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Medien Missbrauchsdrama „Die Mutprobe“ mit Elisabeth Lanz in der ARD
Mehr Welt Medien Missbrauchsdrama „Die Mutprobe“ mit Elisabeth Lanz in der ARD
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18:22 10.05.2011
Von Ernst Corinth
Sabine (Elisabeth Lanz) ist verzweifelt – die Bewohner ihres Heimatdorfes wenden sich von ihr ab, weil sie den beliebten Oberstudiendirektor der Pädophilie beschuldigt hat. Quelle: ARD
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Die Wiener Familienrichterin Sabine (Elisabeth Lanz, „Tierärztin Dr. Mertens“) kehrt nach langer Zeit wegen eines Klassentreffens zurück in ihr idyllisches Heimatdorf zurück. Eigentlich will sie noch am Abend zurückfahren, doch dann kommt es anders. Beim zunächst noch feuchtfröhlichen Treffen erfährt Sabine schockiert, dass sich ihre frühere beste Freundin bereits vor Jahren umgebracht hat. Über den Selbstmord mag aber keiner so recht sprechen. Zum ersten Mal bekommt der Zuschauer das Gefühl, dass im Fernsehfilm „Die Mutprobe“ die Idylle trügt.

Kurz darauf überschlagen sich dann die Ereignisse: Die Tochter von Sabines Jugendliebe Leonhardt (Heio von Stetten) ist spurlos verschwunden. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche. Polizei und Feuerwehr werden eingeschaltet. Bald schon sucht das ganze Dorf nach der Kleinen. Und dann findet man in einem Gebüsch das Fahrrad des Kindes. Vieles spricht für ein Verbrechen – auch für Sabine. Sie hat inzwischen erfahren, dass das Mädchen vor ihrem Verschwinden Nachhilfe bei dem alten Oberstudiendirektor

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Dr. Körbler (Peter Weck) hatte – einem Mann, der Sabine und andere als Kind missbraucht hat. Ist er der Täter?

Von diesem Verdacht wollen die anderen im Dorf nichts wissen. Zu beliebt ist dieser Dr. Körbler, der zudem ein Förderer der örtlichen Vereine ist. Und schnell wird Sabine durch den von ihr geäußerten Verdacht zur Außenseiterin in der Dorfgemeinschaft, zu einer Person, der die anderen zunehmend aggressiv begegnen.

Der Vergleich drängt sich auf: Vor rund einem halben Jahr lief auf dem gleichen Sendeplatz das verstörende, mit dem Grimme-Preis prämierte Missbrauchsdrama „In aller Stille“ (Regie: Rainer Kaufmann), das in der oberbayerischen Provinz spielte. Auch im Film „Die Mutprobe“ geht es um Kindesmissbrauch. Allerdings kann das in der österreichischen Provinz angesiedelte Drama nicht mit Kaufmanns Meisterwerk mithalten.

Zwar ist die Geschichte einer unangenehmen Reise in die Vergangenheit solide und durchaus spannend erzählt. Allerdings hat Regisseur Holger Barthel („Lilly Schönauer“) eine übertriebene Vorliebe für Melodramatik. Hinzu kommen seltsame Brüche, die einem das Zuschauen fast verleiden – beispielsweise in einer Szene, in der es eigentlich hochdramatisch um das verschwundene kleine Mädchen geht, Sabine und Leonhard dennoch die Zeit finden, ihre Jugendliebe geschwätzig aufzuarbeiten.

Doch die positive, durchaus sehenswerte Überraschung in diesem Film liefert Peter Weck. Der 80-jährige Wiener, der schon seit Jahren in zahlreichen Fernsehproduktionen oft den lieben Onkel oder Großvater mimt, spielt hier als durchaus gerissener Pädophiler gegen sein Image an. In solch anderen Rollen würde man Weck gern häufiger im Fernsehen sehen.

„Die Mutprobe“ | ARD
Missbrauchsdrama
Mittwoch, 20.15 Uhr

Hannah Suppa 09.05.2011