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Medien Nichtrauchende Colts - Vor 60 Jahren startete die Westernserie “Bonanza”
Mehr Welt Medien Nichtrauchende Colts - Vor 60 Jahren startete die Westernserie “Bonanza”
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19:01 13.09.2019
Bonanza (0) 1: Adam (Pernell Roberts), Little Joe (Michael Landon), """Pa"" Ben (Lorne Greene), Eric ""Hoss"" Cartwright (Dan" Blocker). 2: Hinten: Pernell Roberts, Dan Blocker; vorne: Michael Landon, Lorne Greene 3: Dan Blocker, Lorne Greene, Michael Landon 4: Michael Landon, Lorne Greene, Dan Blocker Regie: diverse USA 1959-1972 , NBC | Quelle: picture alliance / United Archiv

„Dap dadadap dadadap dadadap Bonanzaaa!“ Schon die Musik der Serie war einsame Klasse. Auf Luftpferden ritten in den 60er- und frühen 70er-Jahren unzählige (west-)deutsche Jungs über die Pausenhöfe und sangen dazu die Melodie der US-Serie „Bonanza“ (zu der es eine Textversion mit Johnny Cash gab). Zungenschnalzen und Schlagen der Hände auf die Schenkel reichten aus, um ein galoppartiges Geräusch zu erzeugen. Man ritt zu Fuß, Cowboys der Kokosnuss, um imaginäre Rinderherden zu hüten, oder an imaginären Lagerfeuern imaginären bitteren Cowboykaffee zu schlürfen. Mit Luftpferden verhält es sich übrigens ähnlich wie mit der ungleich berühmteren Luftgitarre - keiner kann sie sehen, aber für einen selbst fühlen sie sich total wirklich an.

Der Wertekatalog der Cartwrights: Anstand und Gerechtigkeit

60 Jahre wird „Bonanza“ alt. Am 12. September 1959 ging die Serie in den USA auf Sendung, im Oktober 1962 dann testweise in der ARD, ab 1967 regulär im ZDF. 425 Folgen lang war Westernzeit mit dem Rancher Ben Cartwright (Lorne Greene) und seinen drei Söhnen – dem coolen Adam (Pernell Roberts), dem gemütlichen Hoss (Dan Blocker) und dem vorwitzigen Little Joe (Michael Landon). An Fasching war man als Junge 1968 selbstredend Cowboy, schob sich den Filzhut mit dem Lauf der Pulverblättchenpistole in den Nacken und ließ sich mit seinem Cartwright-Namen anreden, während die Kapelle das Partyoldie „My baby-baby, balla-balla“ spielte.

„Bonanza“ war bieder und beliebt zugleich: Der wilde Westen des neuen Lincoln-treuen Staates Nevada war kein gottloser Ort, wo spektakulär ins Gras gebissen wurde wie in den großen US-Kinowestern oder der jüngeren Spaghettivariante. „Pa“, wie die Söhne den Vater nannten, hatte seinen Jungs einen Wertekatalog vermittelt, wie er auch in klassischen Wirtschaftswunderfamilien galt. Familie hält zusammen, man wahrt den Anstand, strebt nach Wahrheit und Gerechtigkeit. Die Cartwrights waren freundlich - Humanisten, Philantropen -, hatten weder Vorbehalte gegen Schwarze noch gegen die Paiute-Indianer vom nahen Lake Tahoe. In vielen Folgen fiel kein Schuss, blieben die Colts nichtrauchend. Freilich: Bei akuten Gefährdungslagen sprang ihnen das Schießeisen so schnell in die Hand wie John Wayne oder Gary Cooper.

Niemand verkleidete sich an Fasching als chinesischer Koch

Dass hier eine reine Männerwirtschaft die Mustangs sattelte, erregte noch wenig feministischen Unmut in patriarchalischen Zeiten, in denen deutsche Mütter das Essen auf den Tisch zu stellen hatten, wenn deutsche Väter nach Hause kamen. Die Mamas der drei Cartwright-Buben waren tot, die Söhne waren irgendwie bindungsunfähig. War halt so. Immerhin wurde hier keine Frau an den Herd der Ponderosa gestellt. Die Cartwrights wurden von einem permanent miesepetrigen Chinesen namens Hop Sing versorgt. Niemand verkleidete sich an Fasching als chinesischer Koch.

„Bonanza“ war der Vorreiter des Familienwesterns im deutschen Fernsehen. Es folgten Serien wie „Big Valley“, „High Chaparral“ und die familienartige Cowboy-WG der „Leute von der Shiloh Ranch". Am Ende war aber doch „Bonanza“ die Serie der Serien. Bis 1972 Dan Blocker starb. Ohne Hoss nix los – die letzte Staffel war nur noch ein Abgesang. Zwischen 1988 und 2001 wurde mehrfach versucht, das Franchise wieder neu aufzuzäumen - alles lahme Gäule.

1973 war die große Zeit der Fernsehwestern vorbei

1973 war die große Zeit der TV-Western dann vorbei. Man fuhr dann noch eine Weile Bonanzarad, das war's. Ein Fernsehmacher namens Gene Roddenberry hatte das „Go West!“ der Trecks des 19. Jahrhunderts derweil ins All verlegt. 1972 startete im ZDF das „Raumschiff Enterprise“ in die „unendlichen Weiten“. Auf dem Schulhof spreizte man jetzt die Finger zum vulkanischen Gruß und entsicherte den imaginären Phaser, die imaginären Pferde blieben im Stall. Das hatte schließlich auch Lorne Greene begriffen. Der alte Papa Ben heuerte 1978 als Commander Adama in der Serie „Kampfstern Galactica“ an. Science Fiction war der neue Western, der Weltraum war die Prärie der Zukunft. Und ist es – wie zahllose Serien von „Star Trek: Discovery“ bis „Lost in Space“ beweisen - bis heute geblieben.

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Von Matthias Halbig/RND

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