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Medien Markus Lanz im Interview zur Antarktis-Eroberung im ZDF
Mehr Welt Medien Markus Lanz im Interview zur Antarktis-Eroberung im ZDF
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09:20 08.03.2011
Markus Lanz im Trainingscamp vor der Reise zum Südpol. Quelle: dpa
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Herr Lanz, das ZDF hat einen deutsch-österreichischen Wettlauf in der Antarktis organisiert. Sie waren dabei. Wie war’s in der Kälte?

Es war das Härteste, was ich je in meinem Leben gemacht habe, eine echte Quälerei.

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Um nicht zu viel über das, was im Fernsehen noch kommt, zu verraten: Hatten Sie vor dem Marsch über 400 Kilometer bei minus 40 Grad Angst?

Dass man bei schwindender Kraft und Kopfweh auf gefühlten 4000 Metern Höhe im eiskalten Wind 40 Kilometer am Tag zurücklegen soll, macht einem schon Angst.

Wann beginnt die?

Sobald man aus dem Flugzeug in dieses unendliche Weiß geworfen wird. Wahrscheinlich, weil man trotz des Teams im Rücken instinktiv spürt, als Mensch in der Gegend nichts verloren zu haben. Nicht umsonst war da nie jemand bis auf ein paar Forscher.

Ist Angst für Sie eher Motor oder Bremse?

Wenn man die Angst vorm Aufgeben verliert, wird sie zum Motor und bewahrt vor Übermut. Reinhold Messner sagt ja, seine Leistung sei nicht gewesen, auf all die Achttausender hochzukommen, sondern wieder runter. Die Versuchung, oben im Zustand der Ruhe zu verharren, ist riesig.

Warum begibt sich ein Familienvater in derlei Grenzsituationen?

Ich muss so einen Wettlauf nicht gewinnen, deshalb braucht sich meine Familie keine Sorgen zu machen. Ich bin halt ein Naturfreak, der im Gebirge groß geworden ist, wo es neun Monate winterlich ist und drei Monate kalt (lacht). Da lernt man, dass Schnee schönes Wetter ist. Gegen Kälte kann man ja unbegrenzt viele Lagen anziehen, gegen Hitze nicht unbegrenzt viele aus. Trotzdem möchte ich mal die Große Arabische Sandwüste durchlaufen.

Ein Pauschaltourist steckt offenbar nicht in Ihnen.

Nein, so sehe ich auch nicht aus. Mein Gesicht ist in der Regel wettergegerbt, aber vom Hals abwärts bin ich schneeweiß.

Verliert man nach Wochen im Schnee - oder Sandsturm eigentlich im Alltag jedes Risikobewusstsein?

Im Gegenteil. Wer von solchen Touren zurückkehrt, spürt erst wie schlecht einem das Überdrehte, Laute, Hektische der Zivilisation tut. Andererseits kommt man fern von ihr erst mal dem Wahnsinn nah, weil das Monster im Kopf des Medien- und Erlebnisjunkies nicht mehr gefüttert wird.

Hat der „Wettlauf zum Südpol“ eine Botschaft zum Thema Klimawandel?

Keinen moralinsauren, aber unterschwellig stellt sich angesichts extremer Wetterlagen in dieser Erhabenheit der Natur schon die Frage, wie lange es sie noch gibt. Wo wir laufen, schneit es zum Beispiel grad wie wahnsinnig, weil die erwärmten Meere mehr Wasser kondensieren. Sonst ist es im Inlandeis niederschlagsfrei. Das wird und muss die Regie thematisieren, denn Bilder von Menschen im ewigen Eis allein sind nicht sehr ergiebig.

Immerhin von recht harten Menschen.

Heute kann man eine Pol-Expedition doch im Reisebüro buchen, das ist keine Heldentat, sondern eine Frage des Kleingelds. Ich bin auch kein Draufgänger, der den Wettlauf gewinnen muss. Aber wer drei Wochen nicht duscht, eklige Sachen isst und in vereisten Zelten schläft, ist sicher ein harter Hund.

… sagt der Kuschelmoderator.

Ah, jetzt kommt das. Ich bin doch derjenige, der Roland Koch die wirklich harten Fragen stellt!

Ist so eine Reise also ein Mittel, falschen Images entgegenzuwirken?

Das wäre sinnlos. Einmal in der Welt, zementieren sich Klischees unabhängig von der Realität. Das bewegt mein Weltbild nicht ernsthaft, sonst müsste ich mir die Kugel geben.

Ärgert es Sie trotzdem?

Sicher. Als mein Grönland-Buch zum Bildband des Jahres gewählt wurde, hieß es reflexhaft, der Lanz kann sich ja auch super promoten. Aber mit PR allein wird kein Buch zum Bestseller, dafür braucht es Qualität. Eigentlich sollte ich da drüberstehen. Aber nein: es nervt!

Vielleicht sind Sie ja im falschen Medium tätig. Sie selbst sagten ja mal, Fernsehen gehe nicht richtig in die Tiefe.

Und hat etwas Oberflächliches. Dafür hab ich mächtig Prügel bezogen. Aber es stimmt doch: Fernsehen ist ein einziges Bilderrauschen. Der Text einer 45-minütigen Reportage wie meiner aus Grönland ist erbärmlich kurz. Wer es genau wissen will, muss dazu die richtigen Zeitungen, Magazine und Bücher lesen.

Kann Fernsehen auch ohne Sekundärliteratur was bewegen?

Eine Menge. Fernsehen verändert Meinungen, dieser Verantwortung muss man sich bewusst sein, ohne das Medium zu überschätzen. Auch der Boulevard setzt keine Trends, er verstärkt sie nur. Aus nichts lässt sich auch nichts machen.

Interview: Jan Freitag

„Der Wettlauf zum Südpol“, ZDF, Dreiteilige Reportage mit Markus Lanz, Joey Kelly und Herrmann Meier, dienstags, 20.15 Uhr

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