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Medien Papst-„Titanic" darf wieder verkauft werden
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18:16 30.08.2012
Einen Tag vor dem Prozess um das Verbot eines Papst-Titelbildes hat die katholische Kirche die einstweilige Verfügung gegen das Satiremagazin „Titanic“ zurückgezogen. Quelle: dpa
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Hamburg

Der umstrittene Papst-Titel des Satiremagazins „Titanic“ darf wieder verkauft werden. Der Vatikan nahm am Donnerstag den Antrag auf einstweilige Verfügung gegen den Verlag zurück. Ein eigentlich für Freitag anberaumter Prozess vor dem Landgericht Hamburg fällt aus. „Wir sind begeistert und feiern schon. Der Titel ist nicht mehr verboten“, sagte Chefredakteur Leo Fischer kurz nach der Mitteilung. Bei einer Aktion vor dem Landgericht wollen „Titanic“-Mitarbeiter am Freitagvormittag Restexemplare der umstrittenen Juli-Ausgabe verteilen. „Wenn die Nachfrage da sein sollte, würden wir auch nachdrucken“, kündigte Chefredakteur Fischer an.

„Nach eingehenden Beratungen ist der Heilige Stuhl zur Entscheidung gelangt, eine Rücknahme des Antrags auf einstweilige Verfügung gegen den Titanic Verlag zu veranlassen“, teilte die Deutsche Bischofskonferenz in Bonn mit. „Zugleich werden weitere rechtliche Maßnahmen geprüft, um Angriffen auf die Würde des Papstes und der katholischen Kirche wirksam zu begegnen.“ Nähere Angaben zu der Entscheidung wollte die Bischofskonferenz nicht machen.

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Das Magazin „Titanic“ hatte im Juli Papst Benedikt XVI. von vorn und hinten gezeigt - einmal mit gelbem, einmal mit braunem Fleck auf der Soutane. Die Überschrift lautete mit Anspielung auf die Enthüllungsaffäre im Vatikan: „Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!“ Die katholische Kirche intervenierte, weil sie die Persönlichkeitsrechte des Heiligen Vaters verletzt sah. Die Pressekammer am Hamburger Landgericht untersagte den Titel mit einer einstweiligen Verfügung. Dagegen legte „Titanic“ Widerspruch ein, über den an diesem Freitag hätte verhandelt werden sollen.

Der Protest der katholischen Kirche hatte einen großen Werbeeffekt für das Magazin: Normalerweise verkauft „Titanic“ nach eigenen Angaben rund 70.000 Hefte pro Ausgabe. Im Juli waren es doppelt so viele, schließlich stoppte die einstweilige Verfügung den Vertrieb. Für die Zuwiderhandlung drohte das Gericht ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro an.

Am Donnerstag hatten sich Mitarbeiter und Unterstützer des Satiremagazins aus Protest am Hamburger Michel, einer der evangelischen Hauptkirchen der Stadt, angekettet. „Wir wollen ein deutliches Zeichen für Demokratie und Pressefreiheit setzen“, sagte der als Bischof verkleidete Chefredakteur. Kurze Zeit später nahm der Vatikan seinen Antrag zurück. Fischer hatte immer wieder gewohnt ironisch erklärt, die katholische Kirche habe das Bild missverstanden. Es zeige den Papst, wie er nach der Aufklärung der Spitzelaffäre im Überschwang ein Glas Limonade über seine Soutane verschütte.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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