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00:28 12.06.2013
Von Hannah Suppa
„Die intelligenteste und die dümmste Person, die ich kenne“: CIA-Agentin Carrie Mathison (Claire Danes), zerrissen von Widersprüchen, beobachtet heimlich Sergeant Brody (Damian Lewis). Quelle: SAT.1
Hannover

Es gibt keine Helden hier. Nicht mal einen. Dabei ist dieser Nicholas Brody (Damian Lewis) eigentlich einer aus dem Drehbuch: US-Soldat im „Krieg gegen den Terror“, acht Jahre gefangen von Terroristen im Irak, gefoltert, gedemütigt, überlebt, befreit, zurückgekehrt. Wer, wenn nicht er, ist ein Held? Doch das ist nicht die ganze Geschichte. Das ist nur die Geschichte für die Medien, wie sie die USA so sehr brauchen. Solch eine Geschichte hilft, die Angst der Amerikaner vor dem islamistischen Terror zu schüren, den Krieg zu rechtfertigen, die Soldaten zu motivieren. Zu kategorisieren, wer hier gut und wer böse ist.

So einfach ist es aber nicht.

Das ist die Erkenntnis schon nach Folge eins der preisgekrönten Serie „Homeland“ (fünf Golden Globes, drei Emmys), die am Sonntag Deutschlandpremiere auf SAT.1 feiert. In dieser Serie gibt es keine Figur, mit der sich der Zuschauer ganz und gar auf eine Seite stellt. Jeder Charakter hier ist zutiefst gestört. Und ganz besonders die CIA-Agentin Carrie Mathison (brillant: Claire Danes). Ihr Ehrgeiz, im Alleingang einen neuen Terroranschlag auf die USA zu verhindern, bringt sie an den Rand des Wahnsinns und sorgt für ungeheure Spannung.

Im Irak stationiert, erfährt Carrie Mathison von einem gefangenen Al-Qaida-Kämpfer kurz vor dessen Hinrichtung, dass ein US-Soldat zu den Terroristen übergelaufen sei. Monate später – Carrie ist strafversetzt in die CIA-Zentrale nach Langley – wird bei einem US-Angriff auf die Residenz eines Terror-Drahtziehers im Irak der tot geglaubte US-Soldat Nicholas Brody befreit. Acht Jahre war er verschwunden, seine Familie, Frau Jessica (Morena Baccarin) und die zwei Kinder Chris und Dana, leben ihr Leben längst weiter. Da kehrt der Totgeglaubte heim. Als Kriegsheld, als Liebling der Medien, als Werbebild für die kriegsmüden Kameraden. Carrie Mathison ist überzeugt: Das ist der Mann, von dem der Al-Qaida-Kämpfer in Bagdad sprach. Brody muss ein Schläfer sein.

Das Problem: Carrie steht mit dieser Einschätzung in der CIA ziemlich alleine da. Und sie kann noch nicht einmal ihren eigenen Gedanken trauen: Denn seit dem College leidet sie unter einer bipolaren Störung. Nur Medikamente, die sie von ihrer Schwester, einer Psychiaterin, bekommt, halten sie im Gleichgewicht. Wüsste ihr Arbeitgeber davon – Carries Karriere als CIA-Agentin wäre vorbei. Für den Zuschauer ist das eine fast nicht auszuhaltende Spannung: Was ist real, was passiert nur in Carries verwirrten Gedanken? Wer ist gut, und wer ist nun eigentlich böse?

Darum geht es also. In etwa. Mehr zu verraten wäre unfair. Denn mit jeder Folge von „Homeland“ wird ein neues Teil zum Puzzle hinzugefügt: Rückblenden zeichnen wieder ein neues Bild. Gerade, wenn man meint, die Handlung durchschaut zu haben, ist wieder alles anders. Howard Gordon und Alex Gansa haben „Homeland“ erdacht, sie waren schon als Drehbuchautoren für „24“ maßgeblich – dem letzten Versuch, den Anti-Terror-Kampf in Serie abzubilden. Doch „Homeland“ geht das intelligenter und feinfühliger an als der Serienhit mit Kiefer Sutherland.

In „Homeland“ sind die Amerikaner nicht nur die Geschundenen. Hier sind sie auch Täter. Der Terrorist hat ein Gesicht, ein Haus, eine Familie. Eines Vormittags, das Kind ist gerade zur Schule aufgebrochen, zerstört eine Explosion die morgendliche Ruhe. Vor dem Haus: ein Trümmerfeld, Rauch, Dutzende tote Kinder, darunter das, das sich eben noch zur Schule verabschiedet hatte. Doch es sind keine amerikanischen Kinder, die durch den Angriff umkommen, es sind irakische, getötet durch einen Anschlag der US-Soldaten. Bis zu dieser Szene war „Homeland“ ganz ohne Kriegsdarstellung ausgekommen. Bemerkenswert, dass hier ein Angriff gegen irakische Zivilisten in aller Brutalität gezeigt wird. Die Serie beschreibt den Krieg als Hin- und Her, bei dem es nur Verlierer gibt.

Heldenhaft ist hier niemand. Carrie Mathison schon gar nicht. Die Agentin schert sich nicht um Vorschriften: Um zu beweisen, dass Brody ein doppeltes Spiel spielt, verwanzt sie ohne Genehmigung dessen Wohnung mit Kameras. Brody ist ihr ganz persönlicher Verdächtiger. Sie beobachtet den missglückten Sex zwischen dem Soldaten und seiner Ehefrau, die sich inzwischen mit dessen Kameraden eingelassen hat. Sie beobachtet, wie Nicholas Brody verängstigt in seinem eigenen Haus in der Ecke kauert, geschüttelt von Erinnerungen an seine Tortur in Gefangenschaft.

Nur Carries Kollege und Mentor Saul Berenson (stark: Mandy Patinkin) weist die junge Agentin zurecht – hört sich ihre Theorien jedoch immer wieder an. Und er sagt: „Carrie, du bist die intelligenteste und die dümmste Person, die ich kenne.“ Dieser Ambivalenz zuzusehen ist großes Fernsehen. Auch US-Präsident Barack Obama ist ein Fan von „Homeland“.

„Homeland“ | SAT.1

US-Serie mit Claire Danes

1. Staffel, immer sonntags, 22.15 Uhr

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