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09:44 07.07.2014
Bogi Ágústsson präsentiert den Isländern seit 1980 die Fernsehnachrichten. Quelle: dpa
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Reykjavik

Ganz oft denken die Menschen auf der Straße in Reykjavik, er sei ein Bekannter, der Mann mit den weißen Haaren und der runden Brille. Sie nicken dann und grüßen freundlich, und Bogi Ágústsson grüßt zurück. "Den Leuten ist es oft peinlich, wenn das passiert", sagt der 62-Jährige, der mit übereinandergeschlagenen Beinen in einer weiten Cordhose an seinem Schreibtisch in der Redaktion des Fernsehsenders RUV sitzt.

Kein Wunder, dass ihn die Leute leicht verwechseln. Einen Starkult gibt es in Island, das mit gut 320 000 etwa so viele Einwohner wie Bielefeld hat, zwar nicht. Aber wenn es einen gibt, den alle kennen, ist das der Nachrichtensprecher Ágústsson. Denn er flimmert seit fast 35 Jahren über Islands Fernsehbildschirme. "Das Einzigartige bei uns ist, dass etwa 30 Prozent der Bevölkerung unsere Hauptnachrichten sehen", sagt der Journalist. "Deshalb haben die meisten Menschen mein Gesicht gesehen."

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Als sich Ágústsson vor etwa zehn Jahren plötzlich von seinem typischen glatten Scheitel trennte und die Haare kurz schnitt, ging ein Aufschrei durchs Land. Die ganze Insel diskutierte über die neue "George Clooney"-Frisur. Nur zwei Jahre war Ágústsson zwischendurch weg, als Korrespondent in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Er hatte Geschichte studiert, ihn interessierte die Verbindung. "In Island neigen die Menschen dazu, zu vergessen, dass dieses Land für 500 Jahre ein Teil von Dänemark war", erzählt er. "Kopenhagen war länger unsere Hauptstadt, als Reykjavik es ist."

Andere Länder, andere Kulturen faszinieren den Isländer, der in den Sommerferien seiner Jugend zehn Jahre hintereinander als Matrose auf einem Frachter jobbte. "Damals war Island nicht so "weltmännisch" wie heute, Reisen war weniger üblich, als es das jetzt ist", sagt der 62-Jährige. Der Vater war sein Vorbild, er war Schiffskapitän. "Ich konnte das damals wegen meiner schlechten Augen nicht werden." Die Abenteuerlust sieht man ihm nicht auf den ersten Blick an. Beim Vorlesen guckt er stets ernst drein, zieht nur in regelmäßigen Abständen die Stirn kraus, bewegt den Kopf leicht auf und ab und verzieht ansonsten keine Miene.

Gerade wegen seiner ruhigen Art mögen ihn seine Landsleute. "Niemand genießt mehr Vertrauen", sagen seine Kollegen. Und wenn On Air etwas schiefgeht, ist niemand besser. Der Nachrichtenjob ist für ihn "wie dafür bezahlt zu werden, was man am liebsten macht - ich weiß gerne, was los ist, ich erzähle den Menschen gerne davon und ich mag es, Menschen zu treffen", sagt Ágústsson. Knapp zwanzig Jahre lang war er auch Nachrichtenchef bei dem öffentlich-rechtlichen Sender RUV.

In seiner Interviewshow, die er heute neben den Nachrichten macht, hat er von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon über die nordischen Ministerpräsidenten bis zu Filmregisseuren wie dem Dänen Bille August internationale Prominente zu Gast gehabt. Ausländische Medien vergleichen den Tottenham-Hotspurs-Fan und zweifachen Großvater gern mit der US-Moderatorenlegende Walter Cronkite. Darüber lächelt Ágústsson verschmitzt. "Ich glaube, das liegt nur daran, dass ich schon so lange dabei bin", sagt er bescheiden.

Cronkite sei "eine Ikone und in vielerlei Hinsicht ein Anführer" gewesen. "Ich bin eher ein Nachrichtenvorleser." Und das will er für die Isländer noch sein, so lange er "irgendwie kann". Für Nachrichten brennt Ágústsson, dafür, sie vorzulesen, aber eigentlich nicht, sagt er, "wenn ich ehrlich bin". Trotzdem ist es für seine Kollegen beim isländischen Rundfunk undenkbar, dass er damit aufhört. Dafür ist er einfach schon zu "ewig" da, wie er selbst sagt. "Da wird eine große Lücke zu füllen sein", meint einer der Reporter bei RUV. "Die Nachrichten ohne Bogi sind eigentlich unvorstellbar."

dpa

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