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Medien Literatursendung "Druckfrisch" feiert zehnjähriges Bestehen
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11:39 22.02.2013
Von Kristian Teetz
Denis Scheck moderiert die Sendung "Druckfrisch". Quelle: dpa
Hannover

Denis Scheck steckt sein Terrain gern ab. Bevor der Literaturkritiker sich wieder einmal an irgendeinem ungewöhnlichen Ort mit einem mehr oder weniger ungewöhnlichen Schriftsteller zum Interview trifft, zeigt die Kamera in der Regel, wie Flatterband diesen Ort eingrenzt. „Druckfrisch“ steht auf dem rot-weißen Klebeband, und der offensichtliche Gegensatz zwischen eingezäuntem Gelände und den unendlichen Weiten des Geistes zeigt schon, was Schecks Buchmagazin zur besten deutschen Literatursendung seit dem Ende des „Literarischen Quartetts“ macht: Er nimmt sich und die Welt der Literatur nicht ganz ernst. So entsteht beste Unterhaltung. Am Sonntag feiert „Druckfrisch“ seinen zehnten Geburtstag.

Das Verhältnis zwischen Buch und Fernsehen ist kein einfaches. Eigentlich erfordert eine ernsthafte Literaturkritik ein ausgewogenes Urteil, nachvollziehbare Argumente und die Einordnung des Buchs in Werk- oder Literaturgeschichte – kurzum: Der Kritiker braucht Platz (in der Zeitung) oder Zeit (im Radio, im Fernsehen). Im TV hat der Kritiker aber keine Zeit, sondern die Aufgabe, den Zuschauer bei Laune und weg von der Fernbedienung zu halten. Deshalb setzen Literatursendungen oft auf extreme Meinungen: höchstes Lob, vernichtende Kritik, Daumen rauf, Daumen runter. Das „Literarische Quartett“ wurde ja nicht geliebt, weil Sigrid Löffler versuchte, intelligent zu argumentieren, sondern weil Marcel Reich-Ranicki so schön plakativ urteilte („Ein grrrrauenhaftes Buch“).

Literaturkritik im engeren Sinne findet sich auch in „Druckfrisch“ kaum. Sie ist (ebenso wie vor einigen Jahren Elke Heidenreichs erfolgreiche Sendung „Lesen!“) hauptsächlich eine große Buchempfehlung. Wer es auf Schecks Interviewstuhl geschafft hat, wird nicht kritisch mit seinem Buch konfrontiert, sondern freundlich befragt. Doch der erfahrene Moderator weiß, dass das Fernsehen keinen Ort für hochintellektuelles Feuilleton bieten kann: „Wir machen keine Literaturkritik, sondern Literaturkritik im Fernsehen“, sagt Scheck. „Das bedeutet, dass man sich an die Spielregeln des Fernsehens halten muss.“

Die 30-minütige Sendung beginnt jedes Mal mit der Empfehlung des Monats. Stets wird Scheck zu Beginn dem Zuschauer augenzwinkernd als „Ihr Hüter des Guten, Wahren, Schönen“ angekündigt, und stets endet dieser Lektüretipp mit den Worten „Vertrauen Sie mir, ich weiß, was ich tue – (und lesen Sie dieses und jenes Buch“.) Mit diesem Satz zitiert Scheck die US-Serie „Sledge Hammer“ – ein Affront für die Gralshüter der traditionell sehr unterhaltungsfeindlichen Literaturkritik.

Doch für viele Zuschauer ist Scheck in der Januar-Ausgabe von „Druckfrisch“ mit seinem Ansatz von Scherz, Satire, Ironie und tieferer Bedeutung zu weit gegangen: Mit schwarz geschminktem Gesicht protestierte er dagegen, dass aus Kinderbüchern wie „Pippi Langstrumpf“ und „Die kleine Hexe“ das Wort „Neger“ gestrichen werden soll. Da das sogenannte „Blackfacing“ in den USA als rassistisch gilt, musste sich Scheck gegen den Vorwurf der Diskriminierung wehren. Scheck und die „Druckfrisch“-Redaktion argumentierten dagegen, sie hätten „auf die Absurdität dieser Diskussion mit Mitteln der Satire reagieren“ wollen.

Das einzige wirkliche literaturkritische Element der Sendung ist der Check der „Spiegel“-Bestsellerliste, bei dem Scheck abwechselnd die belletristischen Werke und Sachbücher der Plätze zehn bis eins lobt oder tadelt. Dazu stellt sich der Journalist und Übersetzer jedes Mal wieder in die „unermesslichen Lagerhallen des Zwischenbuchhändlers Koch, Neff und Volckmar in der heiligen Stadt Köln“ und schmeißt in der Regel die allermeisten Bücher in die Tonne (und das wortwörtlich). Dabei ist der Kritiker in seinem Element. Der 48-jährige Schwabe ist ein Meister des Formulierens und grenzt sich so von den zumeist eintönigen Kommentaren eines Wolfgang Herles, aber auch seiner Ex-Kollegin Elke Heidenreich („Ein wunderbares Buch“) ab. Scheck hat den Literaturbetrieb mit Sätzen bereichert wie: „Wäre das Buch ein Pferd, man müsste es erschießen“ oder „Dieser Roman ist nicht seicht, dieser Roman ist nicht mal eine Erwähnung im Wasserstandsbericht wert“.

Eine Besonderheit in Schecks Sendung sind die Drehorte. Der Comic-Liebhaber, der bereits als 13-Jähriger eine literarische Agentur gründete und Bücher übersetzte, trifft seine Gesprächspartner an ganz besonderen Plätzen. Mit einem isländischen Schriftsteller saß er einmal in einem blubbernden Geysir – stilbewusst im Anzug. Er interviewt die Gäste seiner Sendung in Tropfsteinhöhlen und auf einer Bergstation, im Boot und im Wald. Für die Auswahl dieser Drehorte ist der Regisseur der Sendung, Andreas Ammer, zuständig, der sich auch um die unkonventionelle Kameraführung, die dynamischen Schnitte und die bemerkenswerte Musikauswahl kümmert. Für ihre gemeinsame Arbeit sind Scheck und Ammer 2011 mit dem „Deutschen Fernsehpreis“ ausgezeichnet worden.

Zum Geburtstag belohnt sich Denis Scheck am Sonntag um 23.35 Uhr mit einer 60-minütigen Sendung. Augenzwinkernd kommentiert er „die Top Ten seit Beginn des Buchdrucks“. Er trifft Gesprächspartner wie Martin Walser, Paul Auster und Siri Hustvedt, Joanne K. Rowling und den Manga-Zeichner Jiro Taniguchi und reist dafür einmal um den ganzen Globus. Und immer mit dabei ist das rot-weiße Flatterband.

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