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12:24 13.06.2009
Sozialpädagoge Oliver Lück soll den 19-jährigen Sebastian in ein Leben ohne Alkohol und Gewalt zurückholen - und alle dürfen zugucken. Quelle: SAT.1

Sebastian aus Bernau ist kein leichter Fall, das erkennt Diplom-Sozialpädagoge Oliver Lück sofort. Der 19-jährige Sebastian trinkt am Tag etwa acht Bier und eine Flasche Wodka, hat weder Schulabschluss noch Ausbildung und saß fast zwei Jahre im Gefängnis, weil er jemanden fast totgeschlagen hat. Vor Freunden erzählt er noch immer gern, wie sehr das Jochbein geknackt und wie viele Zähne er seinem Kontrahenten ausgeschlagen hat. Sebastian: ein waschechter Provinzproll, der schlägt, säuft, aber eigentlich nur von seinem Vater etwas Anerkennung möchte. Und auch das erkennt Oliver Lück sofort, der sich künftig als „Jugendcoach“ für SAT.1 um solche Lümmel kümmert.

In zehn Folgen möchte Lück Jugendlichen „nicht nur vermitteln, wie man Konflikte gewaltfrei lösen kann, sondern auch zeigen, wo die Ursachen von Jugendgewalt liegen und wie man ihr entgegenwirken kann“, so der Pressetext zur Dokusoap-Reihe, die am Montag beginnt. Sebastian bekommt dabei den geballten pädagogischen Rettungsmaßnahmenkatalog für Jugendliche zu spüren. Lück nimmt ihn mit auf Traumreise, geht mit ihm boxen und lässt ihn allein in einer Blockhütte zu sich finden. Zum Schluss gräbt Sebastian eine alte Wurzel aus, verbrennt sie feierlich (was für eine Metapher!), macht einen Alkoholentzug und versöhnt sich mit seinem Vater. „Ringehauen, würd’ ick sagen“, sagt Lück zufrieden und macht sich auf zum nächsten Problemfall.

Der „Jugendcoach“ ist eine „Super Nanny“ für Jugendliche, die sich im Alltag zwischen Gewalt und Drogen verloren haben. Und so, wie Peter Zwegat den Menschen den Weg aus den Schulden aufzeigt, zeigt Lück den Jugendlichen, wie sie auch ohne Suff und Gewalt ihren Alltag bewältigen können — mit sich wie selbstverständlich einstellendem Erfolg.

So weit, so gut. Doch bei der Fülle an neuen Dokusoaps wird der Erfolg sozialpädagogischer Hilfestellung immer mehr zur Nebensache. Viel spannender ist die Frage, ob dem Zuschauer da wirkliche Lebenswelten junger Erwachsener präsentiert werden oder doch nur Zerrbilder, die sich durch das Wiederholen von medial aufbereiteten Sauf- und Gewaltexzessen Jugendlicher in den Köpfen festgesetzt haben.

Eine aktuelle Studie des Adolf-Grimme-Instituts im Auftrag des Bundesministeriums für Familie bemängelt, dass in Dokusoaps weniger wirkliche gesellschaftliche Probleme aufgegriffen werden. Stattdessen vermitteln „voyeuristische Herangehensweisen und das Erteilen zweifelhafter Lebenshilfetipps in den Sendungen tendenziell ein eher negativ geprägtes Familienleben“. Und so entsteht auch bei dem „Jugendcoach“ schnell der Eindruck, dass es eher darum geht, die Jugend als ewig besoffen und gewaltbereit zu zeigen, als ihre Probleme zum Beispiel bei der Suche nach einem Arbeitsplatz zu spiegeln.

Das hat auch Dr. Maya Götz, die Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für Jugend- und Bildungsfernsehen in München, festgestellt. „Auf der einen Seite begrüßen wir es, wenn Themen wie Jugend und Familie durch Medien mehr öffentliche Aufmerksamkeit erfahren“, sagt Götz. Und es sei auch gut, wenn klar wird, dass das Leben von Jugendlichen nicht einfach sei, und wenn sich manch junger Erwachsener mit den vorgeführten Jugendlichen vergleichen könne. „Dennoch werden in den meisten Dokusoaps Jugendliche zu reinen Problemträgern“, sagt Götz. Es werde dramatisiert und zugespitzt. „Die harmonischen Momente werden meist ausgeblendet.“ Eine bedenkliche Entwicklung, denn laut Götz präge gerade das Fernsehen unser Weltbild.

Grund für die Darstellung der Jugend als Problem ist einzig die Quote. Wer will schon einem Streber zuschauen, der gern zur Schule geht, seiner Freundin Blumen mitbringt und in seiner Freizeit im Seniorenstift ehrenamtlich Bingoabende organisiert? Ein weiteres Beispiel für den einseitigen Blick auf die Jugend ist die neue Dokusoap „Die Superlehrer“, die auch am Montag auf SAT.1 startet. 16 Berliner Schulabbrecher werden dabei durch ein Team besonders einfühlsamer Pädagogen auf den Hauptschulabschluss vorbereitet. Und natürlich wehren sich Heimkind Maro, die faule Dilara und Drogendealer Florian gegen die Regeln der Lehrer. Man beleidigt sich, spricht Drohungen aus, doch langsam lernen die Jugendlichen, dass so ein Schulabschluss nicht das Schlechteste ist.

Ist man dem Sender wohlgesonnen, entdeckt man in der zehnteiligen Serie ein mediales Aufgreifen der Bildungsmisere in sozialen Brennpunkten. Liest man sich den Pressetext zu „Die Superlehrer“ durch, wird eine andere Motivation der Senders schnell deutlich: „Wenn 16 schwierige Persönlichkeiten im Klassenraum aufeinandertreffen, fliegen schon mal die Fetzen, nicht nur verbal“, heißt es dort. Daraus spricht die ungenierte Hoffnung auf Konfliktquote. Mit der Wirklichkeit haben die gezeigten Szenen der ach so wirklichkeitsgetreuen Dokusoap nur wenig zu tun.

„Die Superlehrer“, Montag, 20.15 Uhr, SAT.1. Gleich im Anschluss, um 21.15 Uhr, legt „Jugendcoach Oliver Lück“ los.

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