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Medien Online-Magazin gibt Terroristen Tipps zum Bombenbau
Mehr Welt Medien Online-Magazin gibt Terroristen Tipps zum Bombenbau
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21:45 05.03.2013
Von Stefan Koch
„Bombe in der Küche“: Magazin „Inspire“.
„Bombe in der Küche“: Magazin „Inspire“. Quelle: Screenshot
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Berlin

Der schwarze Schatten eines Kämpfers mit einem Gewehr dominiert das Titelbild. Und die Schlagzeile des Magazins „Inspire“ deutet auf Höheres: „Mögen unsere Seelen für dich geopfert sein!“

Das Onlineprodukt lässt sich elektronisch durchblättern wie ein Modemagazin. Hergestellt wird es im Jemen,  veröffentlicht in englischer Sprache. Es zielt weltweit auf die Generation Facebook. Grundtenor: Allein auf sich gestellt können Überzeugungstäter auch mit geringem technischem Aufwand im Westen viel Schaden anrichten. Das zynische Motto: „Yes, we can – jeden Tag eine Kugel hält den Ungläubigen fern.“

Auf den ersten Blick erinnert das Onlineheft an eine Mischung aus frühen „P.M.“-Magazinen und Satirezeitschriften. Doch die Tipps und Tricks sind erschreckend ernst gemeint. Schon auf der ersten Seite findet sich ein Leseanreiz ganz eigener Art: „Fabriziere eine Bombe in der Küche deiner Mutter.“

In ihrer jüngsten Ausgabe werben die Autoren für viele dezentrale Terrorattacken auf den öffentlichen Straßenverkehr. Wer immer sich dazu berufen fühle, solle mit Benzinkanistern, Nagelbrettern und Molotowcocktails Anschläge auf Autos in Großstadtregionen verüben. Das Kalkül: Sollte es massenhaft zu kleinen Angriffen kommen, würden die Versicherungspolicen der „Ungläubigen“ steigen, die wiederum die Politik unter Druck setzen sollen, die Strategien gegenüber der islamischen Welt zu ändern.

Das mag vollkommen versponnen klingen. Auch trauen die Autoren ihren potenziellen Komplizen wenig zu, da sie ihnen ausdrücklich empfehlen, nicht den eigenen Personalausweis am Tatort zu vergessen. Doch die Folgen solcher elektronischen Aufrufe sollten nicht unterschätzt werden.

Im Jahr  2011 sprengte sich ein junger Deutscher mit afghanischen Wurzeln in Frankfurt versehentlich in die Luft, nachdem er mit einer „Inspire“-Bauanleitung experimentiert hatte. Die Polizei schließt zudem nicht aus, dass auch die nicht gezündete Bombe am Bonner Hauptbahnhof im vergangenen Jahr nach „Inspire“-Plänen entwickelt wurde. „Inspire“ könne sogenannte „einsame Wölfe“ beflügeln, die von den Behörden besonders gefürchtet werden – weil sie unvorhersehbar gleichsam aus dem Busch heraustreten und etwas Kriminelles tun, ohne zuvor mit Gleichgesinnten vernetzt gewesen zu sein.

Auch Washington nimmt die Onlineausgabe aus dem Jemen ernst – und liest offenbar alles mit. Amerikanische Sicherheitsbehörden verweisen darauf, dass der frühere „Inspire“-Autor Samir Khan im September 2011 getötet wurde – durch eine todbringende US-Drohne.