gegen Satzbau am Dienstag, 15. September 2020

Sender verteidigt Moderator

Die Facebookseite “Hooligans gegen Satzbau” veröffentlichte am Dienstag einen Mitschnitt der Aussagen, der bereits fast 1000 Mal kommentiert wurde. Die Kritik an dem Moderator geht dabei so weit, dass die Betreiber der Seite selbst noch einen Hinweis veröffentlichten. Es gehe ihnen nicht darum, “André Hardt als ‘rechtsradikal’ zu outen, was er sicher nicht ist. Es geht darum, dass er bereits in der Ankündigung auf maximal blauäugige, um nicht zu sagen dumme Art und Weise, das Framing vorgibt, in dem dann diese ‘schwierige Frage’ besprochen werden soll”, heißt es in dem Kommentar. Dieses Framing ziehe sich durch viele Köpfe und es werde durch die Moderation gefestigt und bestätigt. Das sei nicht rechtsradikal und vielleicht noch nicht mal böswillig, schreibt “Hooligans gegen Satzbau”, “aber es ist unfassbar dumm und verantwortungslos”.

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Gegenüber der “Bild”-Zeitung verteidigte Radio-Leipzig-Geschäftsführer Tino Utassy den Moderator: “Das Gesagte fällt in den Bereich der freien Meinungsäußerung. Ob die Metapher angebracht war, möchte ich nicht beurteilen.” Die Kritik in sozialen Medien will Utassy offensichtlich nicht sonderlich hoch bewerten: Der Sender habe immer wieder mit “sogenannten Shitstorms aus verschiedenen politischen Richtungen” zu tun, sagte er.

RND/seb

Der Artikel "Radiomoderator vergleicht Flüchtlingslager Moria mit “Gästezimmer”" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.