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Medien „Den Hörer sollte man komplett ignorieren“
Mehr Welt Medien „Den Hörer sollte man komplett ignorieren“
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20:54 23.05.2014
Von Michael Pohl
„Wir wollten die Sendung eigentlich ,Abgehoben & Arrogant’ nennen“: Jan Böhmermann und Olli Schulz haben Spaß. Ist ja auch wichtig, dass es zumindest ihnen gefällt.
„Wir wollten die Sendung eigentlich ,Abgehoben & Arrogant’ nennen“: Jan Böhmermann und Olli Schulz haben Spaß. Ist ja auch wichtig, dass es zumindest ihnen gefällt. Quelle: RBB
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Sie haben mal gesagt, dass Sie den Hass der Hörer nach Ihrer ersten Sendung „Sanft & Sorgfältig“ auf Radio Eins nie vergessen werden. Was war da genau los?

Olli Schulz: Man muss dazu sagen, dass der Hass eigentlich nie ganz weggegangen ist - wir haben uns nur daran gewöhnt. Man kann einfach nicht von jedem Menschen verlangen, dass er das super findet und uns dafür abfeiert.

Jan Böhmermann: Also, die Marktforschung hat ergeben, dass uns 80 Prozent der Leute extrem schlecht finden und 20 Prozent extrem gut. Aber die sind halt mächtiger als die 80 Prozent.

Trotzdem läuft „Sanft & Sorgfältig“ ab Sonntag bundesweit. Ist das die Bestätigung dafür, dass man den Hörer nicht ganz so ernst nehmen sollte?

Böhmermann: Letztlich ist es die Bestätigung dafür, dass man den Hörer am besten komplett ignorieren sollte.

Schulz: Man muss auch sagen, dass es immer die gleichen Leute sind, die sich beschweren. Die Leute, die das gut finden, machen sich selten die Mühe, das zu schreiben. Wem aber gerade der Job gekündigt wurde und die Frau abgehauen ist, der lässt seinen Frust raus und sitzt mit dieser Haltung eben auch vor dem Rechner.

Böhmermann: Mit dieser Haltung kriegt man selbst das „Quizduell“ schöngeredet.

Die Sendung ist sehr an Berlin angelehnt. Das geht jetzt natürlich nicht mehr, oder?

Böhmermann: Das ist jetzt natürlich viel mehr Verantwortung. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht verfassungsfeindlich hetzen, was in Berlin und Brandenburg kein Problem war, aber bundesweit müssen wir uns da ein bisschen zurücknehmen. Das ist klar.

Schulz: Und wir müssen jetzt natürlich die Haschqualität der gesamten Bundesrepublik irgendwie ansagen und nicht nur die aus der Hasenheide.

Wenn Sie „Sanft & Sorgfältig“ beschreiben müssten: Ist das eine Gesprächsrunde zu zweit? Therapiesitzung unter Freunden? Satire-Talk? Oder ist einfach der Name Programm?`

Böhmermann: Wir wollten die Sendung eigentlich „Abgehoben & Arrogant“ nennen, aber das kam nicht so gut an. „Sanft & Sorgfältig“ ist dann aus der Not heraus entstanden. Denn erst hieß die Sendung „Joko & Klaas mit Olli & Jan“. Aber da gab es dann rechtliche Schwierigkeiten.

Schulz: Eigentlich hat die Sendung von allem ein bisschen. Manchmal ist sie Therapiesitzung, manchmal Gespräch unter Freunden. Das ist auch immer tagesformabhängig. Das ist auch der Grund, warum Jan und ich die Sendung noch so gerne machen. Das ist unsere Spielwiese, die von unserer Laune abhängig ist und von den Dingen, die um uns herum passieren. Manchmal ist eben nichts gewesen, und wir quatschen zwei Stunden über Einkäufe. Und dann gibt es plötzlich große Themen, die wir besprechen müssen. Jan redet zum Beispiel wahnsinnig gerne über Krieg.

Aus persönlicher Betroffenheit?

