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Medien Online-Pranger für Spendensammler macht dicht
Mehr Welt Medien Online-Pranger für Spendensammler macht dicht
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14:17 19.03.2012
Von Sören Hendrik Maak
Foto: Der Betreiber Stefan Loipfinger macht seine Internetseite charitywatch.de dicht.
Der Betreiber Stefan Loipfinger macht seine Internetseite charitywatch.de dicht. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand
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Rosenheim

Der „Fondspapst" gibt auf. Dass diese Nachricht nicht zu Kursstürzen an der Börse und Ad-hoc-Meldungen von Aktiengesellschaften geführt hat, liegt vermutlich daran, dass sich Stefan Loipfinger mittlerweile mit einem Feld beschäftigt, das kaum weiter von gewinnbringenden Fonds entfernt liegen könnte: mit gemeinnützigen Spendenorganisationen. Auf seiner Internetseite charitywatch.de listete Loipfinger seit 2008 Dutzende Negativbeispiele von unseriösen Spendensammlern auf. Nun macht er den Online-Pranger dicht.

„Nach vielen Prozessen, die ich im Interesse der Sache führen musste, bin ich an meine finanziellen Grenzen gestoßen", sagt Loipfinger. Das Geld für CharityWatch stammte von den Erlösen aus dem Verkauf des Branchendienstes fondstelegramm.de und der „Gesamtmarktstudie der Beteiligungsmodelle". Damit begann der gelernte Banker vor vier Jahren sein zweites Berufsleben. „So war mein Projekt zumindest nicht vom ersten Tag an darauf angewiesen, sich selbst zu tragen."

Loipfinger wurde auch auf dem neuen Gebiet in Windeseile das, was er bereits in der Finanzwelt war: ein bunter Hund. Während er als Fondsexperte auch im Fernsehen auftrat und Artikel für die Wirtschaftspresse schrieb, wählte er für seine Jagd nach den Schwarzen Schafen unter den Spendensammlern das modernste Medium. Im Internet "sollten zweifelhafte Organisationen entlarvt" werden. Artikel und Loipfingers Warnliste mit über 100 Organisationen waren jederzeit abrufbar und werden es auch über das Ende von charitywatch.de hinaus bleiben. "Es kommt nichts Neues mehr hinzu, aber die Seite bleibt online."

Es dauerte nicht lange, bis der Online-Pranger Loipfingers Gegner auf den Plan rief. Und die griffen ebenfalls zu digitalen Waffen. In einer zehnseitigen E-Mail wurde Loipfinger in den Schmutz gezogen. Er sei als sexueller Arsch dargestellt worden, so Loipfinger. Im Verteiler standen auch einige Verwandte. „Die Verschicker der Mail sind mittlerweile der Mittäterschaft überführt, haben aber keine Strafe bekommen", sagt Loipfinger. Die Hintermänner blieben im Dunkeln.

In der deutschen Spendenindustrie geht es um viel Geld. „Weit über 100 Millionen Euro von 5 Milliarden Euro werden von unseriösen Organisationen nicht so verwendet, wie es der Spender annehmen darf", sagt Loipfinger. Mal seien die Verwaltungskosten exorbitant hoch, in anderen Fällen fließe überhaupt kein Geld in die vermeintlichen Projekte.

Vor den großen Namen machte CharityWatch nicht Halt. Dem Deutschen Tierschutzbund (DTB) etwa warf man eine zu große Nähe zu den Unternehmen Mars und Fressnapf vor. Der Tierschutzbund wiederum wunderte sich über Loipfingers Verhältnis zur Publizistin Karin Burger, die sich im Auftrag von CharityWatch an den DTB gewandt habe. „Der Tonfall und die zunehmend subjektive, vorurteilsbehaftete und auf falschen Annahmen beruhende Kommunikation durch Frau Burger ließ uns keine andere Wahl, als im Grundsatz Auskünfte an Frau Burger abzulehnen", sagt Sprecher Marius Tünte.

Die Mars-Marken Whiskas und Pedigree seien Kooperationspartner des DTB; Fressnapf helfe den örtlichen Vereinen mit Spenden. Burger wundert sich über das eigenartige Verständnis von Pressefreiheit beim DTB, wenn die Antworten auf Fragen von der Person des Fragestellers abhängig gemacht werden. Den Eindruck der Fadenscheinigkeit könne der DTB solange nicht widerlegen, wie andere Journalisten nicht dieselben Fragen stellen.

„Der Tierschutzbund ist nach wie vor eine seriöse Organisation", sagt Burkhard Wilke, Chef des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen, das das renommierte DZI Spenden-Siegel vergibt. Manchmal sei CharityWatch mit seiner negativen Rhetorik über das Ziel hinausgeschossen. Trotzdem attestiert auch Wilke CharityWatch beträchtliche Verdienste in Sachen Transparenz und dem Spendenwesen ein deutliches Missbrauchspotential.

Von 100 Millionen Euro würde er aber nicht ausgehen.Loipfinger hat für private Spender noch einen Tipp. „Man sollte kein Geld in eine Dose stecken, die einem in der Fußgängerzone entgegen gehalten wird, es sei denn, es ist der Herr von der Freiwilligen Feuerwehr, den man kennt und der für ein neues Feuerwehrauto sammelt." Genau sollten sich Spender auch über die Absender von Bettelbriefen informieren. Für solche Fälle bliebe charitywatch.de online

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