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Medien „Größer als im Fernsehen“: Ein Superstar in der Provinz
Mehr Welt Medien „Größer als im Fernsehen“: Ein Superstar in der Provinz
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07:36 28.05.2019
Große Bühne: Nico Hölter (Dennis Schigiol) tritt in einem Möbelhaus auf. Quelle: HR/Bettina Müller/dpa
Körstel

Die Tragikomödie mit dem zunächst etwas irritierenden Titel „Größer als im Fernsehen“ (Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD) erzählt eine in vielerlei Hinsicht ungewöhnliche und durchaus ernst zu nehmende Geschichte. Trotzdem ist der Film kein Minderheitenprogramm, im Gegenteil, denn es geht vorwiegend heiter zu.

Die erste Szene zeigt zwei Männer an einem Lagerfeuer im Sand, dann folgt der eigentliche Auftakt: Während drei Trinker an der Theke einen Schnaps nach dem anderen wegkippen, erkennt Studentin Lisa (Janina Fautz) im fernen Berlin, dass ihr Traum vom Studium in der pulsierenden Großstadt an der Wirklichkeit zerschellt. Derweil hat ihr Vater, Besitzer der Dorfkneipe Zum Kühlen Grunde im Taunus, den letzten Schnaps seines Lebens kredenzt. Also kehrt Lisa ins hessische Körstel zurück, übernimmt das Lokal voller Enthusiasmus und vielen Plänen – und scheitert erneut: Die Kneipe ist hoch verschuldet. Rettung naht in Gestalt eines Investors: Im Dorf soll ein Freizeitpark entstehen, alle würden profitieren, vor allem Lisa, denn die würde viel Geld für das Grundstück bekommen; Bürgermeister Schulz (Gustav Peter Wöhler) ist begeistert.

„Größer als im Fernsehen“: Der Deal

Es gibt nur ein Problem: Mittendrin im zukünftigen Parkgelände liegt das Domizil der eigenwilligen Eleonore (Marie Anne Fliegel). Mit Geld und guten Worten wird die vermögende alte Dame nicht zum Verkauf zu bewegen sein, aber Lisa findet zufällig heraus, dass sie für einen ehemaligen Castingshow-Teilnehmer schwärmt, und tatsächlich lässt sich Eleonore auf einen Deal ein: Sollte es Lisa gelingen, Nico Hölter (Dennis Schigiol) zu einem Privatkonzert zu überreden, und das auch noch in Unterwäsche, willigt sie in den Verkauf ein.

Bis hierher ist „Größer als im Fernsehen“ wunderbare Unterhaltung auf hohem Niveau, vorzüglich gespielt, auch in den Nebenrollen mit viel Bedacht besetzt, aber nun kommt eine tragische Note ins Spiel: Nico hat die typische traurige Karriere vieler Castingshow-Sternschnuppen hinter sich und ist mittlerweile froh, wenn er in einem Möbelhaus auftreten darf. Nächste Station auf der Karriereleiter nach unten wäre die Mitwirkung in der Show „Abgestürzt“, die frappierende Ähnlichkeit mit dem Dschungelcamp eines großen deutschen Privatsenders hat. Die Geschichte (Drehbuch: Benjamin Hessler) ist dank der Umsetzung durch den erfahrenen Regisseur Christoph Schnee ein Vergnügen mit Tiefgang. Natürlich übt der Film eine gewisse Kritik am Privatfernsehen, das seine „Superstars“ erst hochjubelt und dann im australischen Dschungel dem Gespött preisgibt, aber diese Ebene ergibt sich eher beiläufig.

„Größer als im Fernsehen“: Die Entdeckung

Mutig ist die Tragikomödie, weil die beteiligten Sender den Film in die Hände zweier junger Schauspieler gelegt haben – selbst wenn Janina Fautz schon oft ihre Klasse bewiesen hat; die „Wilsberg“-Krimis im ZDF zum Beispiel haben durch ihre Mitwirkung einen echten Schub bekommen.

Eine Entdeckung ist dagegen der im Fernsehfilm bislang allenfalls am Rande präsente Dennis Schigiol, der dank seiner Ausbildung am Institut für Musik der Hochschule Osnabrück und seiner Mitwirkung in verschiedenen Musicals geradezu prädestiniert für die Rolle des Sängers ist; seine Coverversionen diverser Klassiker von Joe Cocker bis Leonard Cohen können sich in der Tat hören lassen.

Sehr liebevoll ist die filmische Gestaltung. Die Rückblenden sind sehr kunstvoll und oft erst auf den zweiten Blick erkennbar in die Geschichte integriert. Wie clever der Film konzipiert ist, zeigt sich am Schluss. Erst jetzt stellt sich heraus, dass die Rahmenhandlung mit den beiden Männern am Strand zwar in der Tat der Rückblick eines Gescheiterten ist, aber sie findet in gänzlich anderem Zusammenhang statt, als die Szenerie vermuten lässt.

Von Tilmann P. Gangloff

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