Böhmermann: Das ist einfach ein deutsches Leitthema. Wobei man auch Leidthema sagen könnte, also mit „d“. Ich versuche eben den Spagat, trotz Olli auch ein paar anspruchsvolle Themen in die Sendung zu bekommen. Olli würde sich ja am liebsten die ganze Zeit nur über geile Rockbands unterhalten. Aber das geht nicht, wir sind immerhin noch ARD.

Zur Person

Jan Böhmermann und Olli Schulz moderieren seit Herbst 2012 immer sonntags von 16 bis 18 Uhr auf Radio Eins vom RBB die Sendung „Sanft & Sorgfältig“. In Berlin und Brandenburg ist die Reihe mittlerweile eine feste Größe. Ab Sonntag gehen Böhmermann und Schulz mit ihrer Reihe auch deutschlandweit auf Sendung. Bremen Vier sendet die zweistündige Show ab 16 Uhr, zwei Stunden später ist „Sanft und Sorgfältig“ bei N-JOY (NDR), Puls (BR) und You FM (hr) zu hören. DasDing (SWR) steigt um 19 Uhr ein. Einzig die WDR-Jugendwelle 1Live ist außen vor, obwohl Böhmermann früher selbst bei 1Live im Studio saß. Der 33-Jährige wurde zuletzt vor allem durch sein „Neo Magazin“ bei ZDFneo bekannt, für das er den Grimme-Preis in der Sparte Unterhaltung erhielt. Derzeit pausiert die Show. Olli Schulz ist von Haus aus Musiker. Daneben tritt er immer mal wieder als Sidekick bei Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf in deren Pro7-Sendung „Circus Halli Galli“ auf. Ebenfalls bei Pro7 lief die erste Staffel der Sendung „Schulz in the Box“, in der Schulz unvorbereitet verschiedene Orte und Menschen besucht.

Olli Schulz ist mit seiner Sendung „Schulz in the Box“ ja auch bei Pro7 gelandet. Jan Böhmermann ist dagegen auf ZDFneo im Öffentlich-Rechtlichen auf Sendung …

Schulz: Und ich hoffe, dass das noch lange Zeit so bleibt. Das gibt Jan nämlich die Möglichkeit, immer noch den Underdog zu spielen, obwohl er mittlerweile Grimme-Preis-Träger ist und viel mehr Eisen im Feuer hat als ich. Es wirkt immer nur so, als wäre ich bei diesem Großsender und Jan sei noch der Underdog.

Herr Böhmermann, von Ihnen soll es eine Comedy-Show im WDR geben.

Böhmermann: Da kann ich nichts zu sagen!

Schulz: Aber ich habe einiges dazu zu sagen. Also, Jan hat die Sendung für Elmar Hörig geschrieben, der zusammen mit Bodo Bach die Hauptrolle übernehmen wird. Alles geschrieben von Jan Böhmermann. Die Nebenrollen sind mit den ganzen Typen von „Samstagnacht“ besetzt. Das wird ein ganz neues Ding, mit dem man versucht, den Retrotrend in der Comedy zu erfinden.

Böhmermann: Olli erzählt kompletten Blödsinn! Ich kann dazu gar nichts sagen.

Wird es neue Folgen von „Schulz in the Box“ geben?

Böhmermann: Dazu kann ich was sagen: Olli möchte das in Zukunft nicht mehr machen, weil ihm das einfach zu viel Geld gewesen ist, das ihm Pro7 überwiesen hat. Olli ist ein bescheidener Künstler, der als Rowdy angefangen hat.

Schulz: Ich habe schon überlegt, dir etwas vom vielen Geld abzugeben, du kannst es brauchen. Tatsächlich sind wir im Moment dabei, die zweite Staffel zu drehen. Ab August werden erst einmal die letzten Folgen der ersten Staffel zu sehen sein. Ansonsten konzentriere ich mich voll auf die Radiosendung. Und ganz nebenbei habe ich noch einen Nebenjob als Musiker und nehme gerade meine sechste Platte auf. Deshalb ist es ganz schön, auch mal nicht so viel zu tun zu haben.

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