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Medien Jada Pinkett Smith als Krankenschwester auf PRO7
Mehr Welt Medien Jada Pinkett Smith als Krankenschwester auf PRO7
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22:56 12.01.2010
Von Hannah Suppa
Eine neue Krankenhausserie, ein neuer Blickwinkel: In „Hawthorne“ schaut die leitende Stationsschwester Christina Hawthorne (Jada Pinkett Smith) den Ärzten auf die Finger. Quelle: PRO7
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Die Rechnung ist gänzlich einfach: Sei nett zu deinen Mitarbeitern, schaffe ein angenehmes Arbeitsumfeld und stärke das Gruppengefühl. Das Personal wird es mit gesteigerter Produktivität danken. Diese – vereinfachte – Gleichung stammt aus den zwanziger Jahren und wird in der Wissenschaft auch Hawthorne-Effekt genannt. Damals war bei Beobachtungsstudien herausgekommen, dass motivierter Arbeitseinsatz bei den Versuchspersonen dadurch zustande kam, dass sie sich bewusst waren, an einer Studie teilzunehmen. Diese Aufmerksamkeit für die eigene Person spornte sie an.

So ähnlich macht das auch die Protagonistin der neusten US-Krankenhausserie „Hawthorne“ – die (sei es zufällig oder auch nicht) den gleichen Namen trägt wie das Wissenschaftsexperiment. Auch die leitende Stationsschwester aus dem Richmond Trinity Hospital, Christina Hawthorne (gespielt von Will-Smith-Ehefrau Jada Pinkett Smith), widmet ihren Patienten und Kollegen viel Aufmerksamkeit – und hält den Laden so am Laufen. Sie ist alleinerziehende Witwe, und die Pilotfolge „Ich will leben!“ beginnt auch gleich mit dem ersten Jahrestag des Todes ihres Mannes. Doch davon und vom Ärger mit ihrer pubertierenden Tochter Camille (Hannah Hodsen) lenkt sich die Oberschwester ab. Genug zu tun gibt es in dem Krankenhaus allemal: Es gilt mitten in der Nacht einen Selbstmörder, der auch noch ein Freund von ihr ist, vom Dach zu holen, das Neugeborene einer Obdachlosen zu versorgen und vor allem zwischen Pflegepersonal und Ärzten zu vermitteln.

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Die neue Krankenhausserie dreht den Spieß nämlich einmal um: Nicht die Ärzte stehen als gut aussehende Alleswisser im Vordergrund, sondern die Krankenschwestern und Pfleger. Also diejenigen, die in vielen Krankenhäusern tatsächlich häufig lebensrettende Aufgaben übernehmen. Sie kennen die Patienten am besten und sie sind oft als Erste zur Stelle, wenn ein Notfall eintritt. Das hatten die gängigen Klinikserien bisher vernachlässigt – zumindest in den USA. In Deutschland gab es immerhin „Für alle Fälle Stefanie“ und Oberschwester Hildegard Zeisig aus der „Schwarzwaldklinik“.

In den modernen US-Serienkliniken von „Grey’s Anatomy“ beispielsweise ist das Pflegepersonal jedoch eher Beiwerk und Handlanger der großen studierten Mediziner – eine wirkliche Story bekommen sie selten. Bei „Hawthorne“ ist das anders. Hier wird im Schwesternzimmer ordentlich über die Ärzte gelästert, und Krankenpfleger Ray Stein (David Julian Hirsh) erkennt gar einen Behandlungsfehler einer Ärztin – traut sich aber nicht, diesen zu korrigieren. Die Hierarchien bleiben eben bestehen, auch wenn plötzlich eine Oberschwester der Serienstar ist und nicht der Oberarzt. Für den Zuschauer ist das eine erfrischend neue Perspektive – so können sich auch einmal andere Geschichten abseits der üblichen Unfälle und medizinischen Kuriositäten und abseits der abgedroschenen Arzt-liebt-Ärztin und Arzt-liebt-Patientin-Handlungsstränge entwickeln.

Nur leider versendet sich dieser Neuigkeitswert dann aber nach ein paar Folgen. Da hilft auch Jada Pinkett Smith, die auch Produzentin der Serie ist, als kecke, sympathische Christina Hawthorne nicht mehr viel. Irgendwann wird es dröge – und man wünscht sich den chaotischen Jungärztehaufen aus „Grey’s Anatomy“ zur Stelle. In den USA finden die Zuschauer die Erlebnisse der Schwester für alle Fälle dennoch spannend, dort hat der Kabelsender TNT just die zweite Staffel der Serie bestellt, die noch in diesem Jahr gesendet werden soll.