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Medien Peter Frey wird neuer Chefredakteur des ZDF
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20:35 10.12.2009
Von Imre Grimm
Peter Frey
Peter Frey Quelle: ddp
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Am Ende war es dann doch keine ganz große Überraschung mehr: Peter Frey, bisheriger Leiter des Hauptstadtstudios, wird neuer Chefredakteur des ZDF. Damit geht das monatelange politische Tauziehen um den Posten des Chefredakteurs zu Ende: Der 14-köpfige Verwaltungsrat stimmte am Donnerstag einstimmig für den 52-jährigen Frey als Nachfolger des bisherigen Chefredakteurs Nikolaus Brender (60). Vorgeschlagen hatte Frey ZDF-Intendant Markus Schächter. Brenders Vertrag läuft im März 2010 aus. Die Unionsmehrheit im Verwaltungsrat hatte am 27. November – vor allem auf Betreiben des Vorsitzenden und hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) – eine Vertragsverlängerung für den „unabhängigen“ Brender abgelehnt.

Schächter nannte Frey am Donnerstag einen „herausragenden, allseits anerkannten Topjournalisten“. Frey selbst sagte: „Es ist jetzt meine Hauptaufgabe, die Glaubwürdigkeit des Senders, die in der öffentlichen Wahrnehmung gelitten hat, wiederherzustellen.“

Wer ist Peter Frey? Den ZDF-Zuschauern ist der promovierte Politikwissenschaftler bestens vertraut. Er wurde am 4. August 1957 in Bingen geboren, studierte Politik, Pädagogik und Romanistik in Mainz und Madrid. Er arbeitete als Reporter und Redakteur beim Südwestfunk und der „Frankfurter Rundschau“, bevor er 1983 zum ZDF wechselte. Dort berichtete er für das „heute-journal“ aus Mexiko, Nicaragua, Polen und Spanien. Erste Einblicke in das Amt des ZDF-Chefredakteurs bekam er in den Jahren von 1988 bis 1990 – als persönlicher Referent des damaligen Chefs Klaus Bresser. 1991 berichtete er aus Washington über den Golfkrieg. Seit 2001 leitet Frey das ZDF-Hauptstadtstudio.

Frey ist verheiratet und hat eine Tochter. Er ist Mitglied im Zentralkomitee Deutscher Katholiken, moderierte unter anderem auch 2005 beim Weltjugendtag in Köln oder aus Rom bei der Wahl von Papst Benedikt XVI. Politisch ist er kaum leichter einzuschätzen als der „unabhängige“ Brender. Im Unterschied zu Peter Hahne, seinem Stellvertreter bei „berlin direkt“, gilt Frey als linksliberal – aber im Vergleich zu Hahne erscheinen die meisten links­liberal. Bei den Linken jedenfalls erinnert man sich nicht gern an Frey, seit er sich im August im Sommerinterview mit Oskar Lafontaine regelrecht fetzte. („Herr Lafontaine: Sie sind 1999 einfach gegangen! Als die Küche heiß wurde, sind Sie gegangen!“) Frey ist zudem Fellow des von der Bertelsmann-Stiftung getragenen „Centrums für Angewandte Politikforschung“ (CAP) – in den Augen linker Kritiker das geistige Zentrum des neoliberalen Umbaus der bundesdeutschen Gesellschaft.

Ob links oder doch eher konservativ – Frey wird vom ersten Tag an gegen den Verdacht ankämpfen müssen, er sei ein Kandidat von Kochs und Angela Merkels Gnaden. Viel wird er daransetzen müssen, nicht in den Ruch der Willfährigkeit zu geraten – während sein Vorgänger Brender im Zuge der Affäre zur Galionsfigur für unabhängigen Journalismus wurde. Noch einen Tag vor der Bekanntgabe seines Nachfolgers erklärte das „Medium Magazin“ Brender am Mittwoch zum „Journalisten des Jahres 2009“. Er habe „mit konsequentem Beharren auf journalistische Unabhängigkeit Zeichen gesetzt“. Im Oktober hatte Brender bereits den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für „vorbildhafte journalistische Haltung“ bekommen. Es wird nicht leicht für Frey, dem Schatten seines Vorgängers zu entkommen. Für Frey wiederum rückt die als konservativ geltende Bettina Schausten (44), bislang Leiterin der Hauptredaktion Innenpolitik, als neue Leiterin des Hauptstadtstudios nach. Die Kanzlerin, so hört man, könne ganz gut mit ihr.

Und der ZDF-Intendant? Mit der Entscheidung für Frey ist für Schächter die lästige Hängepartie um Brender zwar beendet – dennoch geht er aus dem Gezerre beschädigt hervor. Noch einmal hat die Politik ihm gezeigt, wer – trotz der verfassungsrechtlich gesicherten „Staatsferne“ von ARD und ZDF – im öffentlich-rechtlichen Rundfunk eigentlich das Sagen hat: nicht der Intendant, sondern die Politikvertreter in den Aufsichtsgremien. Der hessische SPD-Fraktionsvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel warf Koch gestern im Wiesbadener Landtag „dezidierten Amtsmissbrauch“ vor. Grünen-Fraktionschef Tarek Al-Wazir sagte: „Sie wollen sich den Rundfunk untertan machen. Demjenigen, der jetzt Chefredakteur des ZDF wird, haftet doch von Anfang an der Makel an, dass er an der Strippe als Marionette von Roland Koch geführt wird.“

Nicht zuletzt, um den jahrzehntelangen Dauerzwist über den Politproporz im System der Öffentlich-Rechtlichen zu klären, erwägt die SPD im Fall Brender nun doch einen Gang vor das Bundesverfassungsgericht. Die SPD-Spitze hat sich offenbar auf ein Zweistufenmodell verständigt: Zunächst will man versuchen, durch eine Reform von Verwaltungs- und Fernsehrat das ZDF unabhängiger vom Staat zu machen. Falls das – wie erwartet – am Widerstand der Union scheitert, soll eine Normenkontrollklage in Karlsruhe eingereicht werden. Der stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende und rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck hatte den Gang nach Karlsruhe bisher abgelehnt. Nach Becks Reformvorschlag soll der Verwaltungsrat den vorgeschlagenen ZDF-Chefredakteur künftig nur noch mit einer Dreifünftelmehrheit ablehnen können. Mit einer solchen Regelung wäre Brender über 2010 hinaus im Amt geblieben.