Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Medien Jürgen Leinemann ist tot
Mehr Welt Medien Jürgen Leinemann ist tot
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:37 11.11.2013
Jürgen Leinemann wurde 76 Jahre alt. Quelle: dpa
Anzeige
Hamburg

Der "Spiegel"-Journalist Jürgen Leinemann ist tot. Der Autor starb nach einer Krebserkrankung in der Nacht zum Sonntag. Er wurde 76 Jahre alt. Das berichtete das Internetportal "Spiegel Online" am Montag. Leinemann, der als profunder Kenner bundesdeutscher Politik galt, war 1971 zum Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" gewechselt, nachdem er in den 1960er Jahren seine journalistische Karriere bei der Nachrichtenagentur dpa begonnen hatte. Seine Krebserkrankung hatte Leinemann 2009 in seinem Buch "Das Leben ist der Ernstfall" (Hoffmann und Campe) thematisiert und ebenso darin seine journalistische Arbeit und die Begegnungen mit prominenten Politikern beschrieben.

Als Psychogramme der Politik-Elite wurden die Porträts Leinemanns vielfach bezeichnet. Er beobachtete die früheren Bundeskanzler Helmut Kohl und Gerhard Schröder und ebenso Politik-Größen wie Franz Josef Strauß, Edmund Stoiber, Hans-Dietrich Genscher oder Oskar Lafontaine. Nach dem Fall der Mauer zog es den Bonner Politik-Rechercheur nach Berlin, wo er für den "Spiegel" bis 2001 in Leitungsfunktion seinen Blick weiterhin auf die Politik fokussierte. Anschließend blieb er als "Spiegel"-Autor tätig und verfasste 2004 mit "Höhenrausch: die wirklichkeitsleere Welt der Politiker" ein Werk, in dem er Realitätsverlust und Suchtverhalten von Politikern und Journalisten untersuchte.

Anzeige

Seine Berufskollegen mahnte er auch deswegen einst zu mehr Selbstreflektion. Die journalistische Freiheit in Deutschland werde viel weniger von obrigkeitsstaatlicher Repression als durch die "Knechtschaft einer Selbstverliebtheit" eingeschränkt, sagte Leinemann. "Redlicher Journalismus ist auch eine Charakterfrage."

Wie sehr er den deutschen Journalismus mitgeprägt hat, wurde 2009 deutlich, als den Erkrankten führende deutsche Publizisten bei einer Matinee ehrten. "Es gibt solche Journalisten, die schreiben, und solche, die prägen die Republik", sagte der frühere Spiegel"-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron damals. Leinemann war Büroleiter des Magazins in Washington und Bonn gewesen. Im gleichen Jahr hatte er auch den Henri-Nannen-Preis für sein publizistisches Lebenswerk erhalten. Als wacher Beobachter der politischen Führungsetagen seien ihm intime Einblicke ins Innenleben der Politik gelungen, urteilte die Jury. Andere Auszeichnungen waren ihm zuvor zugesprochen worden, darunter 2007 "Journalist des Jahres" des Fachblatts "Medium Magazin" (Kategorie Lebenswerk).

dpa

Medien ARD-Reihe „Deutsche Dynastien“ - Hausbesuch bei den Thurn und Taxis
11.11.2013
Medien Trolle in Internetforen - Bitte nicht füttern!
11.11.2013
Medien 17. Schimanski-Krimi - Sein ganz privater Krimi
Tatjana Riegler 13.11.2013