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Medien Jan Joseph Liefers spielt Hallodri mit Herz
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13:47 22.12.2012
Von Rainer Wagner
Kommt ein Lügner geflogen: Baron Friedrich von Münchhausen (Jan Josef Liefers) vereitelt durch den Ritt auf der Kanonenkugel die Einnahme von St. Petersburg durch Truppen des Sultans. Quelle: ARD/SWR/Stephanie Kulbach/Montage
Berlin

Es dauert gerade mal sieben Minuten, bis Baron Münchhausen auf der Kanonenkugel reitet. Weil er danach fast drei Stunden Abenteuer vor sich hat, kann er diese Reisemethode noch verfeinern. So eine Kugel trägt auch zwei. Und der zweite Passagier ist der eigentliche Star des Weihnachts-Zweiteilers, mit dem die ARD auf den Spuren des Lügenbarons wandelt. Drehbuchautor Marc O. Seng hat nicht nur in den Lügengeschichten des Freiherrn Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen geblättert (und sich im Filmarchiv umgesehen), sondern darum herum gleich eine ganz neue Geschichte geschrieben. So kommt hier der fröhliche Fabulierer Münchhausen ohne Mutter zum Kind.

Die kleine Frieda behauptet jedenfalls, der Baron sei ihr Vater. Und weil sie ihm aus der Bredouille hilft, fühlt er sich bemüßigt, die Kleine zu ihrer Mutter nach Sankt Petersburg zu bringen. Dort wartet Zarin Katharina schon auf ihren Liebhaber aus Bodenwerder.

Es trifft sich gut, dass Frieda ein Zirkuskind ist, das sich auf Zaubertricks versteht, die später hilfreich sein werden. Und es passt noch besser, dass die Zwillinge Helen und Isabella Ottmann, die sich diese Rolle teilen, diese Frieda geschickt mal süß und mal kess sein lassen: ein nettes Gör.

Liefers spielt Münchhausen mit Augenzwinkern

So kriegt das Mädchen auch Jan Josef Liefers herum, der den Münchhausen mit jenem Augenzwinkern spielt, das er sich für seinen „Tatort“-Boerne hat patentieren lassen. Was immerhin nicht ganz so stocksteif jovial wirkt wie einst Hans Albers in dem (durchaus freizügigen!) „Münchhausen“-Film von 1943. Wer kürzlich gelesen hat, dass Ben Becker neuerdings den Münchhausen spielt, hat sich nur im Film geirrt. Becker markiert den Baron in einer ebenso informativen wie unterhaltsamen Dokumentation über den wahren Münchhausen, die am 19. Januar um 20.15 Uhr bei arte zu sehen ist.

Liefers gibt den Münchhausen als Hallodri mit Herz. Und das schenkt er am Ende der selbstbewussten Landadeligen Constanze von Hellberg, die nicht nur eine scharfe Zunge führt, sondern auch mit der Flinte geschickt umgehen kann. Jessica Schwarz schaut so großäugig, wie nur sie das kann. Dagegen hat Katja Riemann als Katharina die Große trotz hochgeschnalltem Dekolleté keine Chance. Die Zarin ist mächtig eifersüchtig auf die kleine Frieda. Natürlich scheitert ein Domestizierungsversuch, denn im Weihnachts-Mehrteiler kommen Halbwüchsige immer groß raus.

Liebe zum Detail

Regisseur Andreas Linke hat das mit Liebe zum Detail verfilmt; es wird gerne geritten und langsam (bis langatmig) erzählt. Das ist erholsam für alle, die hektische Schnitte nicht mögen, dürfte aber die computerspielgeübte High-Speed-Generation unterfordern. Grausamkeiten werden vermieden, zwei geplante Köpfungen scheitern in letzter Minute und Krieg sieht hier aus wie eine Bud-Spencer-Prügelei. Apropos Krieg: Bevor die Kinder etwas Falsches lernen: Es hat zwar türkisch-russische Kriege gegeben, aber die Osmanen haben nie Sankt Petersburg belagert!
Natürlich fehlen die wichtigsten Münchhausen-Abenteuer nicht: Das Pferd, das am Kirchturm baumelt, die eingefrorenen Horn-Töne, die beim Auftauen zum ungeeigneten Zeitpunkt ertönen, oder der Überrock, der an Tollwut erkrankt. Wir erfahren, warum es „Raum-Schiff“ heißt und erleben als Mann auf dem Mond Thilo Prückner, der als Eremit mal wieder den Zausel vom Dienst geben darf.

Jedes Kind außer Frieda weiß, dass man nachts besser nicht alleine auf einen Friedhof geht, sie aber tut es dennoch und wird dort prompt entführt und an den Sultan verkauft, den Erzfeind Münchhausens. Der ist eher dämlich als bedrohlich, was Schauspieler Tayfun Bademsoy sichtlich unterfordert.

Am eigenen Schopf aus dem Schlamassel

Auf dem Weg zum Sultan lässt sich die Geschichte einbauen, wie Münchhausen sich am eigenen Zopf und Schopf aus dem Schlamassel zieht. Aus dem Sumpf ist hier wüstenbedingt allerdings Treibsand geworden. In den Palast hinein kommen die Helden mit der Nummer „Charlys Tante“. Aber heraus schaffen sie es so dann doch nicht. Nur gut, dass des Sultans Sohn ein Faible für die Physik hat.    

Am Ende zeigt sich, dass heiße Luft sehr hilfreich sein kann, und das passt doch wunderbar zu einem Lügenbaron.

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