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Medien Letzter „Tatort“ mit Cenk Batu
Mehr Welt Medien Letzter „Tatort“ mit Cenk Batu
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21:04 04.05.2012
Von Dany Schrader
Foto: Cenk Batu ist wieder einmal in Gefahr. Dieses Mal aber ist sein Gegner schier übermenschlich – und eine Frau.
Cenk Batu ist wieder einmal in Gefahr. Dieses Mal aber ist sein Gegner schier übermenschlich – und eine Frau. Quelle: ARD
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Hannover

Fernsehkommissare sind einsame Menschen, Cenk Batu aber war immer der einsamste von allen. Ein Apartment in einer Plattenbausiedlung, eine Partie Fernschach mit „Baba“ in der türkischen Heimat und hin und wieder ein Bier mit seinem Vorgesetzten Uwe Kohnau (Peter Jordan). Viel mehr gab es nicht in seinem Leben, das aus einem ständigen Wechsel der Identitäten bestand. Cenk Batu ist beinahe ein Namenloser, ein Mensch, der seine Persönlichkeit so zurückgenommen hat, dass es für ihn ein Leichtes ist, sich die Leben anderer überzustreifen wie andere Menschen die Jeans. Am Sonntag wird er in der „Ballade von Cenk und Valerie“ das letzte Mal einen Auftrag annehmen, angespannt, verzweifelt, und dann für immer von der Bildfläche verschwinden.

Als die ARD den verdeckten Ermittler 2007 in die Reihe der „Tatorte“ aufnahm, war sich Programmdirektor Volker Herres noch sicher, dass dieser Sonderling unter den Sonntagskrimis die in die Jahre gekommene Serie beleben werde, doch das Gegenteil war der Fall. Während die Fernsehkritiker Folge um Folge lobten, erreichten die Produktionen selten die erwünschten Quoten. Die Krimis um Cenk Batu blieben ein Fremdkörper in der Fernsehfamilie der Kommissare, in der es eine ungeschriebene Regel ist, dass die erste Leiche spätestens zehn Minuten nach dem Vorspann auf der Bildfläche erscheint.

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) begründete den Abschied von Cenk Batu vor wenigen Monaten damit, dass die Geschichte des V-Mannes auserzählt sei. Es wurde auch vermutet, dass das deutsche Publikum noch nicht reif für einen TV-Kommissar mit Migrationshintergrund ist. Tatsächlich, das räumte Darsteller Mehmet Kurtulus am Freitag in einem Interview auf „Spiegel Online“ ein, habe die Reihe auch unter Problemen hinter den Kulissen gelitten. Jede der bisher sechs Folgen wurde von einem anderen Drehbuchautor geschrieben, Produktionsteams wechselten ebenso wie Regisseure. Für eine Figur wie Batu und ein Format mit diesem hohen Anspruch sei das zu viel gewesen. Kurtulus sagt, er habe sich einen Headautor gewünscht. Dieser hätte die Batu vielleicht noch in eine andere Richtung gelenkt.

Doch nun erlebt der Ermittler noch einmal ein kurzes Glück, bevor er sich endgültig ins Verderben stürzen muss. Sein letzter „Tatort“-Einsatz führt Batu hinter die Kulissen der Finanzwelt. Gerade noch hat er mit seiner Freundin Gloria (Anna Bederke) glückliche Tage am Strand verbracht, da kommt ein Anruf, eine neue Mission, die dieses Mal im Auftrag ranghöchster Politiker erfolgen soll. Regisseur und Drehbuchautor Matthias Glasner führt seine Hauptfigur in die surreale Lebenswelt durchgeknallter Börsenspekulanten, die eine konzertierte Aktion gegen Bundeskanzler Grasshoff (Kai Wiesinger) durchführen wollen: Der Staatsmann soll sterben, damit die Kurse steigen und endlich wieder Milliarden freigesetzt werden, die die Finanzjongleure längst verprasst haben. Doch dann wendet sich das Blatt: Batu gerät ins Visier der weltweit gesuchten Auftragskillerin Valerie (Corinna Harfouch), die todkrank noch diesen letzten Auftrag ausführen will.

Wieder einmal ist dieser Fall in scharfen Bildern und atemlos erzählt. Für die Spannung braucht Glasner keinen Mord in den ersten zehn Minuten. Stattdessen verbreitet die eiskalte Valerie Angst und Schrecken. Es ist bewundernswert, wie Corinna Harfouch die gefühlstote Killerin gibt, die scheinbar auf sich allein gestellt arbeitet, aber doch alle zu kontrollieren scheint. Batu muss sich an einem Punkt dieses Falles entscheiden, auf welcher Seite er steht. Er muss das Böse nutzen, um das Gute zu retten. Und es wird knapp – wie schon so oft.

Im September dann soll die erste Klappe für den neuen Hamburg-Kommissar Til Schweiger fallen. Ob der 48-jährige Deutschkomödiendarsteller die Lücke, die Batu hinterlässt, ausfüllen kann, wird oft bezweifelt. Christian Granderath, Fernsehfilmchef beim zuständigen Norddeutschen Rundfunk (NDR), hat jüngst versprochen, den Wagemut mit nicht zu verlieren. Mal sehen.

„Die Ballade von Cenk
und Valerie“ | ARD
Spektakulärer Hamburg-„Tatort“
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