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Medien IFA in Berlin: Der Kampf um die TV-Zukunft
Mehr Welt Medien IFA in Berlin: Der Kampf um die TV-Zukunft
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20:49 01.09.2010
Die IFA in Berlin geht mit einen Ausstellerrekord in den Kampf um die TV-Zukunft.
Die IFA in Berlin geht mit einen Ausstellerrekord in den Kampf um die TV-Zukunft. Quelle: dpa
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Zeichen für den Boom der Heim-Elektronik ist die Rekordzahl von 1423 Ausstellern. Das sind 22 Prozent mehr als vor einem Jahr, zuvor hatten die Veranstalter nur ein Zehntel mehr erwartet. Die Ausstellungsfläche ist um elf Prozent gewachsen. Bis Mittwoch nächster Woche werden 230.000 Besucher erwartet.

Erfasst wird die IFA auch von dem Kampf um die Neuordnung der Fernsehbranche. Das Internet stürmt die letzte Bastion der Medienindustrie, die es noch nicht umgekrempelt hat: Den klassischen Fernsehempfang. Die Vision ist, dass der Zuschauer nahtlos zwischen TV-Sendungen und Online-Video wechseln kann.

Für die Verbraucher bedeutet das mehr Auswahl im TV - und die meisten werden sich wieder einmal neue Geräte besorgen müssen. Über die Verschmelzung von Fernsehen und Internet-Video wird seit Jahren gesprochen, doch jetzt kommt auf einmal richtig Schwung in die Entwicklung. Die Anbieter überschlagen sich mit Angeboten, jeder will sich sein Stück Neuland sichern.

Der Branchenriese Sony nutzte die IFA, um mit einem neuen Musik- und Videodienst den Branchenführer Apple anzugreifen. Sony-Chef Howard Stringer kam persönliche nach Berlin, um den Dienst mit dem Namen Qriocity vorzustellen. Die Nutzer sollen unbegrenzten Zugang zu Musik und Videos bekommen. Andres als bei Apples iTunes zumindest bisher üblich, werden die Inhalte nicht auf die Geräte heruntergeladen, sondern direkt aus dem Netz abgespielt („Streaming“).

Der Zeitpunkt ist mit Bedacht gewählt: Nur wenige Stunden später wollte Apple-Chef Steve Jobs wahrscheinlich einen weiteren Vorstoß ins Geschäft mit Online-Video ankündigen und neue iPod-Player vorstellen.

In Deutschland verbinden das ZDF und die Senderkette ProSiebenSat.1 auf Basis des neuen Standards HbbTV ihre Programme mit Online-Videotheken. RTL bietet einen neuen „Digitaltext“ unter anderem mit Videoclips aus dem Netz an. HbbTV ist ein europäischer Standard, mit dem Sender und Gerätehersteller ein Formatchaos vermeiden wollen.

Der Schauplatz des Wettbewerbs um das Fernsehen der Zukunft liegt jedoch vor allem in den USA, dem Land, in dem die meisten international verkauften TV-Serien produziert werden - und jährlich rund 70 Milliarden Dollar in Fernsehwerbung fließen. Letztlich wird es um die Neuverteilung dieser gewaltigen Geldströme gehen.

Auch der weltgrößte Online-Händler Amazon.com soll an einem eigenen Internet-TV arbeiten. Amazon verhandele mit mehreren Medienkonzernen, um Fernsehsendungen, Filme und Serien online auf Sendung bringen zu können, berichtete das „Wall Street Journal“ am Mittwoch.

Google will im Herbst ebenfalls auf einer eigenen Plattform Fernsehen und Internet verschmelzen - und zu dem Konzern gehört schließlich die führende Onlinevideo-Website YouTube.

Auf der IFA steht auch noch eine weitere Fernsehneuheit im Mittelpunkt: 3-D-TV. Nach dem überragenden Erfolg von dreidimensionalen Kinofilmen wie „Avatar“ will die Industrie die Technik auch schnell in die Wohnzimmer bringen.

Die Geräte-Hersteller werden deutlich von der neuen 3-D-Technik profitieren, sagte Frank Bolten, Deutschland-Chef von Sharp. „Die Technik ist leicht und schnell einzubauen.“ Die Preise für Flachbildfernseher befinden sich seit geraumer Zeit im Sinkflug. „Es wäre schön, wenn die Preise sich nun wieder stabilisieren würden.“

Die deutschen Haushalte werden in diesem Jahr durchschnittlich 636 Euro für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik ausgeben, schätzt die Branche. Mit der Absatzprognose von knapp zehn Millionen Flachbild-Fernsehern kauft sich - zumindest rechnerisch - jeder vierte Haushalt ein neues TV-Gerät.

Fernseher nähern sich dem Lebenszyklus der Computer an, wie der Experte des Fachverbands Bitkom für Unterhaltungselektronik, Michael Schidlack, sagte. Bis in die 90er Jahre war der Fernseher oft noch eine Anschaffung fürs Leben. Jetzt kommt vielfach alle drei bis fünf Jahre ein neues Gerät ins Haus.

dpa