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Medien Klaus Stuttmann erhält „Rückblende“
Mehr Welt Medien Klaus Stuttmann erhält „Rückblende“
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12:18 27.01.2015
Die preisgekrönte Zeichnung von Klaus Stuttmann zeigt die Männerfreunde Wladimir Putin und Gerhard Schröder.
Die preisgekrönte Zeichnung von Klaus Stuttmann zeigt die Männerfreunde Wladimir Putin und Gerhard Schröder. Quelle: Klaus Stuttmann
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Hannover

Sein Kürzel mit den beiden ineinander geschwungenen Buchstaben K und S ist den Lesern dieser Zeitung vertraut. Klaus Stuttmann gehört zu den wenigen Karikaturisten, die es in Deutschland gibt, und er ist von diesen wenigen einer der erfolgreichsten. Wie der Autodidakt aktuelle Ereignisse analysiert, wie er es versteht, zuzuspitzen und meinungsstarke Pointen zu setzen, zeugt von seinem Selbstverständnis, mehr Journalist als Künstler zu sein. „Es ist meine tägliche journalistische Arbeit, Stellung zu nehmen“, sagte er einmal. Am Montag zeichnete der Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger den 65-Jährigen in Berlin mit dem ersten Preis des Karikaturenwettbewerbs „Rückblende“ aus.

Zeitungen lesen, Nachrichten anschauen, die großen Onlineportale beobachten und schon in der Nacht überlegen, was am nächsten Tag relevant sein könnte. Normalerweise arbeiten Karikaturisten im stillen Kämmerlein, seit dem Attentat auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ jedoch im Flutlicht. Ob er Angst vor Angriffen habe, ob er bei Themen, in denen es um den Islam geht, mit einer Schere im Kopf arbeite, wurde er zuletzt mehrfach gefragt. Stuttmann räumte ein, jetzt noch genauer zu prüfen, ob eine Karikatur zu einer Eskalation führen oder missbraucht werden könnte. Gleichzeitig beschleiche ihn dieses „Jetzt-erst-recht-Gefühl“, denn: „Wir Karikaturisten müssen natürlich nach wie vor gegen Verbrechen zeichnen, die angeblich im Namen Allahs begangen werden.“ Aber letztlich „sitzt man dann doch allein in seinen vier Wänden“.

Stuttmann wurde selbst einmal bedroht. 2006 war das. Anlass war eine Karikatur, in der er iranische Fußballspieler mit umgeschnallten Bombengürteln gezeichnet hatte. Es ging damals um einen möglichen Einsatz der Bundeswehr bei der Fußball-WM in Deutschland. In Teheran wurde seine innenpolitisch gemeinte Karikatur jedoch als Affront missverstanden. Stuttmann erhielt Morddrohungen. Er musste abtauchen. Im selben Jahr zeichnete er eine Karikatur, in der er Kurt Westergaards Zeichnung des Propheten Mohammed mit einer Bombe als Turban als Bild im Bild wiedergab. Die Karikatur des dänischen Zeichners hatte weltweit zu Protesten geführt. Plötzlich erschien Stuttmann das eigene Werk als zu heikel. Er entfernte die Zeichnung von seiner Homepage: „Das war es mir nicht wert.“

Ursprünglich wollte der gebürtige Schwabe Künstler werden, studierte Geschichte und Kunstgeschichte und ging 1970 nach Berlin. Dort engagierte er sich in der Hochschulpolitik, gestaltete Flugblätter und begann, die langen Texte mit Zeichnungen aufzulockern. Daraus wurde sein Beruf. Für Klaus Stuttmann ist die Karikatur eine Möglichkeit, sich gegen autoritäre Strukturen aufzulehnen. Mächtige auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen, ihnen die Aura des Übermenschlichen zu nehmen ist in seinen Augen „der Anfang von Widerstand“.

Von Ulrike Simon

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