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Medien Privatsender sind die Verlierer
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21:14 27.09.2009
Bastian Pastewka und Anke Engelke als Volksmusikmoderatoren beim 11. Deutschen Fernsehpreis. Quelle: DDP
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So inszenierten sie die eigene Gala mit 1400 prominenten Gästen direkt als Parodie der Gala. Mit Anke Engelke und Bastian Pastewka als Volksmusik-Moderatorenduo Wolfgang und Anneliese wurde die TV-Branche mit bösem Humor vorgeführt, und Pastewka machte die Drohung wahr, die von SAT.1 übertragene dreistündige Preisverleihung für die deutschen TV-Höhepunkte des Jahres „so richtig fett zu rocken“.

Im Ergebnis erlebte der Zuschauer eine Show nach dem Kapitulation-ist-die-gesündeste-Verteidigung-Prinzip: Man macht sich selbst klein, bevor es die anderen tun. Eine Praxis, die angesichts der wenigen TV-Innovationen nur konsequent erschien, über weite Strecken unterhaltsam ausfiel und mit Gewinnern wie Claus Kleber, Senta Berger und Thomas Gottschalk den Charakter einer medialen Erbauungsorgie für die üblichen Verdächtigen unterstrich.

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Ein Jahr ist es erst her, dass Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki die Preisverleihung zum Fernsehpreis zur TV-Schelte nutzte und „Köche, immer nur Köche“ zeterte. Da wirkt es fast ironisch, dass am Sonnabend ausgerechnet der Entertainer und Fernsehkoch Alfred Biolek mit dem Ehrenpreis der Stifter ausgezeichnet wurde. „Verehrter Herr Ranicki“, bat der 75-Jährige den Kritiker in einer rührenden Rede um Verständnis, „ich nehme den Preis an, denn ich hatte großes Glück mit dem Fernsehen“, sagte Biolek.

Zu den Gewinnern des Abends gehörten neben dem ZDF (gleich zehn Preise von 21 Kategorien) vor allem Schauspieler, Produzenten und Regisseure, die sich große historische Stoffe vorgenommen hatten. So wurde der Mauerfall-Zweiteiler „Wir sind das Volk“ (SAT.1) geehrt, bester Fernsehfilm wurde „Mogadischu“ (ARD) zum Geiseldrama in der entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“, und zur besten Dokumentation wählte die Jury „Freundschaft! Die Freie Deutsche Jugend“ (ZDF).

Die privaten Sender RTL und SAT.1 gehörten zu den Verlierern des Abends: Neben der Ehrung für „Wir sind das Volk“ gewannen sie lediglich Preise für das Comedy-Format „TV Helden“ (RTL) und die beste Serie „Der Lehrer“ (RTL). Und auch die Quote für die SAT.1-Übertragung der Preisverleihung fiel enttäuschend aus. Lediglich 1,34 Millionen Zuschauer verfolgten die Gala. Dennoch lobte Biolek nach der Preisverleihung die kurzweilige und spannende Show. Und Engelke lobte in ihrer Rolle als Anneliese Biolek – für seine Gulaschsuppe. So ehrlich kann mitunter Fernsehen sein.