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Medien Gut gemeint, nicht gut gemacht
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22:25 14.11.2014
Foto: „Anders als Du denkst“ ist der Titel der ARD-Themenwoche. Geworben hatte der Sender dafür unter anderem mit diesem brüllenden Kind.
„Anders als Du denkst“ ist der Titel der ARD-Themenwoche. Geworben hatte der Sender dafür unter anderem mit diesem brüllenden Kind. Quelle: ARD
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Vermutlich hat die ARD gegenüber ihrer Werbekampagne mehr Toleranz erwartet. Bevor die Themenwoche unter dem Titel „Anders als du denkst“ überhaupt losgegangen ist, musste der Sender Vorwürfe über sich ergehen lassen. Plakate mit Abbildungen eines Schwarzen, eines Rollstuhlfahrers, eines schwulen Paares und eines schreienden Kindes verstanden Kritiker als „intolerant“. Vor allem wegen Slogans wie „Normal oder nicht normal?“ und „Belastung oder Bereicherung?“

Am Sonnabend geht es nun um 10.45 Uhr im „Ersten“ los – mit dem Beitrag „Grenzgänger – Wie tolerant bist Du?“ über Vorurteile unter Jugendlichen. „Wir hoffen, dass sich die Diskussion jetzt auf die gesellschaftlich wichtigen Themen der Toleranzwoche konzentriert“, sagt der Koordinator der Themenwoche, Hans-Martin Schmidt. Nicht nur Publikationen und Foren der schwulen Community greifen das Projekt an. Auch der Paritätische Gesamtverband fand die Poster „sehr unglücklich und wenig reflektiert“. Mit einigen Interessensverbänden und Vereinen, unter anderem der Heinrich-Böll-Stiftung, hat der Grünen-Bundestagspolitiker Volker Beck einen Offenen Brief an die Geschäftsführerin der ARD-Gremienvorsitzendenkonferenz verfasst. „Sie verlassen als öffentlich-rechtliche Medien allerdings Ihren gesetzlichen Auftrag, wenn Sie Teile unserer Gesellschaft in ihrer Existenz infrage stellen“, heißt es da an die Adresse des Senders. Beistand bekam die ARD aber auch: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hält die Themenwoche nach Angaben seines Sprechers für „einen wichtigen Beitrag einer lebendigen Toleranzkultur in Deutschland“.

Jens Vogelgesang, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Münster, erklärt das Problem der Kampagne so: Auf den Plakaten stehen nach seinen Worten Sätze, „die zwei Deutungen zulassen. Es gibt Leute, die so denken: Ein Schwuler ist nicht normal. Und das wird dann auf den Postern nicht eingeordnet“, sagte Vogelgesang. Die gute Sache dahinter, die die ARD bezweckt habe, werde nicht deutlich.

dpa/r.