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Medien „Eine gewisse Tragik“
Mehr Welt Medien „Eine gewisse Tragik“
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12:41 05.11.2013
Kai Wiesinger und Anja Kling als Christian und Bettina Wulff. Quelle: dpa
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Berlin

Sie sehen gut aus, die beiden, Kai Wiesinger und Anja Kling, irgendwie wichtig, berühmt, glamourös. Aber sie können auch anders: niedergeschlagen, erschöpft, gereizt, verzweifelt. Wiesinger und Kling sind Christian und Bettina Wulff. „Der Rücktritt“ heißt der Film, wie sonst. Es geht um die letzten 68 Tage der Wulffs als Präsident und First Lady. Die Dreharbeiten sind beendet, im Frühjahr 2014 soll das Doku-Drama bei Sat.1 laufen.

„Das Risiko ist enorm bei diesem Film“, sagte Produzent Nico Hofmann am Montagabend in Berlin. Damit seien nicht nur mögliche juristische Probleme  gemeint, sondern vor allem die Nähe zur Aktualität. Am 14. November beginnt in Hannover der Prozess gegen Wulff wegen Vorteilsnahme in seiner Zeit als niedersächsischer Regierungschef.

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Der Film, eine Produktion von Ufa Fiction, basiert zum Teil auf dem Buch „Affäre Wulff“ der „Bild“-Journalisten Martin Heidemanns und Nikolaus Harbusch. Die Rechte an Bettina Wulffs Erinnerungen hätte Regisseur Thomas Schadt gerne mit verwertet, sie waren aber nicht erhältlich. Ob sie Mitleid mit Bettina Wulff habe, wird Darstellerin Anja Kling gefragt. „Es hat eine gewisse Tragik“, sagte sie. Und Wiesinger, der den Wulff spielt: „Ich war echt geschockt, wie respektlos man mit ihm umgegangen ist.“

Am Montagabend gab es in Berlin die ersten knappen Bilder zu sehen. Der rund zweieinhalb Minuten lange Trailer zeigt eine Schlüsselszene: die letzte Reise Wulffs als Präsident nach Italien. Die begleitenden Journalisten interessierten sich aber nicht für das Reiseziel, sondern nur für die Affäre. Schon wird der umstrittene Ehrensold angesprochen, den Wulff nach seinem Rücktritt erhalten wird. „Treten sie nur aus Angst vor Mittellosigkeit nicht zurück?“ wird er gefragt. So ungefähr war es.

Der Film beschränkt sich auf die letzten zweieinhalb Monate im Amt - von den ersten Berichten über den günstigen Hauskredit während einer Reise in die Golfstaaten bis zum Rücktritt am 17. Februar letzten Jahres. 75 Prozent seien fiktional, betont Hofmann. Ein „Sittengemälde dieser Republik“ sei der Film, sagte er und nimmt damit eine Formulierung von Moderator Ulrich Wickert auf, der vor einem Jahr das Buch der „Bild“-Journalisten präsentierte. „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann ist in dem Trailer auch kurz zu sehen - beim Empfang der berühmten Mailbox-Nachricht, mit der Wulff einen Bericht über den Hauskredit verhindern - oder aufschieben - wollte.

Regisseur Schadt, der auch das Doku-Drama „Der Mann aus der Pfalz“ über Altkanzler Helmut Kohl ins Fernsehen brachte, nannte den Wulff-Film ein „Eingeschlossenen-Drama“. Er wolle erzählen, was damals in den entscheidenden Tagen im Schloss Bellevue passiert ist, welche Rolle Wulffs Mitarbeiter und Berater spielten. „Für jede Szene gibt es jemanden, der bezeugen kann, dass es etwa so abgelaufen ist“, sagte er.

Produzent Hofmann („Unsere Mütter, unsere Väter“) zeigte sich demonstrativ gelassen angesichts juristischer Einwände. Es gebe zwar zahlreiche Schreiben von Anwälten Betroffener, die ihre Persönlichkeitsrechte geltend machen wollten, aber bisher habe niemand geklagt. „Ich würde mich sehr wundern, wenn der Film noch zu verhindern wäre.“

dpa

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