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Medien Italienische Zeitung druckt nur gute Nachrichten
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15:51 27.05.2011
L'Ottimista» zeigt auf der Titelseite ein Bild des 1992 ermordeten Anti-Mafia-Richters Giovanni Falcone unter der Überschrift "Die Mafia kann man besiegen". Quelle: dpa
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Ein Flüchtling vor Lampedusa, der ein Kind vor dem Ertrinken rettet. Wissenschaftler, die bei Verliebten eine geringere Schmerzempfindlichkeit feststellen. Ein Mann, der eine Frau unter den Erdbeben-Trümmern in Japan birgt. Es sind ausschließlich Geschichten mit guten Nachrichten, die die italienische Zeitung "L'Ottimista" erzählt, seit mittlerweile über einem Jahr. Gute Nachrichten inmitten einer Medienlandschaft, die täglich von den Eskapaden des Regierungschefs Silvio Berlusconi, den Machenschaften der Mafia und der schlechten Wirtschaftslage in Italien berichtet. "Unsere Nachrichten sind nicht laut, sie schreien nicht nach Aufmerksamkeit", sagt Luca Marcolivio.

Er ist verantwortlicher Redakteur beim "L'Ottimista", auf deutsch "Der Optimist", und hat die Zeitung im Februar 2010 mitgegründet. "Auch wenn unsere Nachrichten nicht von Sex und Gewalt handeln, haben sie ihre Berechtigung." Der Journalismus, wie er in Italien gemacht werde, zeige immer nur eine Seite der Medaille, meint der 34-Jährige. "Deshalb wollen wir die andere Seite zeigen." Aber ist es nicht genauso einseitig, ausschließlich gute Nachrichten zu bringen? "Nein. Denn über die schlechten Dinge, die auf der Welt passieren, wissen die Menschen sowieso Bescheid." So verzichten die Redakteure des "L'Ottimista" weitgehend auf politische Berichterstattung, schreiben beispielsweise nicht über Mafia-Verbrechen, sondern erwähnen lediglich Initiativen und Gedenktage. Zusätzlich haben sie Ressorts wie "Leben und Familie" und "Das Heilige" eingeführt. "Wir sind, wie alle Italiener, katholisch geprägt, aber verstehen uns dennoch als von der Kirche unabhängig", erklärt Marcolivio.

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Der "L'Ottimista" erscheint online und einmal die Woche als Printausgabe und wird von sechs Journalisten geleitet. Mittlerweile hat er eine Auflage von 8000 bis 10 000 Exemplaren erreicht. Der Sitz der Redaktion: Mitten in Rom, in einem gediegenen Haus mit Hausmeister und rotem Teppich im Hausflur. In dem Redaktionsraum im zweiten Stock stehen allerdings alte Computer auf kleinen Holztischen. Mittlerweile fließt zwar durch Anzeigenkunden etwas Geld in die Redaktionskasse, aber noch immer ist die Zeitung von Spenden abhängig.

Die Idee, eine Zeitung mit ausschließlich guten Nachrichten zu produzieren, ist nicht neu. Vor allem in den USA gab es in der Vergangenheit des öfteren ähnliche Publikationen, wie die "Newark Weekly News" oder die Internetzeitung "happynews.com" - meistens mit reger Bürgerbeteiligung und religiöser Prägung. Luca Marcolivio hat trotz seiner noch recht jungen 34 Jahre viel Journalismus-Erfahrung, zehn Jahre lang hat er für ein römisches Lokalblatt über Gewaltverbrechen, Verkehrsunfälle und politische Missstände geschrieben.

Den Idealismus, als Journalist in Italien zu informieren, aufzuklären und etwas verändern zu können, habe er dabei verloren. Aber im Leben sei er Optimist geblieben. "Es gibt das Böse, aber man kann es besiegen", sagt er. Überhaupt sei der Optimismus eine sehr italienische Art, die Welt zu betrachten, findet Marcolivio. "Die Improvisationsgabe, die Art, das Beste aus allem zu machen, liegt in unserer DNA", sagt er. Auch deshalb finde der "L'Ottimista" große Resonanz bei der Leserschaft. Es habe, so Marcolivio, viele Leserbriefe gegeben mit dem Hinweis, auf diese Art von Zeitung habe man lange gewartet. Unklar bleibt dennoch, inwiefern Publikationen wie der "L'Ottimista" ihre journalistische Verantwortung zu informieren aufgeben, ob nun durch "gute" oder "schlechte" Nachrichten. Luca Marcolivio ist sich trotzdem sicher: Er will in seinem Beruf Optimist bleiben. Auch auf die Gefahr hin, bestimmte Missstände in seinem Land unerwähnt zu lassen.

dpa