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Medien Peter Hahne befragt künftig sonntags Prominente und Experten
Mehr Welt Medien Peter Hahne befragt künftig sonntags Prominente und Experten
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12:16 26.06.2010
Von Christiane Eickmann
Bitte recht freundlich: Der ehemalige Nachrichtenmann ist nun Talkmaster – an einem ungewöhnlichen Sendeplatz. Quelle: ZDF
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Seitdem die ARD Günther Jauch verpflichtet hat, wird in Deutschland wieder über den Sinn und Unsinn von Talkshows debattiert. Und darüber, wie sie sein sollen. Peter Hahne kommt das gerade recht. „Mut zum Einzelinterview, die Gäste ausreden lassen, überraschende Gäste, die bisher keiner kennt – all die Wünsche, die jetzt an Günther Jauch herangetragen werden, sind Bestandteil meines Konzepts“, sagt Hahne..

Das Konzept der Sendung, die schlicht so heißt wie ihr Moderator, also „Peter Hahne“, klingt in der Tat sehr anders als die immer gleich besetzen Runden der Talkshows à la Will, Maischberger oder Illner. Und sie ist sympathischerweise kürzer als die Betroffenheitsrunden von Beckmann und Lanz. Höchstens zwei Gäste werden bei „Peter Hahne“ zu einem möglichst aktuellen Thema eingeladen. Der ZDF-Moderator und seine Gäste unterhalten sich in einem kleinen, beinahe intimen Studio mit Blick auf das Brandenburger Tor. Ohne Publikum, jeden Sonntag um 13 Uhr, 30 Minuten lang. Hahne will mit seinem mittäglichen Gespräch das Format Talkshow „entschleunigen“, wie er sagt.

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Margot Käßmann, die zur Premiere eingeladen ist, wird das entgegenkommen. Die Landesbischöfin a.D. scheint gerade das Bedürfnis zu haben, ausreden zu dürfen, selbst etwas zu sagen zu ihrem Rücktritt und dessen Umständen. Erst das große „Spiegel“-Interview, nun der Auftritt bei Hahne. Der ist mächtig stolz, die ehemalige Landesbischöfin für seine Sendung gewonnen zu haben. „Es war nicht einfach“, sagt er. Aber er habe unbedingt einen der großen Rücktritte der vergangenen Wochen (Käßmann, Koch, Köhler) als Premierengast haben wollen. „Und es wird ihr einziges Fernsehinterview zu dem Thema sein“, fügt er hinzu.

Ein Talk am Sonntagmittag? Um die Quote macht sich Hahne keine Sorgen. „Vorher läuft der ZDF-Fernsehgarten, der hat unfassbar gute Zuschauerzahlen.“ Und außerdem sei es doch nicht mehr so, dass jede Familie sonntags um 13 Uhr beim Mittag säße.

Eine Sendung am Sonntag, ein Theologe als Moderator, eine Theologin als erster Gast: Da liegt der Verdacht eines weiteren wöchentlichen „Worts zum Sonntag“ nahe. Das habe er nicht im Sinn, betont Hahne. Aktualität und Brisanz der Themen seien die Auswahlkriterien, nach denen seine Redaktion nach Gästen sucht. Schließlich sei er 38 Jahre lang im Nachrichtengeschäft. „Wenn es mal sein muss, schmeißen wie am Freitag vor der Sendung auch nochmal alles um.“ Aufgezeichnet werde erst am Sonnabend.

Er könne sich eine Jugendrichterin aus Berlin-Neukölln genauso als Gast vorstellen wie die Ehefrau des nächsten Bundespräsidenten oder einen Experten zur Rolle Deutschlands in Afghanistan, sagt Hahne. Berührungsängste habe er keine. „Nach dem Emely-Urteil hätte ich den Richter eingeladen“, sagt Hahne. „Oder nehmen Sie Lena und die schwedische Adelshochzeit. Warum interessiert das die Leute so? Was ist eigentlich in unserer Gesellschaft los?“ Nicht jede Sendung müsse investigativ, aber meinungsfreudig sein.

Jüngst wurde der 57-jährige Hahne nach elf Jahren als stellvertretender Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios abgelöst, verlor seiner Sendung „Berlin direkt“ – wohl um die politische Farbenlehre im ZDF zu erhalten. Doch darüber fällt kein böses Wort. Hahne betont stattdessen die Lust auf die neue Sendung und das, was er mit ihr erreichen will: „Ich möchte keine Fakten verschweigen, aber durchaus ein Stück Orientierung bieten.“ Die Gesellschaft solle nicht resignieren, sondern nach vorn gucken. „Man kann hinfallen, aber auch wieder aufstehen.“ Margot Käßmann sei dafür das beste Beispiel. Solche Sätze klingen dann irgendwie doch ein wenig nach dem „Wort zum Sonntag“.

„Peter Hahne“ | ZDF

Talkshow sonntags, 13 Uhr

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