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Medien “Inside Borussia Dortmund”: Diese Amazon-Doku durfte selbst in der allerheiligsten Umkleide filmen
Mehr Welt Medien “Inside Borussia Dortmund”: Diese Amazon-Doku durfte selbst in der allerheiligsten Umkleide filmen
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17:36 15.08.2019
Der Blick hinter die Kulissen: Die Dortmunder Fußballspieler Maximilian Philipp (links), Jadon Sancho (Zweiter von links) und Lukasz Piszczek (rechts). Quelle: Amazon Prime/dpa
Dortmund

Wie im Rausch eilt das Team von Sieg zu Sieg, ein Tor ist schöner als das andere, die Musik entfacht entsprechende Euphorie: Erfolg in Bilder zu fassen ist nicht schwer. Interessant wird die Sache, wenn die Mannschaft Rückschläge verkraften muss, wenn erste Zweifel am Selbstvertrauen nagen, wenn sie innerhalb kurzer Zeit aus zwei Wettbewerben ausscheidet und am Ende sogar die angesichts von zwischenzeitlich neun Punkten Vorsprung sicher geglaubte Meisterschaft verspielt.

Aus Sicht der BVB-Anhänger und vieler neutraler Fußballfans wäre es selbstredend schöner gewesen, wenn der Revierklub die letzte Bundesliga-Saison mit dem Titelgewinn beendet hätte, und vermutlich hätte auch Filmemacher Aljoscha Pause zum Abschluss seiner vierteiligen Dokuserie „Inside Borussia Dortmund“ liebend gern Marco Reus und Co. mit der Meisterschale im schwarz-gelben Konfettiregen gezeigt; aber die größten Bühnenstücke waren stets Tragödien.

Der BVB hat Aljoscha Pause alle Türen für "Inside Borussia Dortmund geöffnet"

Pause hat mit „Tom Meets Zizou“ (2011) am Beispiel der Laufbahn von Thomas Broich einen sehenswerten Kinofilm über die Kehrseite des Profifußballs gemacht. Anschließend hat er für den Streamingdienst DAZN die vierteilige Dokuserie „Being Mario Götze – Eine deutsche Fußballgeschichte“ gedreht – man kannte ihn also schon beim BVB. Trotzdem ist es alles andere als selbstverständlich, wie sehr ihm die Vereinsführung die Türen geöffnet hat, damit er hinter die Kulissen des Betriebs schauen kann. „Inside Borussia Dortmund“ ist für Amazon Prime entstanden.

Die erste Folge ist ab Freitag, 16. August, abrufbar, die weiteren gibt es an den kommenden Freitagen. Die Serie dokumentiert die letzte Saison mit allen Höhen und Tiefen, aber sehenswert ist sie vor allem wegen der Sequenzen über den Vereinsalltag. Menschen aus Gelsenkirchen werden Pauses Arbeit zwar trotzdem boykottieren, aber selbst für die Fans des FC Bayern bieten die jeweils gut sechzig Minuten langen Episoden faszinierende Einblicke ins Profigeschäft.

Bei "Inside Borussia Dortmund" kommen nicht nur die Profis vor - der Zeugwart hat noch unter Tage gearbeitet

Borussia Dortmund ist natürlich besonders interessant, weil der Verein eine große Tradition hat. Hier ist selbst der Tape-Verband schwarz-gelb, vom Klubslogan „Echte Liebe“ ganz zu schweigen. Die Vergangenheit, als der BVB 1956 und 1957 deutscher Meister wurde und 1966 als erste deutsche Mannschaft einen europäischen Pokalwettbewerb gewann, lässt Pause in Form zeitgenössischer Aufnahmen und Interviews mit einstigen Klubgrößen einfließen. Der Strukturwandel des Ruhrgebiets ist ebenfalls Thema.

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Die Verwurzelung des Klubs im Bergbau ist zwar Geschichte, aber der Zeugwart zum Beispiel hat einst noch unter Tage gearbeitet. Dass der Zeugwart überhaupt zur Geltung kommt, ist ebenfalls Beleg dafür, wie wenig „Inside Borussia Dortmund“ trotz eindrucksvoller Bilder (Sebastian Uthoff) und großer Kinomusik (Schwarz) mit jenen Glamourreportagen gemein hat, wie sie im Umfeld des Profifußballs gern entstehen.

Szenen aus dem Mannschaftsbus. Quelle: Amazon Prime/dpa

Der Anschlag auf den Mannschaftsbus des BVB ist ein großes Thema

Ein weiterer Aspekt, der zumindest die jüngere Geschichte des BVB von anderen Vereinen unterscheidet, ist der Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus im April 2017. Dieses Ereignis nimmt in der Auftaktfolge einen großen Raum ein, weil nicht nur die Spieler, sondern der gesamte Klub noch lange unter einer posttraumatischen Belastungsstörung gelitten hat. Die Schilderungen des Busfahrers und der betroffenen Profis sind ein düsterer Kontrapunkt zu den Jubelbildern vom Auftakt.

Roter Faden der ersten Episode sind Aufnahmen aus dem Wintertrainingslager in Marbella (Januar 2019), als der BVB die Tabelle vermeintlich komfortabel anführt. Die Spieler ahnen, dass die Dominanz der übermächtigen Bayern nach sechs Meisterschaften in Folge endlich gebrochen werden kann. Sie haben also etwas zu verlieren – und prompt ist die vermeintliche Leichtigkeit dahin.

Dass Mannschaft und Funktionäre auch in dieser Phase zum Interview bereit waren, ist mehr als ungewöhnlich. Eine besondere Rolle spielt dabei Marco Reus, der in der letzten Saison nach längerer verletzungsfreier Zeit endlich zu dem Weltklassespieler geworden ist, der schon immer in ihm geschlummert hat. Bis ihn eine erneute Verletzung zurückwirft.

Die Kamera durfte sogar ins Allerheiligste des BVB - die Umkleidekabine

Wie vertrauensvoll die Beziehung zwischen Klub und Pause gewesen sein muss, zeigt nicht zuletzt die Erlaubnis, dem Filmteam auch Zutritt zum Umkleideraum und somit zum Allerheiligsten zu gewähren. Und das nicht bloß zwischen den Spielen, sondern selbst während einer Halbzeitpause, allerdings ausgerechnet an jenem Spieltag, als der BVB eine 3:0-Führung gegen Hoffenheim vergeigt.

Ähnlich ungewöhnlich ist die Anwesenheit der Kamera bei einer Strategiesitzung des Kompetenzteams rund um Sportdirektor Michael Zorc; die Fachsimpelei mit Sebastian Kehl (Leiter der Lizenzspielerabteilung) und Matthias Sammer (externer Berater) verdeutlicht, warum der BVB dem großen Ligakonkurrenten FC Bayern derzeit nicht nur auf dem Platz überlegen ist.

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