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Medien Medienwissenschaftler: „Bild“ in der Mitte angekommen
Mehr Welt Medien Medienwissenschaftler: „Bild“ in der Mitte angekommen
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11:02 22.06.2012
Medienwissenschaftler Siegfried Weischenberg sieht im Boulevardjournalismus längst keine Alleindomäne der „Bild“-Zeitung mehr. Quelle: dpa
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Berlin

Tratsch, Skandal, der Blick durch das Schlüsselloch und die reißerische Schlagzeilen – der Boulevardjournalismus ist nach Darstellung des Medienwissenschaftlers Siegfried Weischenberg längst keine alleinige Domäne der „Bild“-Zeitung mehr. „Das Blatt hat sein Alleinstellungsmerkmal verloren“, sagte der Leiter des Lehrstuhls für Journalistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Hamburg zum 60. Geburtstag der Zeitung an diesem Sonntag (24. Juni). Auch die Rolle als politisches Kampfblatt habe „Bild“ nach der Wiedervereinigung weitgehend aufgegeben.

Überregionale Zeitungen wie etwa die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ oder die „Süddeutsche Zeitung“ hätten in den vergangenen Jahren die Klatschspalten deutlich ausgebaut. „Es gibt eine mediale Konvergenz, bei der ‚Bild‘ nicht mehr allein auf dem Boulevard-Markt ist“, sagte Weischenberg. Die Vermischten-Seiten vieler Blätter glichen heute einer Kurzzusammenfassung der täglichen „Bild“-Zeitung.

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„‚Bild‘ ist immer weniger ein Kampagnenblatt, das polarisiert und in diesem Sinne auch ein politischer Faktor ist“, sagte Weischenberg der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Zwar sei die Auflage im Sinkflug, das Blatt bleibe aber für den Medienkonzern Axel Springer außerordentlich ertragreich. „‚Bild‘ versucht, aufgrund gewisser Probleme auf dem Boulevard-Sektor aus der Not eine Tugend zu machen, um ökonomisch weiter erfolgreich zu sein.“ Nun übertrage „Bild“ das „Papiermodell“ ins Internet.

Nach dem Antritt von Chefredakteur Kai Diekmann vor zehn Jahren habe „Bild“ dagegen „sehr viel stärker an ökonomischem als publizistischem Profil gewonnen“. Mit neuen Geschäftsmodellen, etwa den sogenannten „Volksprodukten“, sowie der Erweiterung der Marke „Bild“ auf andere Publikationen, bleibe das Blatt mit einer täglichen Auflage von 2,76 Millionen Exemplaren und mehr als 12 Millionen Lesern eine zentrale Erlösquelle für Europas größtes Zeitungshaus, sagte der Medienwissenschaftler.

„‚Bild‘ wird im Zweifel alles unternehmen, was Erfolg bringt – das ist das Ergebnis einer Entideologisierung. Zu Lebzeiten Axel Springer war das anders“, sagte Weischenberg. Als Beispiel nannte er den Umgang mit der Affäre um Bundespräsident Christian Wulff. „Früher wäre es undenkbar gewesen, dass ‚Bild‘ derart massiv einen CDU-Politiker angreift.“

dpa

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