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17:21 11.10.2013
Von Christiane Eickmann
Freudlos in Magdeburg: Brasch (Claudia Michelsen) und Drexler (Sylvester Groth). Quelle: ARD
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Hannover

Na, das ist ja mal eine originelle Idee, die der MDR bei der Neubesetzung seines „Polizeiruf 110“ hatte: Hauptkommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) hängt nach Feierabend gern in Bars ab, fährt zu schnell Motorrad, hat eine wilde Vergangenheit und nimmt es mit Recht und Gesetz nicht so genau. Ihr Partner Jochen Drexler (Sylvester Groth) ist ein Paragrafenreiter, ernährt sich von Rohkost und bastelt in seiner Freizeit an Modellflugzeugen.

Good cop, bad cop - das ist das Prinzip, mit dem das Rostocker „Polizeiruf“-Gespann König-Bukow schon seit einigen Jahren bei Zuschauern und Kritik gut ankommt. Nur dass eben dort der Mann die halbkriminelle Vergangenheit hat und seine Partnerin nicht so heilig ist, dass die beiden nicht doch noch eine gemeinsame Ebene finden könnten. Das ist bei den Magdeburger Ermittlern nur schwer vorstellbar.

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Das ungleiche Team aber ist nicht das Hauptproblem dieses Sonntagkrimis, der den Titel „Der verlorene Sohn“ trägt und um den Tod eines afrikanischen Asylbewerbers kreist. Schließlich sind Michelsen und Groth großartige Darsteller. Es macht Spaß, Michelsen dabei zuzusehen, wie sie nur mit leichten Veränderungen im Blick innerhalb von Sekunden von der harten Ermittlerin zur verzweifelten Mutter mutiert. Und der stets etwas verloren wirkende Groth gibt überzeugend den überkorrekten Hauptkommissar Drexler. Ein wenig übertreiben ist lediglich, dass er bereits zum Frühstück Salat isst.

Ärgerlich macht den Krimi das vor Klischees strotzende Drehbuch der Brüder Friedemann und Christoph Fromm („Die Wöfe“, „Die Grenze“): Schnell gerät eine Gruppe junger Nazis in den Kreis der Mordverdächtigen. Ach ja, wir sind ja im Osten der Republik, da dürfen Nazis nicht fehlen. Zugutehalten kann man den „Polizeiruf“-Machern immerhin, dass die Rechtsradikalen nicht nur als stumpfe Glatzen gezeigt werden. Dass allerdings einer von diesen heimatliebenden Jungs dann auch noch der Sohn der Hauptkommissarin ist, ist des Zufalls zu viel. Als ob es nicht schon reicht, dass die Ermittlerin mal eine Affäre mit einem anderen Verdächtigen hatte ... Ihre privaten Verstrickungen in den Fall versucht Brasch - ziemlich naiv - geheim zu halten.

Im Übrigen scheint es in Magdeburg nur einen einzigen Anwalt (Peter Benedict) zu geben. Der vertritt einerseits die Frau des ermordeten Asylbewerbers, andererseits selbstverständlich auch alle verdächtigen Nazis auf einmal. Auch ein vertrottelter Journalist, der durch einen entscheidenden Hinweis einen weiteren Mord hätte verhindern können, darf nicht fehlen. Dass Magdeburger Lokalpolitiker über diesen Krimi nicht glücklich sind, ist mehr als verständlich.

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