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Medien Liveunfall bei „Wetten, dass..?“ erschreckt Millionen
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08:49 06.12.2010
„Wir wollen nicht auf heiter machen, wenn wir nicht wirklich heiter sind“: Thomas Gottschalk am Sonnabendabend in seiner Sendung.
„Wir wollen nicht auf heiter machen, wenn wir nicht wirklich heiter sind“: Thomas Gottschalk am Sonnabendabend in seiner Sendung. Quelle: dpa
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Koch hatte sich vor 8,13 Millionen Livezuschauern bei dem Versuch, auf Sprungfedern fahrende Autos zu überspringen, schwere Verletzungen zugezogen.

Derzeit liegt er im künstlichen Koma auf der Intensivstation der Universitätsklinik Düsseldorf. Akute Lebensgefahr bestehe nicht mehr, sagte am Sonntag der ärztliche Direktor der Klinik, Prof. Wolfgang Raab. Samuel Koch habe aber eine komplexe Verletzung mit mehreren kleinen Brüchen an der Halswirbelsäule erlitten sowie eine Prellung am Rückenmark. Er leide seit Sonntagmorgen an Lähmungserscheinungen, die vorübergehend sein könnten. Koch musste eine zweieinhalbstündige Notoperation überstehen.

Der in Baden-Württemberg geborene und an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover studierende passionierte Sportler hatte gegen 20.40 Uhr versucht, mit sogenannten Federbeinen ein von seinem Vater gesteuertes, auf ihn zufahrendes Auto zu überspringen und war dabei auf den Boden der Düsseldorfer Rheinhalle gestürzt. Sanitäter versorgten ihn notdürftig vor Ort, bevor er in die Klinik gebracht wurde.

Das Publikum reagierte geschockt. Komoderatorin Michelle Hunziker brach in Tränen aus. Zehn Zuschauer mussten ärztlich versorgt werden. Gottschalk unterbrach die Sendung zunächst für 25 Minuten und entschied dann, sie ganz abzubrechen. „Wir im ZDF wollen nicht auf heiter machen, wenn wir nicht wirklich heiter sind“, sagte er gegen 21.10 Uhr in einer Stellungnahme vor den ZDF-Kameras. „Wir werden einen Film einspielen und sie über den aktuellen Stand aufklären. Bis wir wissen, wie es Samuel geht, werden wir nicht weitermachen. Ich bin ratlos, Sie sind ratlos. Es ist sehr traurig.“

Bereits bei den Proben war Koch gestürzt. Gottschalk wies am Sonntag dennoch den Vorwurf zurück, der Sender habe unter Quotendruck eine zu gefährliche Wette zugelassen.

„Wir hatten immer schon riskante Wetten, ob mit Motorrädern oder auf Skisprungschanzen. Das ist ein Teil des Programms“, sagte Gottschalk Das parallel laufende „Supertalent“ bei RTL landete mit 8,34 Millionen Zuschauern erstmals vor Gottschalk.

ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut kündigte noch am Sonnabendabend an, der Sender werde diesen Unfall gründlich untersuchen und Lehren daraus ziehen. ZDF-Sprecher Alexander Stock sagte: „Der Kandidat hatte in enger Absprache mit dem ZDF die Durchführung der Wette intensiv geprobt“. Gottschalk selbst deutete an, dass die Zukunft der Sendung, die er mit Unterbrechungen seit dem Jahr 1987 moderiert, von der weiteren Entwicklung des Gesundheitszustands von Koch abhänge.

Am Montag erklärte Thomas Bellut die Show weiterlaufen zu lassen. Allerdings müsse der Sicherheitsstandard erhöht werden, sagte Bellut am Montag dem Runfunksender NDR 1 Niedersachsen. Das ZDF werde alles tun, damit ein solches Unglück nicht noch einmal vorkomme. Eine hundertprozentige Sicherheit könne es bei solchen Sendungen aber nie geben, betonte Bellut.

Imre Grimm und Jan Sedelies, dpa

Heike Manssen 05.12.2010