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Medien NDR zeigt Doku über Obdachlose
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07:31 27.02.2012
Von Imre Grimm
Der NDR hat für eine Doku Obdachlose im Winter begleitet. Quelle: NDR
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Hannover/Hamburg

Habe nichts mehr außer mich“ steht auf seinem Pappschild. Er sitzt an der Straße, die Passanten beachten ihn nicht. Und doch hat der Mann eine Würde, die unabhängig zu sein scheint von Status, Beruf, Erfolg. Das ist das Thema dieser kleinen, feinen Reportage von Holger Baars aus dem Hause Radio Bremen: wie man Mensch bleibt, wenn man alles verloren hat. Und wie schnell das gehen kann, dass man auf der Straße sitzt, wenn das Schicksal zuschlägt.

Wie bei Diana Bendix (42), deren Leben aus den Fugen geriet, als das Jugendamt ihr das Kind wegnahm. Heute versucht sie, mit dem Verkauf der Straßenzeitung „Hinz und Kunzt“ in Hamburg wieder etwas Struktur in ihr Leben zu bringen. Oder bei Hans Joachim Grothe (51), ehemaliger Bahnangestellter, der wegen Mietschulden seine Wohnung in Radebeul bei Dresden verlor – und den Boden unter den Füßen, als seine Frau mit dem Kind nach Hannover zog. Oder bei Thomas „Bommel“ Bonin (32), der in einer ergreifenden Szene in Bremen vor der Spedi­tion, in der er früher arbeitete, seinen alten­ Chef trifft. Und plötzlich ist die Trauer wieder da – über den Verlust des Jobs, des bürgerlichen Lebens mit Freundin und Wohnung. Heute lebt „Bommel“ unter einer Hochstraße in Bremen.

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Der Film ist kein Mitleidsepos geworden, sondern eine dichte, ungewöhnlich detailreiche Bestandsaufnahme des Lebens auf der Straße, das in Deutschland Hunderttausende führen. Und das – auch dies eine Lehre des Films – kein Symptom persönlichen Versagens ist. Denn das, was wir als Sicherheit im Leben empfinden, ist doch nur ein dünner Faden, der schnell reißen kann.

„45 Min – Obdachlos“ | NDR - Unpathetische Doku aus dem Winter 2012 - Montagabend, 22 Uhr

26.02.2012
26.02.2012