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Medien Mit „Opera Unite“ wird der Browser zum Server
Mehr Welt Medien Mit „Opera Unite“ wird der Browser zum Server
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12:55 18.06.2009

Er ist in Sachen Marktanteil der kleinste unter den Internet-Browsern: Opera. Am Dienstag hat das Unternehmen ein spannendes neues Produkt auf den Markt gebracht: „Opera Unite“ - eine Zusammenstellung neuer Funktionen im Browser, die eigene Dateien von der Festplatte gezielt und einfach für andere freischalten.

Vollmundig ist die Ankündigung der Norweger über ihre neuen Programmfunktionen. „Opera wird das Web neu erfinden“, sagt Sprecherin Julie Sajnani. Die neue Technik werde „für immer die grundlegendende Struktur des Webs verändern“. Was ist da nun wieder los? Das übliche Marketinggetöse eines kleinen Start-ups? Oder steckt da mehr hinter?

Opera ist bereits mehrmals ein Coup bei der Einführung neuer Techniken fürs Web gelungen. Das Hauptprodukt des Unternehmens, der Opera-Browser, war vor ein paar Jahren der erste, der mit so genannten Tabs arbeitete - jenen Registerreitern, die es erstmals ermöglichten, mehrere Webseiten gleichzeitig zu laden und zwischen ihnen zu wechseln. Firefox und später der Internet Explorer wurden daraufhin ebenfalls mit dieser Technik ausgestattet.

Weitere Erfindungen wie die Mausgesten, bei denen man zum Navigieren im Browser schlicht die Maus in bestimmten Bewegungen handhabt, wurden ebenfalls von Firefox als gute Idee übernommen, und die schnelle Ladezeit des Browsers ist weiterhin überlegen gegenüber den Platzhirschen Internet Explorer und Firefox. Dass der Opera-Browser unter Windows, Mac OS X und Linux dennoch nur einen geringen Markanteil im einstelligen Prozentbereich hat, liegt trotz der an vielen Stellen überzeugenden Technik auch am mangelnden Vertrieb und Marketing der Norweger. Konkurrent Microsoft bringt seinen Internet Explorer seit Jahren und teils wettbewerbsbehindernd im festen Bündel mit Windows unter die Leute, Firefox erzielt über die totale Freigabe seiner Funktionen für Erweiterungen aus der weltweiten Programmiererschaft große Sympathien und hatte zuletzt mit Google einen lukrativen, die Weiterentwicklung sichernden Deal erreicht, indem die Google-Suchseite als Startseite voreingestellt wurde. Opera hingegen pflegte lange sein Image als Geheimtipp für Experten unter den Experten und verwässerte die Nützlichkeit des Browsers mit einem „No, no“ im Internet: Kostenpflichtigkeit für bestimmte Elemente der Opera-Produktpalette.

Nun also das kostenlose „Opera Unite“. Die neuen Funktionen sind fest mit dem Browser Opera verdrahtet. Wer sich die Software installiert, kann künftig auf einfache Weise Texte, Bilder, Musik, Videos, Programmdateien sowie Chat- und Webseiten vom eigenen Rechner aus veröffentlichen. Andere bekommen darauf Zugriff über eine von der Opera-Zentrale aus angelegte Webadresse wie zum Beispiel http://home.homofaber.operaunite.com/ (in diesem Fall landet man auf dem Rechner des Autors, der das Pseudonym homofaber im Web verwendet). Die Adresse steht allerdings nur so lange zur Verfügung, wie der Rechner auch angeschaltet ist; sonst heißt es „Device Unavailable“ (Gerät steht nicht zur Verfügung).

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Tatsächlich werden einzelne, gezielt dafür geöffnete Speicherverzeichnisse nach außen sichtbar. Im Bereich Media Player wird beispielsweise die MP3-Musiksammlung als Dateiliste angeboten - abspielbar direkt im Browser und auch speicherbar. Fotoordner zeigen verkleinerte Voransichten im Webbrowser, eine „Fridge“-Seite (übersetzt: Kühlschrank) knappe Notizzettel. Diese Unterrubriken kann man anderen direkt im Browser mit wenigen Klicks freigeben: entweder für alle oder mit einem Kennwort geschützt oder nur „für sich selbst“. Der andere belegt dann beim Abrufen dieser Seiten die private DSL-Anleitung, die hoffentlich vorhanden ist - und verlangsamt das eigene Surferlebnis. Der private Rechner wird mittels Opera Unite zum eigenen, weltweit zugänglichen Server.

Und das mit allen Folgen: Wenn man sich einmal verklickt, steht möglicherweise die komplette private Sammlung an Familienfotos für andere zum Download bereit. Vergisst man, die Kennworteingabe richtig einzustellen, teilt man mit allen anderen Internetnutzern seine private Musiksammlung und macht sich damit strafbar. Voreingestellt ist aber immer ein zufallsgeneriertes Kennwort.

Opera Unite besticht durch das Einfache seines Dienstes. Nie war es schneller möglich, privat einen Webserver einzurichten und mit Freunden übers Web hinweg einzelne Speicherverzeichnisse bequem zugänglich zu teilen. Nützlich ist das allerdings vorrangig für Leute mit schnellem Internetanschluss. Wenn sich Freunde gerade die jüngsten 100 Fotos aus dem Bilderordner herunterladen, ist der private Internetanschluss schnell dicht. Das ist - noch - die Crux dieses durchaus bemerkenswerten neuen Angebots: Download- und Upload-Geschwindigkeit sind bei heutigen DSL-Anschlüssen üblicherweise aufs Downloaden ausgerichtet, selbst ein rasend schneller VDSL-25000-Anschluss bietet gerade einmal 5000 Kilobit pro Sekunde Uploadgeschwindigkeit. Besucher des privaten Webangebots bekommen dann diese 5000 Kilobit pro Sekunde angeboten und teilen sie sich mit den geraden aktiven Surfsitzungen des Privatnutzers. Das Web wird so wieder etwas langsamer als gewohnt - aber es gewinnt eine neue Qualität. Freunde, Bekannte und Kollegen kann man so in einem Intranet-ähnlichen Rechnerverbund zusammenführen.

Und Opera hat offensichtlich aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und öffnet das Konzept auch für Programmierer in aller Welt: Die können auf diesem Weg weitere neue Anwendungen erstellen, die beispielsweise bei Computerspielen im Browser gezielt auf freigegebene Speicherverzeichnisse zugreifen. Für den Firefox-Browser gab es bereits in Ansätzen ähnliche Erweiterungen, die sich aber nicht durchgesetzt haben. Opera aber zeigt mit diesem in der Alpha-Version vorliegenden Programm, wie es tatsächlich gelingen könnte. Und sei es nur, um in der Firma die vergessene Powerpointdatei von zu Hause nachzuladen. „Schalt mal bitte den Rechner an, ich habe vergessen, mir eine Datei zu mailen“ - solch ein Telefonat wäre ein Winzigschritt mehr zum total vernetzten Privatrechner.

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