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Medien HAZ-Fotografin gelingt Unicef-Foto des Jahres
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15:32 03.01.2016
Von Uwe Janssen
Nicht wie alle anderen: Die hannoverschen Fotografen Insa Hagemann und Stefan Finger dokumentierten die Folgen des Sextourismus auf den Philippinen. Quelle: Insa Hagemann/Stefan Finger
Hannover

Sie ist so nah dran und doch so weit weg. Das kleine Mädchen beobachtet eine Gruppe von Kindern, die ein paar Meter weiter spielen, lachen und Spaß haben. Es sind philippinische Kinder. Die Beobachterin ist es auch. Aber sie ist anders. Divine, so ihr Name, ist blond und hellhäutig, sie ist die Tochter eines Australiers, der als Sextourist auf die Philippinen kam und dann auf Nimmerwiedersehen verschwand. HAZ-Fotografin Insa Hagemann und ihr Kollege Stefan Finger, die sich beim Studium an der Hochschule Hannover kennen lernten, haben einen Monat auf den Philippinen verbracht, nicht, um Sextourismus direkt zu dokumentieren, sondern eine seiner Auswirkungen – in der Reportage "Wanna have love?!". 

Das Bild mit der kleinen, verunsicherten Divine ist am Dienstag zum „Unicef-Foto des Jahres“ gekürt worden, einem der renommiertesten Fotopreise der Welt. Drei Jahre nach Kai Löffelbein, der diese Auszeichnung für ein Bild eines Kindes auf einem afrikanischen Schrottplatz erhalten hatte, geht der Preis wieder nach Deutschland – und wieder an zwei Fotografen, die im Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der Hochschule Hannover ausgebildet wurden.

Stefan Finger war während einer anderen Fotoreportage auf den Philippinen auf das Thema gestoßen. Mit Insa Hagemann entschied er, gemeinsam in das streng katholische Land zu reisen, in dem Prostitution offiziell verboten ist. „Man geht dort in eine Bar, zahlt eine Gebühr, löst eine Frau aus und nimmt sie mit nach Hause, oft auch für einen gesamten Urlaub“, sagt Finger. Dadurch könnten die Mütter auch relativ sicher sagen, wer der Vater ist. Der von Divine hatte ihre Mutter über eine als Dating-Seite getarntes Internetportal kennen gelernt, auf dem man sich eine Frau „bestellen“ kann. Aber das war letztlich nicht der Fokus der beiden deutschen Bildjournalisten.

„Wir wollten wissen, wie es für die Kinder ist“, sagt Hagemann. Schwierig, lautet das Ergebnis. Nicht nur, weil sie ohne Vater aufwachsen. Ihr auffälliges Aussehen stigmatisiert die Kinder und lässt sie zu Außenseitern werden. „Sie dürfen nicht mitspielen und werden ständig beleidigt“, sagt Finger. Manche ältere werden selbst von philippinischen Zuhältern angesprochen, weil sie für Sextouristen gehalten werden – obwohl sie dessen „Produkt“ sind.
Einzelne Väter melden sich sogar, versprechen, Vaterschaftstests zu machen oder das Kind zu besuchen oder zu unterstützen. In den meisten Fällen bliebe es aber dabei, sagt Insa Hagemann, die seit Jahren als Fotografin für die HAZ arbeitet. Unlängst erst war sie für eine Langzeitreportage vielfach ausgezeichnet worden, in der sie die Balletttänzerin Karine Seneca unter anderem im hannoverachen Opernhaus begleitet.

Die Reportage – ein Gemeinschaftswerk

Nun also die nächste erfolgreiche Arbeit – als Gemeinschaftswerk, das auch als Buchprojekt in Planung ist. Warum zu zweit? „Für mich wäre es schwierig gewesen, als weißer Mann dorthin zu gehen und Fotos von Kindern zu machen“, sagt Finger. Hagemann wiederum hätte Probleme bekommen, als Frau in die Bars der Vergnügungsviertel zu kommen und dort mit der Kamera arbeiten zu können. „Wir haben viel über Bilder und Sichtweisen diskutiert. Die Reportage ist im Endergebnis eine Mischung dieser Sichtweisen“, sagt Hagemann. Das Vertrauen vor Ort sei überraschend groß gewesen. Eine Hilfsorganisation, die sich unter der Leitung eines Iren seit Jahren um diese Frauen und Kinder kümmert, hat den Fotografen die Türen geöffnet. 

Und wer von beiden hat nun das von Unicef ausgezeichnete Bild gemacht? Antwort: „Wir!“

Reportage „Wanna have love?!“

Weitere Informationen zu der Reportage von Insa Cathérine Hagemann und Stefan Finger gibt es unter www.wannahavelove.de.

Der Unicef-Wettbewerb

Der Preis für das Unicef-Foto des Jahres wird in diesem Jahr zum 15. Mal vergeben. Das UN-Kinderhilfswerk vergibt die Ehrung gemeinsam mit der Zeitschrift „Geo“. Neben den drei Fotos zeichnete die Jury sechs weitere Reportagen mit ehrenvollen Erwähnungen aus. Weitere Informationen zu den Ehrungen gibt es unter www.unicef.de/foto.

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