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21:57 17.01.2013
Von Imre Grimm
„Das wichtigste Interview meines Lebens“: Oprah Winfrey ist Amerikas Schmerzensfrau. Auch Dopingsünder Lance Armstrong hofft auf Vergebung. Quelle: dpa
Washington

Es wäre ein Fehler, Oprah Winfrey mit einer Talkmasterin zu verwechseln. Beim Abschied einer Talkmasterin stehen nicht 13.000 Menschen im United Center in Chicago und weinen, jubeln, beten, wie im Mai 2011, als ihre letzte ABC-Sendung über den Äther ging. Beim Abschied einer Talkmasterin steht nicht Superstar Madonna auf einer von einem großen, goldenen „O“ überwölbten Bühne und ruft laut „Amen!“. Winfreys letzte Sendung war schon keine Fernsehshow mehr. Das war ein Gottesdienst. Und die Gottheit in diesem Kosmos, herabgestiegen zu ihren Schäflein, ist Oprah Gail Winfrey, 58 Jahre alt, erste schwarze Milliardärin der Welt, Kennerin der Härten des Lebens, wichtigste Sinnstifterin der amerikanischen Mittel- und Unterschicht, lebendes Beispiel für den bröckelnden Mythos, dass es in den USA jeder schaffen kann.

Es ist kaum möglich, ihre Macht zu überschätzen. „Oprah Winfrey hat mehr Einfluss auf die Kultur als jeder Universitätspräsident, Politiker oder religiöse Führer – mit Ausnahme des Papstes vielleicht“, schrieb „Vanity Fair“. Barack Obama dürfte auch ihr seinen Wahlsieg 2009 verdanken. 1997 sagte sie nebenbei, BSE verderbe ihr die Lust auf Rindfleisch. Am Tag darauf verkauften Amerikas Schlachter zehn Prozent weniger „Beef“ als sonst. Oprahs millionenstarke Gefolgschaft, zumeist weiblich, würde ihr blind in ein Bergwerk folgen. In Deutschland wäre sie „Bild, Bams und Glotze“ in einem. 62 Millionen Zuschauer in 140 Ländern sahen ihre Show.

Einmal, ein einziges Mal in ihrer Karriere, hat es einer ihrer Gäste gewagt, ihr ins Gesicht zu sagen, sie rede Unsinn. Das war der Dalai Lama. Das ließ sie zu. So von Gottheit zu Gottheit.

30 Sekunden Werbung in ihrer Finalsendung kosteten eine Million Dollar. „Alles Leben ist Energie“, dozierte sie. Es sollte der pathetische Schlusspunkt nach 4561 Sendungen sein. Aber es ist, als könne Amerika nicht ohne Oprah – und umgekehrt. Wer sonst sollte populären Sündern eine Bühne bieten für die tränenreiche Bitte um die zweite Chance? Teil 1 des Gesprächs zwischen Armstrong und Winfrey ist bei www.oprah.com zu sehen. Teil zwei läuft auch am Sonnabendfrüh um 3 Uhr bei Sky (Discovery Channel). Und Oprah spricht gleich mal vom „wichtigsten Interview meines Lebens“, gewiss auch deshalb, weil die Quoten ihres Talks nicht mehr ganz so spektakulär ausfallen, seit sie 2011 ABC verließ, um ihren eigenen Kabelsender Oprah Winfrey Network (OWN) zu gründen. Rund um die Uhr gibt’s dort Lebenshilfe zu Sex, Haushalt, Krankheiten, Paarproblemen. Es ist das, wovon Pfarrer Jürgen Fliege einst träumte.

Und es ist, als gerate Amerikas Prominenz unter Konfessionszwang, sobald in Oprahs Studio die Scheinwerfer aufblitzen. Von „Oprahfication“ sprach einst das „Wall Street Journal“, von öffentlicher Beichte als Therapie: Bill Clinton sprach  über seine Eskapaden im Oval Office, Michael Jackson über seine Bleichungsexperimente und TV-Kollegin Ellen DeGeneres outete sich als lesbisch. Auch Armstrong dürfte auf den „Oprah Effect“ hoffen – die mediale Vergebung der Sünden, bezeugt von Amerikas führender Seelsorgerin und Schmerzensfrau.

Winfreys eigene Leidensgeschichte ist es, die sie zur perfekten Beichtmutter macht. „Was ihr an journalistischer Härte fehlt, macht sie mit offener Neugier, robustem Humor und, vor allem, Mitgefühl wett“, schrieb das „Time Magazine“. Wofür Margarethe Schreinemakers in Deutschland einst ausgelacht wurde, wurde bei Winfrey zur Marke: öffentlich zu weinen, wenn ein Gast eine besonders rührende Geschichte mitbrachte.

Immer wieder holte sie Rekordquoten mit Tabuthemen aus ihrer eigenen Biografie: beim Kampf gegen Kindesmissbrauch, beim Kampf gegen Übergewicht, beim Kampf gegen Aids (2004 verriet sie, dass ihr schwuler Halbbruder an Aids gestorben war). Winfrey, 1954 in der Kleinstadt Kosciusko in Mississippi als Tochter einer bettelarmen, alleinerziehenden Teenager-Mutter geboren, erlebte eine traumatische Kindheit, trug zeitweise aus Kartoffelsäcken genähte Kleider. 1986 offenbarte sie, dass sie von ihrem Onkel und ihrem Cousin missbraucht worden war, seit sie neun war. Mit 14 wurde sie schwanger, das Kind starb. Sie lief davon – zu ihrem Vater, der die Familie im Stich gelassen hatte.

Doch dann: Mit 17 Jahren gewann sie die Wahl zur „Miss Black Tennessee“, erregte die Aufmerksamkeit einer lokalen Radiostation, es folgten kleinere TV-Jobs, bis 1985 die erste Ausgabe ihres Talks „AM Chicago“ lief, bald umbenannt in „The Oprah Winfrey Show“. „Ich kam aus dem Nichts“, schrieb Winfrey 1998 in dem Buch „Journey to Beloved“. Mit 32 Jahren war sie Millionärin, mit 41 überholte sie Bill Cosby als reichsten Afroamerikaner.

Mit ihrer religiösen Wellness-Melange aus Buddhismus, Hindiusmus, evangelikalem Christentum, Chuzpe, robuster Mütterlichkeit und gesundem Menschenverstand ist sie für Millionen noch immer eine spirituelle Führerin. „Angel Network“ heißt ihre weltweit tätige Wohltätigkeitsorganisation. Ihre Anhänger nennen sich „Church of Oprah“. Und sie lebt ganz gut von ihrem uramerikanischen Evangelium, wonach nur konsequente Selbstoptimierung echtes Glück verheißt. Sie ist Predigerin, Amerikas einflussreichste Buchkritikerin mit „Oprah’s Book Club“, TV-Produzentin mit ihrer Firma HARPO („Oprah“ rückwärts) und Herausgeberin von „O – The Oprah Magazine“ (Auflage: 2,4 Millionen).

Auch Armstrong wird sie bei der Aufzeichnung des Doping-Gesprächs eine Brücke gebaut haben, sie kann nicht anders. „Die größte Entdeckung aller Zeiten ist, dass ein Mensch seine Zukunft ändern kann, wenn er seine Haltung ändert“, hat sie mal gesagt.

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